Parksituation in Frankfurt

Fälschen für den Parkplatz

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Freie Parkplätze sind in Frankfurt vielerorts Mangelware. Manche Autofahrer greifen zu dreisten Methoden, um ihr Gefährt bequem und kostenlos abstellen zu können: Sie benutzen Behindertenparkausweise anderer Leute oder fälschen Parkscheine.

Die Parkplatzsuche in der Innenstadt und den benachbarten Stadtteilen ist für viele Autofahrer ein Graus. In Vierteln wie Sachsenhausen oder dem Nordend kurven Anwohner ohne Garage oder Privatparkplatz eine gefühlte Ewigkeit durch die Straßen, bevor sich schließlich irgendwo eine Lücke auftut. Manche Verkehrsteilnehmer sind offenkundig nicht mehr bereit, ihre Zeit und ihr Benzin zu opfern oder Geld in einen Parkschein oder ein Parkhaus zu investieren. Stattdessen greifen sie zu ordnungswidrigen oder verbotenen Methoden, um ihr Gefährt bequem und kostenlos abstellen zu können.

Das städtische Straßenverkehrsamt hat nach eigenen Angaben regelmäßig mit Autofahrern zu tun, die ihr Fahrzeug parken und fremde, verfälschte oder gefälschte Parkausweise unter die Windschutzscheibe legen. Auch Parkscheine, wie sie aus Automaten kommen, werden gefälscht. Am meisten „Schindluder“ wird laut Rainer Michaelis, dem Leiter der Abteilung Verkehrssicherheit, mit dem „Parkausweis für Behinderte“ getrieben.

Ein Beispiel: Vor ein paar Wochen fiel den Stadtpolizisten des Straßenverkehrsamts in der Schäfergasse eine junge Frau auf, die ihr Auto in der Schäfergasse auf einem allgemeinen Behindertenparkplatz abstellte. Die Ordnungshüter ließen sich den Behindertenparkausweis zeigen. Dieser gehörte allerdings nicht der 1984 geborenen Frau, sondern deren Mutter. „Ein klassischer Fall von Urkundenmissbrauch“, sagt Michaelis. „Einen Parkausweis für Behinderte darf nur der Eigentümer verwenden.“

Die junge Parksünderin musste sich wegen einer Verkehrsordnungswidrigkeit und eines Urkundenmissbrauchs verantworten. Das Bußgeld summierte sich mit den Kosten für die Sicherstellung des Ausweises auf etwa 60 Euro. Daraus gelernt hat die Autofahrerin offenbar nichts: Gut sechs Wochen später erwischten sie die Ordnungshüter wiederum mit ihrem Auto auf einem Behindertenparkplatz. Dieses Mal parkte sie in der Stiftstraße – und wiederum konnte sie lediglich den Behindertenausweis ihrer Mutter vorweisen.

„Wir haben es oft mit Wiederholungstätern zu tun“, berichtet Ulrich Nothwang vom Straßenverkehrsamt. Die Parksünder benutzten nicht nur Behindertenparkausweise anderer Personen (die mitunter schon verstorben sind), sondern auch Fälschungen. Nothwang betont, dass schon eine gute Farbkopie eine Fälschung darstelle. „Liegt der Originalausweis nicht vor, müssen die Stadtpolizisten von einer Ordnungswidrigkeit ausgehen.“ Die Autos würden dann abgeschleppt, Anzeigen – unter anderem wegen Urkundenfälschung – erstattet. Sonderparkplätze denen zur Verfügung zu stellen, die wirklich behindert sind, nennt Nothwang „eine der vornehmsten Aufgaben der Verkehrsüberwachung“.

Michaelis und Nothwang berichten, dass auch Bewohnerparkausweise verfälscht oder gefälscht werden. In einem Fall, von dem die beiden berichten, veränderte ein Fahrzeughalter eine Ziffer auf seinem Ausweis so, dass er nicht mehr in seinem Wohnquartier in der Innenstadt, sondern nahe seiner Arbeitsstätte in Höchst parken konnte. Dort war der Parkdruck offenbar noch höher als vor seiner Haustür.

In einem anderen Fall verfälschte ein Frankfurter das Kennzeichen auf seinem Bewohnerparkausweis derart, dass seine Frau das Dokument nutzen konnte. Das Straßenverkehrsamt berichtet, dass die Fahrzeughalter manchmal auch das Gültigkeitsdatum ihres Ausweises verändern, um sich die 50-Euro-Gebühr für ein neues Exemplar zu sparen. Die Stadt stellt Bewohnerparkausweise derzeit für zwei Jahre aus, nach Ablauf dieser Zeit müssen die Eigentümer neue beantragen. Parkausweise für Menschen im Sozialen Dienst, die beim abendlichen Kneipenbesuch verwendet werden, Ausnahmegenehmigungen für Handwerker, die nur für ein einziges Fahrzeug gelten, aber in Kopie auf die ganze Firmenflotte verteilt werden – Michaelis und Nothwang kennen alle Tricks aus dem Effeff.

Die Dreistigkeit eines Fälschers, der im vergangenen Jahr in großem Stil Automaten-Parkscheine fälschte, überraschte sie aber doch: Der Mann hatte sich für die ganze Woche Scheine mit passenden Uhrzeiten gedruckt und diese jeweils ausgetauscht. Wie lang er damit durchkam, bevor der Schwindel aufflog, ist unklar.

An eine Fälschung, die gleich auf den ersten Blick aufflog, erinnert sich Michaelis noch gut: Auf einem Parkschein, der den Stadtpolizisten auffiel, stand ein Betrag von mehr als 20 Euro. Eine so hohe Summe lässt sich wegen der begrenzten Parkdauer an keinem Automaten der Stadt einzahlen. Aber auch unabhängig von solchen Fehlern seien Fälschungen oft schnell erkennbar, sagt Michaelis: „Unsere Parkscheine haben eine Spezialschrift, die es auf PCs in der Regel nicht gibt.“

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