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Harald Wagner war im aktiven Berufsleben bei der Gewerkschaft Verdi für den öffentlichen Nahverkehr zuständig. Im Ruhestand beschäftigt er sich ehrenamtlich weiter mit dem Thema ? allerdings aus der Perspektive der Fahrgäste.

Kundenvertreter der Verkehrsunternehmen vernetzen sich

Rat der Fahrgäste ist gefragt

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Seit fast 20 Jahren können die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs in Frankfurt über den Fahrgastbeirat Einfluss auf das Angebot bei Bussen und Bahnen nehmen. Die Arbeit des Gremiums stößt bundesweit auf Interesse. Fahrgastbeiräte aus mehreren Städten haben begonnen, sich regelmäßig auszutauschen.

Als Harald Wagner vor einigen Jahren seine Tätigkeit im Fahrgastbeirat der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq aufnahm, hatte er bei mehreren Themen eine naheliegende Frage. „Wie machen die denn das in anderen Städten?“, wollte er wissen. Eine Antwort war schwer zu bekommen. Zwar sind die Anforderungen an Fahrzeuge und Haltestellen bundesweit ähnlich. Aber von den Lösungen, die in verschiedenen Städten und Regionen gefunden wurden, bekamen die jeweiligen Fahrgastvertreter nichts mit.

Das wollte Harald Wagner ändern. Er initiierte ein bundesweites Treffen von Fahrgastbeiräten in Frankfurt. Austausch und Vernetzung waren das Ziel. Neun Fahrgastbeiräte kamen 2015 zur ersten Tagung, im Jahr darauf waren es schon 17. Mittlerweile sind rund 35 Adressen im Verteiler, und es kommen weitere hinzu. In diesem Jahr ist bereits die dritte Tagung in Vorbereitung, Gastgeber ist im September Schleswig-Holstein. Und seit wenigen Wochen gibt es unter der Federführung des Erfurter Fahrgastbeirats für den bundesweiten Informationsaustausch die Homepage äte.de.

Eine Erkenntnis hat Harald Wagner aus dem Austausch schon gewonnen: „Im Vergleich zu anderen Fahrgastbeiräten haben wir hier eine sehr gute Struktur.“ Arbeitsgruppen würden konkrete Vorschläge erarbeiten, die von Traffiq, so weit es geht, berücksichtigt werden. „Wir bekommen zum Beispiel neue Fahrzeuge frühzeitig vorgestellt und können unsere Änderungswünsche einbringen.“

Ziel sei es, den Stellenwert der Fahrgastbeiräte bundesweit zu erhöhen. „Unsere Erfahrungen sind ja auch ein Mehrwert für die Unternehmen“, meint Wagner. Häufig seien die Probleme überall gleich: Fahrgäste klagten über fehlende Informationen in Fahrzeugen und Haltestellen oder über die nicht funktionierende Verknüpfung zwischen den Verkehrsmitteln. In jüngster Zeit seien neue Themen wie das elektronische Ticket hinzugekommen. „Es laufen zu viele Projekte parallel“, findet Wagner. Ziel müsse ein einheitliches Ticket sein, die Fahrgastbeiräte könnten dazu Forderungen entwickeln.

In Frankfurt habe der Fahrgastbeirat schon zahlreiche Erfolge erzielt. An erster Stelle nennt Wagner die barrierefreie Ausstattung der Fahrzeuge. „Viele unserer Anregungen wurden bereits umgesetzt“, sagt er. „Jetzt geht es im Grunde genommen nur noch um Details.“ Auch die Ausstattung der Haltestellen sei deutlich verbessert worden – auch wenn noch viele Wünsche offen seien, etwa was die Informationsanzeigen betrifft.

Mitentwickelt hat der Fahrgastbeirat auch Kriterien für die Schulung des Fahrpersonals. „Sie sollen zum Beispiel dazu angehalten werden, genau an die Bordsteinkante zu fahren, um einen barrierefreien Einstieg zu ermöglichen.“ Auch sollten die Fahrer im Umgang mit Konfliktsituationen geschult werden. „Leider wird das von vielen Anbietern nicht praktiziert.“ Ein anderes Thema, dass die Fahrgastvertreter beschäftig, ist das Baustellenmanagement. „Das läuft bisher nicht so optimal“, meint Wagner.

Die städtische Nahverkehrsgesellschaft Traffiq setzt darauf, dass sich bei diesem Thema der Fahrgastbeirat mit Ideen einbringt. „Von ihm bekommen wir wichtige Impulse“, sagt Sprecherin Kirsten Anlauf. „Zaubern können wir nicht, aber wenn es sich machen lässt, setzen wir die Anregungen um.“ Man kommuniziere mit den Fahrgastvertretern „auf Augenhöhe“.

Das lässt sich nicht über alle Fahrgastbeiräte sagen. Auch das ist eine Erkenntnis der bundesweiten Vernetzung.

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