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Mit der GPS-Funktion seines Handys hat Mike Höhn herausgefunden: Eigentlich müsste er nur ein Kurzstrecken-Ticket lösen.

Kurzstrecke, mehr nicht!

Fahrgast wehrt sich erfolgreich gegen Fahrpreiserhöhung

Kurzstrecke oder Normaltarif, 1,80 Euro pro Fahrt oder 2,90 Euro? Weil er sicher war, dass der Verkehrsverbund sich verrechnete, blieb Mike Höhn hartnäckig. Und zahlt nun vom Nordend nach Eckenheim wieder den Kurzstreckentarif.

Die rot-weißen Absperrbänder flattern noch an der längst abgebauten U-Bahn-Haltestelle Eckenheimer Landstraße/Marbachweg. Fast täglich stieg der Fotograf Mike Höhn hier früher aus, um zur Arbeit zu gehen – so, wie viele andere auch. Zwei Haltestellen gab’s früher hier, eine direkt vor und eine direkt hinter der Kreuzung Eckenheimer Landstraße/Marbachweg. Als die Linie U 5 im Nordend und in Eckenheim Hochbahnsteige bekam, fiel der Halt in der Eckenheimer Landstraße weg. Nun fährt Mike Höhn 100 Meter weiter, bis Marbachweg/Sozialzentrum. Und zahlt für seine Fahrt ins Nordend statt des Kurzstreckentarifs von 1,80 Euro den Normaltarif von 2,90 Euro. Und das, obwohl seinen Berechnungen zufolge die gefahrene Strecke kürzer wurde.

„Nach wie vor frage ich mich, was das soll: Die Haltestelle Marbachweg wird abgerissen, und jetzt zahlt man für die gleiche Strecke zur Glauburgstraße nicht mehr 1,80 Euro, sondern 2,90 Euro. Was ist das für eine Abzocke?“, fragte er empört den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auf dessen Facebook-Seite. Dieser erwiderte, eine Kurzstrecke betrage höchstens 2000 Meter – und diese würden nun überschritten.

Doch Höhn misst nach, hat er doch ein GPS-Gerät im Handy – und siehe da: Die Distanz zwischen den Stationen beträgt nur 1700 Meter. Höhn ist überzeugt: Obwohl er eine Station weiter fährt, ist die Strecke kürzer – weil wegen der neuen Hochbahnsteige die Haltestelle Glauburgstraße verlegt wurde.

Doch der RMV beharrte zunächst darauf, im Recht zu sein. Unter dem Facebook-Eintrag Höhns antwortet der Verkehrsverbund ausführlich: „Mit Hilfe moderner GPS-Technologie erfolgt eine schrittweise Überarbeitung der Kurzstreckenrelationen hinsichtlich der tatsächlichen Distanz zwischen den jeweiligen Stationen.“ Der RMV biete „einerseits zusätzliche Kurzstreckenrelationen, andererseits kommt bei einigen Verbindungen nun der reguläre Fahrpreis zum Tragen. Zwar werde die 2000-Meter-Regel großzügig ausgelegt. Doch hätten sich „mitunter so deutliche Überschreitungen gezeigt, dass in einigen Fällen die Beibehaltung als Kurzstrecken-Angebot nicht länger vertretbar war“.

Auf Nachfrage unserer Zeitung fährt Klaus Linek, Sprecher der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq, die Strecke ab und spricht mit Traffiq-Technikern. „Es kann ja eigentlich nicht sein, dass für diese Strecke 2,90 Euro gezahlt werden muss“, sagt er. Durch den Umbau der Fahrtstrecke der U 5 hätten die Kurzfahrtstreckentarife eigentlich neu berechnet werden sollen. Dies sei aber wohl nach Fertigstellung der Stationen Ende des Vorjahres zwischen Glauburgstraße und Sozialzentrum untergegangen, bedauert Linek.

Mike Höhn sieht sich bestätigt. Er ist froh, so hartnäckig geblieben zu sein. „Hätte ich seit der Wiedereröffnung der U 5 nicht alle Register gezogen, wäre nichts passiert.“ Es hat sich gelohnt, sagt er. Zumal die Automaten nun umgestellt wurden: Seit gestern zahlt Mike Höhn für seine Stammstrecke wieder nur den Kurzstreckentarif.

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