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Schild für Tempo-30-Zone.

Tempo 30 auf Hauptstraßen

Fahrrad-Club fordert Tempo 30, wo es keinen Radweg gibt

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Der Frankfurter Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) fordert, Autofahrern auf Hauptverkehrsstraßen ohne Radwege, Tempo 30 zu verordnen. Was halten Frankfurter Kommunalpolitiker von dem Vorstoß?

Düsseldorfer Straße, Am Hauptbahnhof, Baseler Straße – „selbst hartgesottene Radfahrer versuchen, diese Strecke zu meiden“, hat der verkehrspolitische Sprecher des ADFC, Bertram Giebeler, festgestellt. „Fahrspuren zugunsten von Radwegen will hier niemand wegnehmen, also Tempo runter!“, fordert er. Die genannte Strecke ist eines von elf Beispielen, die Giebler jetzt in der Zeitschrift des ADFC aufgelistet hat. Weitere Beispiele, auf denen seiner Ansicht nach Tempo 30 gelten sollte, sind die Friedberger Landstraße zwischen Börneplatz und Egenolffstraße, sowie die Hanauer Landstraße zwischen Ostbahnhof und Intzestraße, „weil der Radweg an vielen Stellen praktisch unbefahrbar ist“. Auch die Berliner und die Schweizer Straße nennt Giebeler.

Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hält von der Forderung nichts. „Das wird mit Sicherheit nicht umgesetzt. Die Regelhöchstgeschwindigkeit auf Hauptstraßen ist Tempo 50.“ So sei es auch im Koalitionsvertrag mit CDU und Grünen vereinbart. Ursula Busch, SPD-Fraktionschefin im Römer, verweist auf die Gesetzeslage: Breite Grundnetzstraßen dürfen nicht auf Tempo 30 heruntergebremst werden. Ich halte nichts davon, den Leuten etwas aufzudrücken.“ SPD-Fraktionsgeschäftsführer Holger Tschierschke kann sich eine spitze Bemerkung nicht verkneifen und fragt die ehemalige schwarz-grüne Koalition: „Wer war denn zehn Jahre lang in der Stadtregierung und hat an diesen Straßen zu wenig gemacht?“

„Es gibt eine klare Vereinbarung“, betont CDU-Fraktionschef Michael Prinz zu Löwenstein. „Auf Durchgangsstraßen gilt Tempo 50. Dabei bleibt es.“ Gleichwohl räumt Löwenstein ein, dass es um eine Radwegverbindung von West nach Ost in Frankfurt schlecht bestellt ist. Die Braubachstraße ist wegen der Straßenbahnschienen ungeeignet. Er schlägt deshalb vor, auf der Berliner Straße mindestens Radstreifen wie auf der Mainzer Landstraße abzugrenzen.

„Man kann auf Grundnetzstraßen nicht einfach Tempo 30 einführen, erklärt der Fraktionschef der Grünen im Römer, Manuel Stock. „Bei diesem Vorschlag müsste der Bundesgesetzgeber tätig werden.“

Das gilt auch für einen weiteren Vorschlag des ADFC: Giebeler schlägt vor, auf der mittleren Eschersheimer Landstraße eine „shared bike lane“ einzuführen: Die rechte Spur hätte dann Tempo 30 und Fahrradpiktogramme, die linke Tempo 50. Dort wird überholt und normal zügig gefahren. „Das wird in den USA und Kanada hin und wieder dort eingesetzt, wo es keine Seitenräume mehr gibt und funktioniert ganz gut.“ Der grüne Fraktionschef Stock sieht den Verkehrsdezernenten Oesterling gefordert, sich Gedanken zu machen“. Ein Tempolimit von 30 km/h auf Durchgangsstraßen ist für die FDP-Fraktionschefin Annette Rinn kein Mittel den Radverkehr sicherer zu machen. „Wir sind absolut dagegen“, sagte die Liberale. Auf gut ausgebauten Strecken wie der Friedberger sei das auch „überhaupt nicht vermittelbar“.

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Markus Frohnhöfer (50):

„In Frankfurt bin ich nur mit dem Fahrrad unterwegs, weil ich gar kein Auto habe. Deshalb denke ich schon, dass die Tempo 30-Zonen die Situation für Radfahrer verbessern würden, aber nicht besonders viel. Gekennzeichnete Fahrradwege geben ein größeres Gefühl von Sicherheit. Auf der Berger Straße ist die Situation zum Beispiel schlecht, da haben die Fahrradfahrer keine eigene Bahn und bremsen die Autos aus.“

Csilla P. (36):

„Für Fahrradfahrer sind Tempo 30-Zonen natürlich besser, auch wenn die Autofahrer sich über zusätzliche Zonen sicher aufregen würden. Weitere Fahrradwege fände ich allerdings noch besser, weil ich täglich mit dem Fahrrad unterwegs bin. Generell ist Frankfurt schon eine fahrradfreundliche Stadt, nur manche Taxifahrer fahren ab und zu etwas zu gefährlich – ,vielleicht würde dagegen ja die Tempoverringerung helfen.“

Silke Kiener (45) mit Sophia (6):

„Ich fahre etwa gleich viel Auto und Fahrrad, obwohl ich mich im Sommer eher mal für das Rad entscheide. Als Autofahrer finde ich mehr Tempo 30-Zonen schlecht, vor allem auf der Friedberger Landstraße stelle ich mir das schwierig vor. Da wäre ein Fahrradstreifen sicher die bessere Lösung. Aus Sicht des Radlers ist eine 30er-Zone angenehmer und in schwächer befahrenen Straßen ist sie sicherlich auch machbar.“

Hagen Knaak (57):

„Als Auto- und Rollerfahrer halte ich gar nichts von Tempo 30. Frankfurt lockt Pendler an und muss ihnen dann auch die Möglichkeit geben, wieder schnell aus der Stadt heraus zu kommen. Die Menschen, die im Alleenring wohnen, leben sowieso seit Jahrzehnten mit dem Verkehrslärm. Da schläft keiner mehr mit offenem Fenster und kommt trotzdem klar. Man sollte lieber den Verkehr verringern als ihn auszubremsen.“

Joao Guilhoto (29): „Mehr 30er-Zonen fände ich super, denn ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad durchs Stadtzentrum. Außerdem sind Räder besser für die Umwelt. Vielleicht fahren durch die Tempoverringerung dann weniger Leute mit dem Auto. Falls sie sich nicht daran halten, sollte man Blitzer aufstellen. Gerade die Berliner Straße ist wirklich schrecklich für Fahrradfahrer, aber an sich ist Frankfurt schon eine super Stadt zum Radeln.“

(fnk)  

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