Rote Fahrradstreifen kreuz und quer: der Marbachweg an der Ecke Gießener Straße.
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Rote Fahrradstreifen kreuz und quer: der Marbachweg an der Ecke Gießener Straße.

„Ein SUV auf dem Radweg ist häßlich“

Diskussion um die neuen Radwege in Frankfurt: Sind sie zu grell?

  • vonSarah Bernhard
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Auf dem Weg zur Fahrradstadt werden in Frankfurt überall Radwege ausgebaut. Die roten Streifen verändern das Stadtbild.

  • Frankfurt wird Fahrradstadt
  • Neue Radwege verändern das Stadtbild
  • ADFC und ADAC äußern sich

Frankfurt - Grellrot leuchtet es entlang der Kurt-Schumacher- und der Konrad-Adenauer-Straße, am Nibelungenplatz oder in der Taunusanlage. Knapp 14 Kilometer neu markierte Radwege hat die Stadt seit Beginn des Jahres geschaffen, 45 sollen es bis 2023 werden. Dazu kommen weitere Fahrradpiktogramme auf der Fahrbahn, etwa auf der Praunheimer Landstraße, oft mit einer Art Doppeldach.

Frankfurt wird Fahrradstadt: Sind die Radwege zu grell?

Was Verkehrsteilnehmer seit einiger Zeit auf Frankfurts Straßen sehen, ist der Beginn der "Fahrradstadt Frankfurt"*, ein Konzept, das unter anderem provisorische, baulich getrennte Radwege an sieben Frankfurter Hauptstraßen vorsieht. Ein Jahr dauert die Testphase, dann wird evaluiert.

Doch bereits jetzt wird Kritik laut: nützt alles nichts, zu viel Gekritzel auf den Straßen, hässliche Farbe. Tatsächlich ist Knallrot für Radwege nicht zwingend. In Tübingen sind sie blau, in Berlin grün, in Amsterdam gleich ganz aus ziegelrotem Asphalt gefertigt. "Wir setzen die Radstreifen farblich ab, um ihre Auffälligkeit zu erhöhen. Hierzu eignet sich die Signalfarbe Rot unserer Auffassung nach besonders", begründet Stefan Lüdecke, Leiter der Stabsstelle Radverkehr im Verkehrsdezernat, die Farbwahl.

Radwege in Frankfurt verändern das Stadtbild

Rückendeckung bekommt er von Werner Buthe von der Initiative Radentscheid: "Rote Markierungen helfen nicht nur Fahrradfahrern, sondern allen Verkehrsteilnehmern." Zwischen 2013 und 2018 hat die Stadt 112.000 neue Einwohner bekommen, die Zahl der zugelassenen Autos stieg, auf den Straßen wurde es immer voller. Weiße Linien allein seien deshalb oft keine Hilfe, sagt Buthe. Für den Ausbau der Radwege will die Stadt Frankfurt im Jahr 2020 sieben Millionen Euro investieren*.

"Auf dem Platz der Republik zum Beispiel wissen auch viele Autofahrer nicht, wo sie fahren sollen." An anderen Stellen sei unklar, ob die weiße Linie einen Fahrradweg, Parkraum oder etwas ganz anderes markiere. "Wenn sich mehrere Parteien einen Raum teilen müssen, hilft Farbe, um zu signalisieren: Hier würde ich gerne fahren, wenn du mich lässt."

Fahrradstadt Frankfurt; „SUV iauf dem Radweg ist häßlicher“

Ähnlich sieht das Bertram Giebeler, verkehrspolitischer Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). "Es geht darum zu zeigen: Achtung, hier könnte ein Radfahrer kommen." Auf gerader Strecke müsse ein Fahrradweg nicht durchgehend rot sein. Doch an manchen Stellen könne man auf Farbe keinesfalls verzichten. "Wenn man in der Nähe von Geschäftszonen die Radwege nur mit einer weißen Linie markiert, werden sie sofort wieder zugeparkt. Und ehrlich gesagt: Einen SUV auf dem Radweg finde ich deutlich hässlicher als den roten Streifen."

Giebeler lobt die Maßnahme der Stadt sogar ausdrücklich: "Auf der Kurt-Schumacher-Straße funktioniert der rote Radweg sehr gut. Man kann sich sogar überholen." Tatsächlich sei das Rot etwas grell. "Aber das wird sicherlich noch ausbleichen."

ADAC zu Fahrradstadt Frankfurt: Provisorische Radwege sollen verschwinden

Und sogar der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) ist aufseiten der Stadt - wenn auch nur vorübergehend: Im Moment, wo aufgrund der Beschränkungen weniger Autos und mehr Fahrräder unterwegs sind, seien "die aktuell zusätzlich ausgewiesenen Fahrradwege sinnvoll", sagt Cornelius Blanke, Leiter der Unternehmenskommunikation. Doch sobald wieder Normalität herrsche, entstünden wegen der fehlenden Autospuren unnötige Staus. Deshalb kommt es ihm auf die Farbe nicht an: Die provisorischen Radwege sollten einfach vollständig wieder verschwinden.

Und die Piktogramme mit Doppeldach, die jetzt auf immer mehr Straßen zu sehen sind, obwohl manchmal parallele Fahrradwege laufen? Das Doppeldach wird "sharrow" genannt, eine Mischung aus den englischen Worten für "teilen" und "Pfeil". Sharrows bedeuten also, dass sich von nun an Autofahrer und Radfahrer die Fahrspur teilen - auch wenn nebenan ein Fahrradweg ist. Denn Fahrradwege ohne blaues Schild zu benutzen, ist keine Pflicht mehr, sondern ein Angebot. Seit 23 Jahren. "Doch bis heute wird das Fahrbahnfahren vielfach als Behinderung des Autoverkehrs wahrgenommen", sagt Lüdecke. ADFC-Sprecher Giebeler rät Radfahrern, auf solchen Straßen konsequent in der Spurmitte zu fahren. "Sonst versuchen Autofahrer doch wieder, sich vorbeizuquetschen, und das kann sehr ungut enden."

Sarah Bernhard

Fußgänger in Frankfurt leiden stark unter einem geändertem Verkehrsverhalten und Rüpel-Radlern*. Der Radweg-Ausbau läuft derweil. Neue Fahrspuren in Friedberger Landstraße in Frankfurt zwingen Autos, Trams und Busse in den Stau. Verkehrsdezernent rechnet mit Verspätungen von bis zu zwei Minuten. *fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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