Steigt mit Maske auf der Beifahrerseite ein: Fahrlehrerin Claudia Brauer aus Höchst.
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Steigt mit Maske auf der Beifahrerseite ein: Fahrlehrerin Claudia Brauer aus Höchst.

Lockdown-Ausnahme

Frankfurt: Fahrschulen dürfen trotz Corona öffnen - Nicht alle halten sich an die Regeln

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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In Hessen dürfen die Fahrschulen Unterricht geben. Die meisten Betreiber sind froh, aber in Frankfurt gibt es auch gemischte Gefühle.

Frankfurt – Während vieles andere geschlossen ist, können Fahrschulen trotz Corona weiter unterrichten. In Hessen. „Beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 waren die Fahrschulen einige Monate geschlossen, allerdings wurde die Fahrschulausbildung später im Bereich Lkw wegen Systemrelevanz gestattet“, sagt Christoph Süß, Sprecher im Regierungspräsidium Darmstadt.

Dieses Mal gibt es gar kein Verbot für Fahrschulen. In den Nachbar-Bundesländern ist es teilweise anders. So setzt ein Tourismus ein: „Fahrschüler sind aus Mainz nach Wiesbaden gekommen“, sagt Fahrschul-Inhaber Bernd Escherl aus Niederrad. Er ist einer derjenigen, die die jetzige Situation eher kritisch sehen: „Ich finde es komisch, dass wir noch ausbilden dürfen.“ Für ihn wäre nachvollziehbar, wenn die Fahrschulen ebenso geschlossen wären wie die Gastronomie. Und warum mache jedes Bundesland wieder sein eigenes Ding? „Corona hat doch auch mit Solidarität zu tun.“ Angst um seine Gesundheit hat Escherl auch. „Ich bin sehr, sehr vorsichtig.“

Corona in Hessen: Fahrschulen kämpfen um Existenz

Warum es zu Fahrschul-Tourismus kommt, weiß Inhaberin Claudia Brauer (Höchst): „Wir sind als Fahrschulen eingeordnet wie Schulen. Hessen hat die Schulen nicht völlig geschlossen, nur die Anwesenheitspflicht aufgehoben. Deswegen können auch Fahrschulen weiter betrieben werden.“ Zu zweit im Auto, ohne Plexiglasscheibe, nur mit Maske. „Die Fahrlehrer kämpfen um ihre Existenz“, sagt Brauer. „Wir sind uns der Risiken bewusst.“ Einer ihrer Angestellten hat einen Säugling zu Hause. „Ich habe gesagt, er soll all seinen Resturlaub nehmen. Ich möchte das nicht verantworten.“ Sie als Chefin sitze zwischen den Stühlen. „Einerseits bin ich dankbar, dass wir arbeiten können. Andererseits ist das doch alles unglaubwürdig. Wir dürfen fahren, die Gaststätten sind zu.“

Dabei nehmen auch manche ihrer Schüler die Regeln nicht ernst, kommen, obwohl sie in Quarantäne sind und gefährden alle anderen damit: „So jemanden setze ich vor die Tür. Derzeit lassen wir keinen Schüler ins Auto, wenn er auch nur Schnupfen hat.“ Auch wenn es den hessischen Fahrschulen jetzt noch vergleichsweise gut geht, fürchtet Claudia Brauer, dass es noch böse wird, wenn die Kurzarbeitsregelungen auslaufen. „Dann werden manche unserer Schüler kein Geld mehr haben. Das werden wir spüren.“

Fahrschule in Frankfurt: FFP2-Maske im Auto helfen den Fahrlehrern

Während ein anderer Fahrlehrer in Frankfurt berichtet, er habe sich zur Sicherheit dreimal testen lassen, „negativ - toi, toi, toi“, hat Hans Werner Angenendt, Fahrlehrer in Fechenheim, keine Angst. „Wir tragen im Auto FFP2-Masken. Das ist doch sicher. Keiner der vier Fahrlehrer wurde bislang infiziert.“ Für den Theorieunterricht gebe es einen großen Raum, der für bis zu 80 Personen zugelassen sei. „Da saßen wir zuletzt mit 15 Kunden, 25 weitere waren online zugeschaltet.“

Seine Gesundheit und die seiner Mitarbeiter und Schüler sieht Angenendt also nicht gefährdet. Online-Unterricht geben immer mehr Fahrschulen. Allerdings muss jeder Fahrlehrer dafür eine eigene Lizenz erwerben, was auch Kosten verursacht. Dennoch, eine Alternative zum Schulungsraum ist es.

Fahrschule in Frankfurt: Manchen Schüler ist Corona-Risiko zu groß

Auch für Fahrlehrer Markus Knudl (Ostend) muss es weitergehen. „Etwa fünf Prozent der Schüler sind abgesprungen“, sagt er. „Sie haben Bedenken und warten, bis Corona vorbei ist.“ Dabei hat sich bei seinem Fahrunterricht noch niemand infiziert: „Wir alle tragen Masken, die Fahrzeuge werden regelmäßig gelüftet und desinfiziert, und ich habe einen hochwertigen Raumluftfilter für das Büro angeschafft.“ Manche Regeln haben sich etwas geändert. Einen Fahrschüler zu Hause abholen, geht nicht mehr: „Alle Fahrten beginnen und enden an der Fahrschule“, so Knudl. Maximal zwei Personen dürfen im Fahrzeug sein - außer in der Prüfung, wenn man zu dritt im Auto sitzt. Dann gibt es seit kurzem die Pflicht, FFP2-Masken zu tragen. Hingegen ist es, zu zweit im Fahrzeug, lediglich dringend empfohlen. Das Land Hessen ist hier liberaler als benachbarte Bundesländer.

Einfacher als in Fahrschulautos ist es in Taxis: Viele lassen die Fahrgäste nur noch hinten einsteigen, viele haben eine Plexiglas-Trennwand eingebaut. Hans-Peter Kratz von der Taxi-Vereinigung berichtet: „Es gibt alles – von völliger Sorglosigkeit der Fahrer bis zum Maskentragen und häufigem Desinfektionsmittel versprühen.“ Ein Lockdown für Taxis kommt nicht in Frage. „Wir sind Teil des Öffentlichen Nahverkehrs, so wie Busse und Bahnen.“

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