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Protest gegen die Einreisepolitik der USA mit Shahram Iranbomy (Mitte) Mitte Juli vor der Paulskirche.

Magistrat wirbt für US-Visum

Fall Shahram Iranbomy: Stadt Frankfurt schaltet Kanzleramt ein

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Frankfurt: Merkel und Maas sollen helfen, ein Visum für Shahram Iranbomy zu bekommen, damit er in den USA das Grab seines verstorbenen Sohnes besuchen kann.

Frankfurt - Der Fall berührt viele Menschen: Irman Iranbomy (20) aus Frankfurt starb im Juni bei einem Autounfall in Washington. Seinem Vater, Rechtsanwalt Shahram Iranbomy, Deutscher mit iranischen Wurzeln, verweigerten die Vereinigten Staaten das Visum, um zur Trauerfeier reisen zu können.

Nun will die Stadtregierung das Bundeskanzleramt und das Außenministerium um Hilfe bitten, kündigt Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD) an. "Zurzeit werden die Briefe vorbereitet", erklärte sie am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) habe sich in der Sache ans US-Generalkonsulat gewandt. "Leider ohne Erfolg", sagte Weber enttäuscht.

Nachdem schon die Trauerfeier im Sommer ohne ihn stattfand, möchte der Vater nun das Grab seines Sohnes besuchen. Irman hatte in den USA studiert, seine Mutter lebt in Washington. In seiner Heimatstadt Frankfurt war der junge Mann Schulsprecher an der Justus-Liebig-Schule und arbeitete zuletzt ehrenamtlich in der Einsatzabteilung der Feuerwehr Berkersheim mit. Er war dort zuvor auch schon Sprecher der Jugendgruppe.

Frankfurt: Applaus im Parlament

US-Präsident Donald Trump hatte Anfang 2017 unter Verweis auf vermeintliche Terrorgefahr eine Einreisesperre für Besucher aus den mehrheitlich islamischen Ländern Irak, Iran, Jemen, Libyen, Somalia, Syrien und Sudan erlassen. Trumps Erlass hatte breite Kritik entfacht. Seitdem verweigern die USA auch Bürgern anderer Staaten, die aus diesen Ländern stammen, immer wieder die Einreise - auch Prominenten. Zuletzt hatte Bundestrainer Faris Al-Sultan deswegen im vorigen Monat nicht zum Ironman nach Hawaii reisen können. Sein Vater stammt aus dem Irak.

Der Fall Iranbomy sorgt nicht nur in Deutschland für reichlich Schlagzeilen, sondern auch im Iran. Mit Applaus begrüßten die Stadtverordneten während ihrer Sitzung am Donnerstag Shahram Iranbomy. "Menschenrechte, Gleichberechtigung und Chancengleichheit müssen für alle Bürger unserer Stadt gelten, unabhängig von deren Herkunft - mit oder ohne Migrationshintergrund", forderte BFF-Fraktionsvorsitzender Matthias Mund. Er regte auch eine gemeinsame Erklärung aller Stadtverordneten dazu an.

Frankfurt: Einlass verwehrt

Mund kritisiert, Feldmann und Bürgermeister Uwe Becker (CDU) hätten zwei "herausragend geeignete Gelegenheiten ungenutzt" gelassen, um diese Menschenrechtsverletzung anzusprechen: den Empfang zum Deutsch-Amerikanischen Freundschaftstag Mitte Oktober im Römer und den Besuch von US-Botschafter Richard Grenell vor wenigen Tagen. Warum Iranbomy nicht zum Empfang durfte, fragte Mund bei Sylvia Weber nach. Er habe "nicht auf der Gästeliste des Protokolls" gestanden, erklärte die Stadträtin. "Wegen Sicherheitsvorkehrungen" sei es nicht möglich gewesen, eine Einladung zu übertragen oder nachträglich auszusprechen. Dies sei "bei allen Besuchern streng gehandhabt" worden.

Obwohl die bisherigen Versuche um ein Visum für Vater Iranbomy ohne Erfolg geblieben seien, arbeite der Magistrat weiter daran, betonte Weber. "Damit er das Grab seines Sohnes endlich besuchen kann."

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