Damhirsche sind zutraulich und schlau.
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Damhirsche sind zutraulich und schlau.

Von falsch verstandener Tierliebe

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Im Oberräder Wald sind fünf Damhirsche gestorben, einer weiterer ist durch Aggressivität aufgefallen. Der Grund: Sie wurden von Bürgern mit Brot und Salat gefüttert – das vertragen die Tiere nicht. Deshalb bittet Stadtförsterin Tina Baumann nun darum, diese Fütterungen zu unterlassen.

Der Kesselbruchweiher im Oberräder Wald ist ein willkommenes Naherholungsgebiet für die Städter. Dort wird mit dem Hund Gassi gegangen, mit der Familie ein Sonntagsspaziergang gemacht. Und wer Glück hat, der kann sogar den einen oder anderen Hirsch in seiner natürlichen Umgebung beobachten, wie er auf der Suche nach Futter durch den Wald trabt. „Deshalb haben wir im Stadtwald Damwild angesiedelt“, sagt die Leiterin des städtischen Forsts, Tina Baumann. Damwild sind mittelgroße Hirsche, für die Schaufelgeweih und ein weiß geflecktes Sommerfell charakteristisch sind. „Diese Waldtiere sind nicht scheu, gewöhnen sich schnell an den Menschen und laufen nicht bei jeder kleinsten Bewegung davon.“

Brot ist fatal

Doch dieses tierische Verhalten birgt auch Schattenseiten: „Sie lernen schnell“, sagt Baumann. „Vor allem, woher sie einfach und schnell Futter bekommen.“ Im Oberräder Wald, nahe dem Kesselbruchweiher, ist ihre Unerschrockenheit fünf Damhirschen nun aber zum Verhängnis geworden. Dort wurden an einem Weg Futterstellen von Waldbesuchern angelegt. „Aus falsch verstandener Tierliebe wurden Brot, Gemüse, Salat und andere Küchenabfälle ausgelegt, die die Tiere gefressen haben“, sagt Baumann.

Das Füttern von Wildtieren ist nach Paragraf 30 des hessischen Jagdgesetzes verboten, denn das für das Wild nicht artgerechte Futter – wie in dem Oberräder Fall – tut den Tieren nicht gut. Vor allem Brot vertragen die Wiederkäuer nicht. „Es gärt in ihren Mägen, schädigt ihren Magen-Darm-Trakt, was zum Tod wie in diesen Fällen führen kann“, sagt die Expertin. Die toten Tiere seien stark abgemagert gewesen. Auch ein kleines Kälbchen sei darunter gewesen.

Eine Obduktion der Hirsche hat das Stadtforst allerdings nicht durchführen lassen. „Die toten Tiere wurden in der Nähe der Futterstellen aufgefunden. Da liegt der Verdacht nahe, dass sie aufgrund des ausgelegten Fressens gestorben sind“, sagt Baumann. Bisher fünf Fälle sind dem Stadtforst bekannt. Die Dunkelziffer könne aber durchaus höher sein.

Angriffslustig

Die Hinweisschilder, dass das Füttern der Wildtiere verboten ist, hätten allerdings, ganz zum Bedauern von Tina Baumann, bislang keine Beachtung gefunden. Deshalb warnt das Stadtforstamt noch einmal davor, Futter auszulegen. Und das auch zur eigenen Sicherheit der Menschen – nicht nur für die Tiere. Denn vor allem die männlichen Hirsche können aggressiv werden. „Uns ist ein Hirsch bekannt, der auf einen Spaziergänger losgegangen ist, weil er sich der illegalen Futterstelle genähert hat“, sagt Baumann. „Zum Glück ist in diesem Fall nichts passiert, aber es kann auch vorkommen, dass der Hirsch richtig angreift, was schwere Verletzungen zur Folge haben kann.“ Nach diesem Vorfall habe man versucht, Jagd auf den Hirsch zu machen, habe ihn aber nicht erwischt. „Jetzt fahren wir jeden Tag an der Futterstelle vorbei und schauen, ob er sich dort aufhält. Momentan ist er aber friedlich“, sagt Baumann. Ändert sich das wieder, werde er gezielt bejagt. Denn neue Angriffe will man vermeiden.

Dazu ist aber auch das Einsehen der Bürger nötig. „Sie müssen die Tiere nicht füttern. Es ist für sie ausreichend Nahrung im Wald vorhanden. Der Winter ist ja vorbei“, sagt Baumann. Damhirsche und andere Schalenwildarten – wie es im Fachjargon heißt und zu denen etwa auch Wildschweine sowie Steinböcke gehören – ernähren sich von Gräsern, Kräutern, Trieben und Früchten der Bäume. „Eben alles, was sie natürlich im Wald finden können.“

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