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Verkehrspolizist Darija Mitric schreibt die Nummer des alten Vectra auf. Für den Fahrer wird?s teuer: Der Wagen wird abgeschleppt.

Parkrowdys

Falschparker werden in Frankfurt immer dreister

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Gegen das wilde Parken im Nordend wird die Polizei heute Nacht verstärkt kontrollieren. Denn besonders nachts komme es vermehrt zu erheblichen Verkehrsbehinderungen durch Falschparker. Auch die Feuerwehr wird dadurch an der Zufahrt gehindert.

An der Ecke Hermannstraße / Humboldtstraße im Nordend steht ein alter Opel mitten in der Kurve, dicht an den Pfosten. „Den lasse ich abschleppen“, sagt Verkehrspolizist Darijo Mitric von der Stadtpolizei und notiert das Kennzeichen. Für Mitric eine klare Sache: „Er behindert andere Autofahrer und nimmt ihnen die Sicht auf Fußgänger.“

Falschparker sind nicht nur im Nordend ein Problem. Zwischen 700 000 und 800 000 Knöllchen stellen die Mitarbeiter der Stadtpolizei pro Jahr im Stadtgebiet aus, 2017 waren es exakt 761 275 „Verwarngelder bis 35 Euro“, wie Rainer Michaelis, Leiter der Abteilung Verkehrssicherheit im Straßenverkehrsamt auf Anfrage mitteilt. Mehrere tausend Falschparker werden jedes Jahr abgeschleppt.

Einige Meter weiter. Ein Lieferant im gemieteten Kleintransporter, ein Ford Transit, blockiert die halbe Straße. Mitric misst nach: Nur 2,78 Meter sind es von dem Ford Transit bis zur anderen Straßenseite, wo ebenfalls Autos parken. Das ist zu eng – drei Meter müssten es mindestens sein. „Abgesehen davon blockiert er den Bürgersteig.“ Lieferdienste seien tagsüber oft die schlimmsten Parkrowdys.

Lieferdienste drängen sich

Während Mitric noch dabei ist, den Strafzettel auszustellen, kommt ein anderer Lieferdienst, zwängt sich vorbei. Dann kehrt der Falschparker zu seinem Wagen zurück. Er schiebt drei leere Kästen Wasser auf einem Rollbrett vor sich her. „Sagen Sie mir, wo ich parken soll!“, verlangt er. Mitric zuckt mit der Schulter. „Nicht hier jedenfalls, nicht so.“ Spediteure führen immer mit großen Transportern, auch wenn sie nur wenig geladen hätten, ärgert er sich noch. Der Mann, der seinen Namen nicht nennen will, rechtfertigt sich: „Ich weiß morgens nicht, was ich ausliefern muss. Und ich habe Zeitdruck.“

Alltag in der Stadt. Besonders dreist sind die Falschparker dann, wenn die städtische Verkehrspolizei nur selten im Einsatz ist: an den Wochenenden und in den Nachtstunden. Beamte des 2. Polizeireviers im Nordend sind deswegen so alarmiert, dass sie in der Nacht zum 1. Mai eine groß angelegte Kontrolle starten (17 Uhr bis 5 Uhr). Mit dabei ist ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr. Denn wenn ein Löschfahrzeug oder auch ein Notarztwagen nicht rechtzeitig zum Einsatzort kommt, kann das Leben kosten.

Andreas Mohn, Brandoberinspektor bei der Berufsfeuerwehr, berichtet: „Wenn es um Menschenleben geht, fliegt halt schon mal ein Außenspiegel weg, weil es schnell gehen muss.“ Auf 160 bis 180 Unfälle pro Jahr kommen Feuerwehr und Feuerwehr-Rettungsdienst auf diese Weise. Meist sind es kleinere Schäden – ein Außenspiegel oder eine Schramme im Kotflügel. „Aber wir müssen es zunächst einmal zahlen, auch bei Falschparkern.“

Rund jeden zweiten Tag holt sich die Feuerwehr Schrammen. Trotzdem ist es relativ selten. Allein der Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr fährt 29 000 Einsätze pro Jahr, die Feuerwehr mit den deutlich größeren Löschzügen noch einmal 12 000 bis 13 000, wie Mohn berichtet. Hinzu kommen etwa 78 000 Rettungsdienst-Einsätze der anderen Hilfsorganisationen wie Malteser, Johanniter, Arbeiter Samariter Bund und Rotes Kreuz. Deren Schrammen und abgerissene Spiegel sind in der Zahl von 180 Unfällen jährlich noch nicht inbegriffen. „Oft stehen die Leute nur kurz, weil sie etwas erledigen müssen. Ich verstehe es ja, es gibt zu wenige Parkplätze. Aber für uns können zwei Minuten Wartezeit einfach zu viel sein.“ Erst recht, wenn es um Menschenleben geht.

Mülltonnen bleiben stehen

Auch bei der Frankfurter Entsorgung und Service GmbH ist es ein Dauerthema. „Falschparker verhindern oft, dass wir in eine Straße einfahren können“, sagt Sprecher Michael Werner. „Meist fahren die Teams ein zweites Mal vorbei, dann klappt es oft noch.“ Doch rund 5000 Mülltonnen pro Jahr bleiben ungeleert, Tendenz steigend.

Von Thomas J. Schmidt

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