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Viel Glas, viel Schotter: Das neue Blüten- und Schmetterlingshaus wird in Gewächshäusern untergebracht. Diese sind nötig, um den Faltern das optimale Klima zu bieten. Sie fühlen sich bei 28 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit wohl. 

Neubau kostet 8 Millionen

Palmengarten: Startdatum für Schmetterlingsparadies steht fest 

Der Palmengarten feiert den Rohbau des Schmetterlingshauses, das ursprünglich schon 2017 hätte eröffnen sollen. Nun steht auch ein Starttermin fest. 

Frankfurt – Keine Ahnung, wer im Palmengarten bisher die Bananen gefaltet hat - in gut eineinhalb Jahren wird das jedenfalls in professionelle Hände übergeben. Besser: in professionelle Fühler. Der Bananenfalter hat schließlich keine Hände, genauso wenig wie der Himmels- und der Zebrafalter, die man sich auch gern bei ihren Tätigkeiten vorstellt.

Aber Witz beiseite: Es handelt sich natürlich um Schmetterlinge, die das neue Blüten- und Schmetterlingshaus des Palmengartens bevölkern sollen, wenn es fertig ist. Am gestrigen Montag auf dem Programm: Baustellenbesuch, der Rohbau steht.

"Ein großer Tag", freut sich Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), "endlich gibt es etwas zu sehen." Und zwar: Gewächshäuser, große Gewächshäuser, von deren Dächern Kabel herunterhängen und auf deren Böden Schotterhügel liegen. Es bleibt also noch viel zu tun, aber immerhin: Es tut sich was.

Palmengarten: "Reiche Ernte"

"Das ganze Projekt hat länger gedauert als geplant", blickt Palmengartendirektorin Katja Heubach zurück. Probleme mit der Ausschreibung der Arbeiten verzögerten den Bau, der ursprünglich 2017 hätte eröffnet werden sollen. Nun ist das Zieldatum der 16. März 2021 - der 150. Geburtstag des Palmengartens. "Für mich eine reiche Ernte", sagt Heubach, seit vorigem Jahr an der Palmengartenspitze, "mein Vorgänger Matthias Jenny hat es geplant, und mir ist es vergönnt, es zu eröffnen."

Als die Formalitäten erst einmal erledigt waren, lief alles geschwind wie der Wind: Flugs wuchsen die Glasbauten, auch der Inhalt nahm Gestalt an. "Wir wollen nicht nur unterhalten, es geht uns besonders um die pädagogische Vermittlung", sagt die Direktorin. Die Funktion der Schmetterlinge als Bestäuber soll zutage treten - und ihre Rolle im Gesamtkunstwerk Natur. "No bees, no Bembel", sagt Heubach, keine Bienen, kein Ebbelwei, so einfach ist das. Erst im Juli dieses Jahres konnten Kinder durch ein professionelles Teleskop die Sterne beobachten. 

Palmengarten Frankfurt: "No bees, no Bembel"

Wer in den Palmengarten geht, wird ab 2021 die Zusammenhänge lernen können, nicht nur im Schmetterlingshaus, auch drumherum auf frisch gepflanzten Wiesen mit spezieller Blütenmischung.

Fürs Pädagogikprogramm sammelte die Stiftung Palmen- und Botanischer Garten jahrelang Geld mit dem eigens gegründeten Frühlingsball. Spannende Aha-Erlebnisse verspricht die Direktorin Besuchern unter dem Leitthema Blüten- und Bestäuberbiologie.

Stadträtin Heilig erinnert an die Klimakrise. "Wir haben viel weniger Singvögel im Garten, weil es viel weniger Insekten gibt. Um den Zusammenhang geht es auch hier." Der Palmengarten wolle alles, was zum Artenschutz gehört, im Blüten- und Schmetterlingshaus der Bevölkerung näherbringen. Im Juli starben fünf junge Schwäne im Palmengarten – das Ordnungsamt überprüft den Fall. 

Und das in einem möglichst zweckmäßigen Gebäude, erklärt Roland Effgen vom Wiesbadener Architekturbüro Kissler und Effgen. "Wir wollten einen funktionalen Bau machen, der die Exponate in den Vordergrund stellt." Das erprobte Konzept Gewächshaus biete dafür die Voraussetzungen bei minimalem Aufwand an Material und Energie.

Optimales Klima für Falter 

Sonnenschutzglas und Energieschirme sollen das optimale Klima für Schmetterlinge (28 Grad, 85 Prozent Luftfeuchte) und Pflanzen ermöglichen helfen - auf dass sich Atlasspinner, Schwalbenschwanz, Postbote und Große Waldnymphe wohlfühlen.

Gärtnereichefin Beate Vaupel ist mit Lieferanten in Costa Rica im Gespräch und freut sich schon: "Besucher werden zuschauen können, wie sie aus ihrer Verpuppung schlüpfen." Sie hat es selbst erlebt, 2005 gab es bereits eine Schmetterlingsschau im Palmengarten: "Es ist ein Thema, das einen packt."

Schmetterlinge werden künftig auch in der kalten Jahreszeit zu sehen sein. 2200 Quadratmeter Nutzfläche überbaut das Architekturbüro Kissler und Effgen für das Blüten- und Schmetterlingshaus des Palmengartens bis Jahresende. 800 Quadratmeter davon entfallen auf das Schauhaus, der Rest sind Gärtnerei, Seminar- und Wirtschaftsräume. Die Gesamtkosten, acht Millionen Euro, tragen die Stadt (5,5 Millionen) und die Palmengarten-Stiftung.

ill

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