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Mit einem Plakat demonstriert eine Abtreibungsgegnerin von der ?Aktion SOS Leben? vor der Beratungsstelle von Pro Familia.

Protest

Pro Familia wehrt sich gegen Mahnwache von Abtreibungsgegnern

Das religiöse „Aktion SOS Leben“ hält seit Aschermittwoch eine 40-Tage-Mahnwache vor der Beratungsstelle der Pro Familia in der Palmengartenstraße. Dem Beratungsverein reicht es – er bekommt Hilfe von einem neuen Aktionsbündnis.

Als „entsetzlich“ und „nicht lustig“ bezeichnet Claudia Hohmann, Geschäftsführerin der Frankfurter Pro Familia, die Störungen, die von der Mahnwache vor dem Eingang der Beratungsstelle ausgehen. Täglich stehen von 9 bis 15 Uhr zwischen vier und vierzehn Protestierende auf dem Betonpodest in etwa 15 Meter Entfernung vom Haus. Sie singen, beten und halten Plakate mit Bildern von Föten und Slogans wie „Ich bin für das Leben“ hoch. Die Gebetslieder seien auch in den Beratungsgesprächen zu hören. Wenn eine Frau aus dem Haus komme, würden die Gesänge lauter.

Für die Frauen, die in einer Notsituation die Beratungsstelle aufsuchen, sei dies störend und belastend, mitunter traumatisierend. „Wir bemühen uns, die Frauen davon fernzuhalten, indem wir Termine in den späten Nachmittag legen, aber das ist nicht immer machbar,“ sagt Hohmann.

Pro Familia Hessen, die auch in Wiesbaden von Mahnwachen betroffen ist, reicht es jetzt. „Wir fordern, dass die Demonstration nicht mehr vor der Beratungsstelle stattfinden kann“, sagt Landesgeschäftsführerin Birgitte Ott. „Es gibt genug andere öffentliche Plätze, wo protestiert werden kann. Aber dies ist nicht der Ort.“ Der Gesetzesauftrag, Frauen zum Schwangerschaftsabbruch in einem anonymen und geschützten Rahmen Beratung zu bieten, könne so nicht mehr gewährleistet werden.

Am gestrigen Nachmittag waren in der Palmengartenstraße vier Frauen mit Protestplakaten und Rosenkränzen in der Hand anzutreffen, die leise vor sich hin sangen. „Wir beten hier nur für das Leben“, sagten die Frauen auf Anfrage, und: „Wir wollen niemandem etwas Böses antun.“

Hilfe bekommt Pro Familia jetzt von den Frankfurter Grünen und dem breiten Aktionsbündnis „Frankfurt für Frauenrechte“, das sich am Dienstag gegründet hat. „Es kann nicht sein, dass Frauen, die die Konfliktberatung aufsuchen, von Demonstranten beeinflusst, beeinträchtigt und belästigt werden“, sagt die Frankfurter Grünen-Chefin Beatrix Baumann. Die Demonstranten verbreiteten fundamentalistisches Gedankengut, ihnen gehe es um die Beschneidung von Frauenrechten. Dies dürfe sich nicht etablieren.

Ab 8. März, dem Internationalen Frauentag, will das Bündnis aus Gruppen wie dem „Womens March“, Terre des Femmes, dem EVA-Frauenbegegnungzentrum und anderen Organisationen den Demonstranten mit „bunten Aktionen“ entgegentreten zeigen, dass dies nicht die Mehrheitsmeinung in der Stadt sei. Es sollen ebenfalls täglich Proteste vor der Pro-Familia-Zentrale in der Palmengartenstraße organisiert werden.

Die Mahnwache findet jetzt schon zum dritten Mal statt. Sie wird auch von den Frankfurter Vereinen "Deutsche Vereinigung für eine christliche Kultur" befürwortet. Die erste fand 2017 vor Ostern statt, dann nochmals 40 Tage im Herbst. Frankfurt ist damit nicht allein: Mahnwachen werden auch in Wiesbaden, München und Pforzheim gehalten.

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