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So soll das neue Jugendwohnhaus einmal aussehen: drei Gebäude, mit denen eine familiäre Wohnsituation entstehen soll.

"Familiäre Wohnatmosphäre schaffen"

Spatenstich für den Neubau des Caritas-Jugendwohnhauses

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Rund 4,4 Millionen Euro kostet das Neubauprojekt der Caritas Frankfurt auf einem Grundstück der katholischen Pfarrgemeinde St. Jakobus am Kirchort St. Johannes.

Frankfurt - In unmittelbarer Nachbarschaft zur Kita der Gemeinde soll ein Jugendwohnhaus für Jungen im Alter von zwölf bis 18 Jahren errichtet werden.

Es ist ein besonderer Tag, den sich die Caritas Frankfurt für den Spatenstich zum Bau des neuen Jugendwohnhauses auf einem Grundstück an der Straße Am Wiesenhof 76 C ausgesucht hat. Der Tag ist dem Heiligen Martin gewidmet, der in die christliche Ikonographie als ein Mann der Nächstenliebe Einzug gehalten hat. Er ist Namensgeber des Jugendwohnverbundes St. Martin der Caritas, einem Angebot, das sich an Jungen ab zwölf Jahren sowie an junge Männer richtet, die aufgrund von belastenden Lebensumständen nicht mehr in ihren eigenen Familien leben und aufwachsen können.

Neben derzeit zwei Wohngruppen mit 16 Jungen, die sich in einem Mietshaus in Ginnheim in der Platensiedlung befinden, gehört zum Jugendwohnverbund der Caritas derzeit noch eine Trainingswohnung, in der die Volljährigen auf dem Weg zum Erwachsenwerden lernen, selbstständig einen eigenen Haushalt zu führen.

Frankfurt: Caritas-Haus für 27 Bewohner

Mit dem Neubau, der in Erbpacht auf dem gut 1 600 Quadratmeter großen Grundstück in Goldstein errichtet wird, das der katholischen Pfarrgemeinde St. Jakobus gehört, soll die Anzahl der Wohngruppen von zwei auf drei und die Zahl derjenigen, die davon künftig profitieren, auf 27 Bewohner erhöht werden. Sie sollen, verteilt auf die drei Gruppen, zu jeweils neunt künftig dort wohnen und leben.

Die beiden bereits bestehenden Wohngruppen ziehen von Ginnheim nach Goldstein. Geplanter Einzug soll Anfang 2021 sein, sagt Volker Kusnierz, Leiter des Jugendwohnverbundes. Der Weg von der Idee über die Planung bis zur Umsetzung hat gut sechs Jahre gedauert. "2013 haben wir mehr als 30 katholische Gemeinden angeschrieben und nach einem passenden Grundstück gesucht", schildert es Kusnierz. Lediglich zwei hiervon haben auf die Anschreiben reagiert. Eine davon sei St. Johannes in Goldstein gewesen. "Mit dem Spatenstich geht eine lange Zeit der Vorbereitung vorbei."

Er freue sich besonders, dass das neue Jugendwohnhaus in Goldstein errichtet werde, verbinde er doch viele persönliche Erinnerungen damit. Er sei in Schwanheim aufgewachsen, später nach Goldstein umgezogen und habe dort für die Fußballmannschaft, den "Dankesrangers" der evangelischen Dankesgemeinde gespielt.

Lara Fieguth (v.l.), Professor Ulrich Königs, Thomas Witt, Sonja Schoenberner und Volker Kusnierz beim gemeinsamen Spatenstich.

Fußball, das sei auch eine der Sportarten, für die sich die Jugendlichen aus dem Jugendwohnverband "St. Martin" begeistern. "Unsere Mannschaft hat gerade die Champions League der Heimmannschaften in Bayern gewonnen", erzählt Kusnierz. Es soll in Zukunft eine von vielen Sportarten sein, die für die Jugendlichen angeboten werden.

"Uns ist eine sinnvolle Freizeitpädagogik wichtig und wir möchten dafür künftig die Nähe zum Stadtwald und zum Mainufer nutzen", formuliert er die Idee. Auch auf dem Gelände des Jugendwohnhauses soll es eine Fläche zum Basketballspielen geben und wenn möglich auch eine "Mucki-Bude", wie er weiter ausführt.

Der Umzug nach Goldstein sei dringend geboten, da es für die Jugendlichen in Ginnheim keine Freizeiträume mehr gebe und kein Außengelände und dies entspreche nicht mehr dem heutigen Stand der Jugenderziehung, erläutert es Sonja Schoenberner, Leiterin der Caritas-Abteilung Jugend- und Behindertenhilfe.

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Im Neubau, der vom Architekturbüro "Königs Architekten" aus Köln geplant wurde, soll eine familienähnliche Wohnsituation geschaffen werden. Ein Schwerpunkt liegt daher auf der Gestaltung der Gemeinschafts- und Begegnungsräume. Professor Ulrich Königs beschreibt die Idee des Entwurfes: "Es handelt sich um ein Gebäude, das in der Alltagswahrnehmung nicht so selbstverständlich ist wie ein Kindergarten oder eine Schule", sagt er. Nach innen soll das Wohnumfeld ein Gefühl von Zuhause vermitteln und damit zur Alltagsnormalität führen.

Frankfurt: Giebeldächer für Caritas-Haus

Die Architektur selbst soll sich einerseits einfügen in die Umgebung, andererseits aber auch eine wiedererkennbare Form haben. Daher werde nicht nur ein Haus, sondern drei Gebäude gebaut, deren äußere Charakteristik unter anderem durch die Giebeldächer gekennzeichnet sei. Das Haus, das sich zur Straße hin befindet, wird zweigeschossig errichtet. Darin ziehen die fortgeschrittenen Jugendlichen ein, denn die Wohnfläche zieht sich auch über beide Etagen. In den beiden anderen Häusern ist der Wohnbereich jeweils auch in einem Stock untergebracht. Alle Bewohner werden rund um die Uhr von pädagogischen Mitarbeitern begleitet. Die Baukosten beziffert Thomas Witt, kaufmännischer Direktor im Caritasverband, mit 4,4 Millionen Euro. Davon setzt der Verband etwa 600.000 Euro an Eigenmitteln, Spenden und Nachlässen ein. Die restlichen 3,8 Millionen Euro werden durch die Vergütung des Jugendamts, orientiert an der Platzkostenpauschale, refinanziert.

ALEXANDRA FLIETH

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