Ein Foto aus glücklichen Tagen: Sam Kamran mit Marianne May. Das Paar trennte sich vor zwei Jahren. "Unsere tiefe Freundschaft hielt dennoch an", sagt sie. Dass Sam im Alter von nur 42  Jahren bei einem Wohnungsbrand ums Leben kam, ist für die Hinterbliebenen nur schwer zu begreifen.
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Ein Foto aus glücklichen Tagen: Sam Kamran mit Marianne May. Das Paar trennte sich vor zwei Jahren. „Unsere tiefe Freundschaft hielt dennoch an“, sagt sie. Dass Sam im Alter von nur 42 Jahren bei einem Wohnungsbrand in Frankfurt ums Leben kam, ist für die Hinterbliebenen nur schwer zu begreifen.

Brandkatastrophe

Beliebter Gastronom stirbt bei Wohnungsbrand: Familie glaubt nicht an Suizid

  • vonBrigitte Degelmann
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Der Gastronom Sam Kamran aus Frankfurt stirbt beim Brand seiner Wohnung. Seine Familie beschreibt ihn als voller Tatendrang und lebenslustig. Die Trauer ist groß.

Frankfurt – Es war eine Meldung, die nicht nur in Frankfurt viele Menschen erschüttert hat: Bei einem Brand in seiner Wohnung ist in der Nacht zum 20. Januar der bekannte Gastronom Sam Kamran ums Leben gekommen. Auch eine Woche nach diesem Unglück kann seine Familie den Tod des 42-Jährigen kaum fassen. "Er hatte einen unglaublichen Tatendrang und unbändige Energie. Immer positiv und vorwärtsschauend", erinnern sich die Angehörigen. "Bei ihm war ständig etwas los."

Tod von Sam Kamran: Erstes Lokal in Frankfurt früh eröffnet

Ein Satz, den vermutlich alle unterschreiben würden, die ihn kannten - zum Beispiel als Pächter des Cafés Hauptwache, als Inhaber von "Mantis Roofgarden" und der "Pizzeria Montana" im Bahnhofsviertel, als Gründer der Kette "Fletcher's Burger". Dabei hatte er ursprünglich gar nicht vor, in der Gastronomie Karriere zu machen. Stattdessen strebte er als 17-Jähriger an die Börse, brach kurz vor dem Abitur die Schule ab und zog nach Frankfurt, wo er zunächst Wertpapiere am Telefon verkaufte und dann eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann absolvierte.

Parallel dazu entdeckt er das Frankfurter Nachtleben. Mit seinem schmalen Azubi-Gehalt sind tägliche Club-Besuche allerdings nicht drin. Pragmatisch wie er ist, findet Sam Kamran schnell eine Lösung für sein Problem: Mit geliehenem Geld eröffnet er einfach selbst ein Lokal, "Jumalis Bar" in Sachsenhausen.

Großzügiger Gastgeber in Frankfurt begeistert die Menschen

Der junge, lebenslustige Wirt mit dem breiten Lachen kommt an. Bald strömen die Gäste - auch in zwei weitere Lokale, die in den nächsten Jahren unter seiner Führung eröffnen. 2002 übernimmt er das Café Hauptwache, das er nach einigen Anlaufschwierigkeiten in eine Gaststätte umwandelt. "Er war gerne der großzügige Gastgeber", sagt sein jüngerer Bruder Mark Kamran. "Er liebte es zu essen, einen guten Wein zu trinken, dabei mit allen am Tisch zu witzeln, und vor allem liebte er es zu tanzen." Sein Lebensmotto: "Unmögliches erledige ich sofort, für Wunder brauche ich fünf Minuten." Wegen seiner Clubbesuche kennt Sam Kamran viele DJs und entwickelt eine Leidenschaft für Rave Music. Eine Musik, die seinem Temperament entspricht - schließlich heißt "rave" übersetzt soviel wie rasen. Oft reist er mit seinem besten Freund, dem DJ Seth Troxler, zu großen Raves, etwa nach Ibiza.

Seine Energie, seine Rastlosigkeit kommen nicht von ungefähr. Dramatisch waren schon die Umstände seiner Geburt. Denn Sam Kamran, Sohn eines iranischen Arztes und einer deutschen Lehrerin, kam im Iran inmitten der Islamischen Revolution im November 1978 zur Welt, in einem kleinen Ort am Kaspischen Meer - "während das Krankenhaus von der Miliz beschossen wurde", erzählt sein Bruder. Früh merken die Eltern, dass der Kleine kaum stillsitzen kann. Bei ihm wird schließlich eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert.

Viele Pläne geschmiedet: Frankfurter Gastronom Sam Kamran zieht Menschen in seinen Bann

Noch etwas macht Sam Kamran zu schaffen: seine Stimmungsschwankungen, über die er lange nicht spricht. Bis sie so stark werden, dass er sich in ärztliche Behandlung begeben muss. Die Diagnose: Er hat eine bipolare Störung - eine psychische Erkrankung mit manischen und depressiven Schüben. "Sam wurde oft als ,verrückt' bezeichnet, weil die Krankheit - ADHS in Verbindung mit bipolarer Störung - selten und unbekannt ist", sagt Mark Kamran.

Dennoch habe er die Eigenschaft gehabt, "die Menschen in seinen Bann zu ziehen und sie für sich zu begeistern", sagt seine Ex-Frau Marianne May. Zwölf Jahre waren beide zusammen, bis sie sich vor zwei Jahren trennten. Friedlich, wie sie betont: "Unsere tiefe Freundschaft hielt dennoch an."

Tod bei Brand in Frankfurt: Familie weist Spekulationen über Suizid zurück

Spekulationen in sozialen Netzwerken, der 42-Jährige könnte Suizid begangen haben, weist die Familie zurück. Die Sauna in der Wohnung im Westend habe sich durch einen Defekt entzündet. "Es war einfach ein schrecklicher Unfall." Auch die Untersuchungen der Polizei deuteten darauf hin. Außerdem habe Sam Kamran bis zuletzt gearbeitet und Pläne geschmiedet.

Viele Stunden widmet er sich seinem Art Work Project, einer Art philosophischem Instagram-Buch, für das er ein eigenes DJ-Set zusammengestellt habe. Zahlreiche Freunde und Bekannte habe er angeschrieben, um sie auf die bevorstehende Präsentation aufmerksam zu machen, sagt Mark Kamran: "Er war voller Lebenslust, das genaue Gegenteil eines Suizidgefährdeten."

Wie die Familie ihn in Erinnerung behält? "Als einen unglaublich liebevollen und großzügigen Menschen, der ständig in Bewegung war. Und immer mit einem Smile im Gesicht! Seine Weisheiten, Witze und Anekdoten werden immer in unseren Ohren nachhallen. Wir werden ihn unendlich vermissen." (Brigitte Degelmann)

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