1. Startseite
  2. Frankfurt

„Wurde professionell abgebaut“: Familien-Grabstein ist spurlos verschwunden

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Matthias Bittner

Kommentare

Johanna Stams ist ratlos. Vor vier Wochen wurde der Grabstein am Grab ihrer Großmutter und ihres Vaters auf dem Bornheimer Friedhof entfernt. Wer den Stein abtransportiert hat, weiß sie nicht. Der Steinmetz, den sie für Gravurarbeiten beauftragt hat, war es jedenfalls nicht. Als er kam und den Stein mit in seine Werkstatt nehmen wollte, war er abgebaut.
Johanna Stams ist ratlos. Vor vier Wochen wurde der Grabstein am Grab ihrer Großmutter und ihres Vaters auf dem Bornheimer Friedhof entfernt. Wer den Stein abtransportiert hat, weiß sie nicht. Der Steinmetz, den sie für Gravurarbeiten beauftragt hat, war es jedenfalls nicht. Als er kam und den Stein mit in seine Werkstatt nehmen wollte, war er abgebaut. © Holger Menzel

Unbekannte haben einen Gedenkstein vom Friedhof Frankfurt-Bornheim entwendet. Enkelin und Tochter sind geschockt – der Grabstein hat einen großen emotionalen Wert für sie.

Frankfurt – Wenn Johanna Stams am Grab steht, in dem ihre Großmutter Maria Stams und ihr Vater Alexander Karl-Erich Stams ihre letzte Ruhestätte haben, muss sie mit den Tränen kämpfen. Die Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate gehen ihr nahe. Das Grab auf dem Friedhof Bornheim in Frankfurt, Gewann: B 0294, sieht seit Ende Januar ziemlich trostlos und verloren aus. Seit damals ist der Grabstein spurlos verschwunden. Von einem Tag auf den anderen war er weg, Polizei und Friedhofsverwaltung stehen vor einem Rätsel. "Der Grabstein hat für mich einen großen emotionalen Wert. Ich hoffe sehr, dass er wieder auftaucht", sagt sie.

Grabstein von Friedhof in Frankfurt verschwunden: Irrtum ist nicht ausgeschlossen

Ihr Vater war im Oktober vergangenen Jahres gestorben und im Familiengrab in einer Urne beigesetzt worden. Nach der Beerdigung hatte Johanna Stams die Firma F. Hofmeister Marmor- und Granitwerk GmbH damit beauftragt, den Namen ihres Vaters in den Grabstein einzugravieren. Als die Steinmetze den Grabstein dazu nun Ende Januar abbauen und in die Werkstatt transportieren wollten, war er nicht mehr da. Weg. Einfach verschwunden. Offenbar über Nacht.

Johanna Stams erstattete Anzeige bei der Polizei. Und sie wandte sich an die Friedhofsverwaltung, die ihr auch nicht weiterhelfen konnte. Bislang gebe es nur Vermutungen. Entweder jemand wolle der Familie etwas Böses, wird spekuliert. Oder aber es liege ein Irrtum vor. "Es wurde gesagt, dass vielleicht ein anderer Steinmetz die Grabnummern vertauscht hat und versehentlich den falschen Grabstein mitgenommen hat", berichtet Johanna Stams. So richtig daran glauben will sie allerdings nicht, weil der Irrtum nach mittlerweile vier Wochen doch schon längst hätte bemerkt werden müssen.

Firmeninhaber Matthias Hofmeister ist ein vergleichbarer Fall jedenfalls bislang noch nicht untergekommen. Er ist aber überzeugt, dass Fachmänner am Werk gewesen sein müssen. "Der Grabstein wurde professionell abgebaut", sagt er. Der 250 bis 300 Kilogramm schwere Steinblock werde nicht einfach so von Hand weggetragen, dazu seien entsprechendes Equipment und Spezialwerkzeug erforderlich. Dass am Fundament keinerlei Schäden beim Abbau verursacht worden seien, deute außerdem darauf hin, dass es Fachmänner gewesen sein müssen.

Hofmeister weiß, dass das Thema Beerdigungen und Gräber für Angehörige eine sehr, sehr emotionale Angelegenheit sind. "Für alle anderen hat der Grabstein aber eigentlich keinen Wert", sagt er. Deshalb vermutet er, dass in dem mit dem Tod und der Beerdigung zusammenhängenden Durcheinander und Stress jemand aus der Familie ohne Wissen des anderen ebenfalls einen Steinmetz beauftragt habe. "Diesen Fall haben wir schon mehrfach erlebt", schildert Hofreiter.

Friedhof in Frankfurt: Die Hoffnung, den Grabstein wieder zu bekommen, schwindet

Johanna Stams kann diesen Fall aber mit hundertprozentiger Sicherheit ausschließen. Sie ist ein Einzelkind, ihre Mutter ist auf Hilfe angewiesen und lebt in einem Seniorenheim. Und auch ihr Vater hatte keine Geschwister und sonstige Angehörige, erzählt sie.

Sie hofft natürlich darauf, dass der Grabstein wieder auftaucht, doch von Tag zu Tag schwindet diese Hoffnung. Und irgendwann müsse sie dann auch eine Entscheidung treffen. Ohne einen Grabstein soll die letzte Ruhestätte von ihrer Großmutter und ihrem Vater auf dem Friedhof Bornheim jedenfalls nicht bleiben. Doch das ist mit erheblichen Kosten verbunden. Johanna Stams rechnet vor: Ein Grabstein kostet je nach Material zwischen 4000 und 5000 Euro. Zudem müssen die Gravuren in den Stein gefräst werden. Die Schrift allein für ihren Vater hätte sie 2500 Euro gekostet. Alles in allem rechnet Johanna Stams mit Ausgaben zwischen 5000 und 10 000 Euro. Diese Summe ist kein Pappenstiel. Und deshalb ihre Bitte: Wer auch immer den Grabstein entfernt hat, der möge ihn schnell zurückbringen. (Matthias Bittner)

Zu einem anderen Schockmoment auf einem Friedhof in Frankfurt-Nordend kam es, als Unbekannte einen jüdischen Friedhof mit einem Hakenkreuz beschmierten.

Auch interessant

Kommentare