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Ein Fernsehteam filmt die Kerzen vor dem Haus der Familie.

Tatverdächtiger noch immer nicht vernehmbar

Familientragödie in Sossenheim: Polizei ermittelt wegen Mordes

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Im Fall der getöteten Frau aus Sossenheim ermittelt die Polizei nach der Obduktion wegen Mordes. Ihr Ehemann (47) soll sie erstochen haben. Er ist nach seinem Sprung von einem Hochhausdach weiter in kritischem Zustand.

Die Tür des Reihenhauses ist amtlich versiegelt; im kleinen Vorgarten haben Sossenheimer Kerzen angezündet und Blumen abgelegt. Vor dem Reihenhaus, das nicht mehr, wie gestern berichtet, der Nassauischen Heimstätte gehört, sondern schon vor Jahren verkauft wurde, filmt ein Team des Hessischen Rundfunks. In der Küche ist die Gardinenleiste heruntergefallen; im ersten Stock, wo das Kinderzimmer zur Eingangsseite zeigt, kleben Hasen-Figuren an der Fensterscheibe. Auf der Rückseite sind die Rollläden heruntergelassen. Neben der Eingangstür stehen zwei Kübel mit Tagetes; ein Windspiel klappert leise.

Die drei Kinder des Ehepaars, vier bis acht Jahre alt, waren dem Jugendamt übergeben worden, nachdem Polizisten die Leiche ihre Mutter gefunden hatten. Die Geschwister hielten sich im Kindergarten auf, als Polizisten die Tür zur Wohnung der Familie aufbrachen. Ob die Kinder zu Verwandten oder in eine Pflegefamilie kommen, ist noch offen.

Polizisten hatten am Donnerstag die Leiche der 39-Jährigen entdeckt, als sie die Frau über die versuchte Selbsttötung ihres Mannes informieren wollten: Ousseini O. war gegen 11 Uhr von der Galeria Kaufhof an der Frankfurter Hauptwache in die Tiefe gesprungen und auf einem Vordach aufgeschlagen. Der Mann hat den Sprung mit lebensgefährlichen Verletzungen überlebt.

Seinen Zustand bezeichnete ein Polizeisprecher gestern als kritisch; ob er seinen Todessprung überleben wird, kann derzeit niemand mit Gewissheit sagen. Der 47-Jährige liegt auf der Intensivstation einer Klinik und ist nicht vernehmungsfähig. Fragen hätte die Polizei genug, auch wenn einiges schon klar erscheint: Die Indizien sprechen für sich.

Das Paar war, wie gestern bekannt wurde, getrennt, lebte aber noch immer unter einem Dach. Das Türschild gibt beide Namen an – den der Frau und den von Ousseini. Nach den Ergebnissen der Obduktion soll er seine Frau erstochen haben. Gestern übernahm die Staatsanwaltschaft Frankfurt die Ermittlungen. Derzeit geht die Polizei davon aus, dass kein Dritter an der Tragödie beteiligt war.

Nach der Tat war der Weg zu dem Reihenhaus von der Polizei am Donnerstag mit Flatterband abgesperrt worden; das Band ist inzwischen wieder weg. Die Menschen auf der Straße haben nur ein Thema: Die Bluttat in ihrer direkten Nachbarschaft. Die Spekulationen schießen ins Kraut.

Bei der Polizei arbeitet man unterdessen unter Hochdruck an der Klärung der Fakten; nach der Obduktion des Leichnams werden auch die Indizien ausgewertet, die die Spurensicherung noch am Donnerstag in stundenlanger Arbeit in dem Reihenhaus gesammelt hat. Alles deutet darauf hin: Der Mann hat sich für die Trennung an seiner Frau gerächt. Hinweis der Redaktion:Der Pressekodex sieht vor, dass über Suizide zurückhaltend berichtet wird. Grund für die Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Selbsttötungen.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800- 1110222 erhalten Sie Hilfe.

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