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Die Eintrachtfans Sascha Weigert (35) Jens Meißner (42) Mick Delacoe (51) Scen Wägler (23) Jessica Moschko (25) fahren mit dem Fahrrad zum Pokalfinale nach Berlin +++ Aufgenommen von Christian Christes vor der Commerbank Arena in Frankfurt am Main

Auf nach Berlin!

Fans von Eintracht Frankfurt fiebern Pokalfinale entgegen

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    Melanie Gottschalk
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„Berlin, wir fahren nach Berlin“, skandieren die Fans von Eintracht Frankfurt regelmäßig im Stadion. Sie meinen damit das Pokalfinale. Nach zwölf Jahren ist die Mannschaft wieder im Finale – und die Anhänger bereiten sich darauf vor.

Nach dem Einzug des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt ins DFB-Pokalfinale sind die Menschen in der Region euphorisiert. Viele Fans planen ihre Fahrt in die Hauptstadt, egal ob mit oder ohne Ticket fürs Stadion. Eine Gruppe will gar nach Berlin radeln, um dort das Finale erleben zu können. „Die Idee ist aus einer Laune heraus entstanden“, sagt Jens Meißner, einer der Initiatoren der Aktion. Am Anfang waren es nur Meißner und sein Kumpel Mick Delacoe, seit dem Finaleinzug kommen aber ständig neue Mitfahrer hinzu. „Für jeden gefahrenen Kilometer spenden wir einen Euro an den Ambulanten Kinderhospizdienst (AKHD)“, sagt Meißner. "Wer unsere Aktion unterstützen möchte, ist herzlich willkommen", sagt Delacoe. Denn die Gruppe sucht noch Sponsoren. "Am besten erreicht man uns über unsere Facebookseite 'Mit dem Rad nach Berlin'. Dort findet man auch ein Spendenkonto zum AKHD", sagt  Meißner. Die Spendenübergabe soll nach Meißners Vorstellung am 27. Mai im Olympiastadion erfolgen.

Auch in der Fan- und Förder-Abteilung der Eintracht macht sich die Euphorie bemerkbar: „Wir merken den Einzug ins Endspiel extrem“, sagte Pressesprecherin Nina Bickel gestern. Knapp 400 Anträge auf eine Mitgliedschaft seien gestern bis zum späten Nachmittag eingegangen. Bickel sagte, die Fans wollten jetzt zeigen, dass sie sich „ganz offiziell“ mit dem Verein identifizieren.

Bei Busunternehmen häufen sich Anfragen, ob sie Fangruppen am 27. Mai nach Berlin fahren können. „Wir hatten schon vor dem Halbfinale einige Anfragen. Heute Nacht kamen dann bestimmt noch 20 bis 30 weitere Anfragen per E-Mail dazu“, sagte Horst Lossa, Inhaber des Omnibusunternehmens „Lossa“. Er könne allerdings nur einen seiner zehn Busse für die Fans bereitstellen, da die anderen schon für andere Reisen reserviert seien. „Lossa“ ist eines von vielen Unternehmen, die Eintracht-Fans regelmäßig Busse für Auswärtsfahrten zur Verfügung stellen.

Für die Eintracht ist der Einzug ins Finale von Berlin nicht nur sportlich ein Erfolg, sondern auch finanziell lukrativ. Hat die Fußball AG bislang im DFB-Pokal einen Gewinn von 4,5 Millionen Euro gemacht, so kommt jetzt noch mal schätzungsweise etwa das Doppelte dazu.

Dass der sportliche Erfolg des Teams auch für die Stadt Frankfurt einen wirtschaftlichen Nutzen nach sich zieht, dürfte auf einem anderen Blatt stehen. Jürgen Sciborski ist Geschäftsführer einer Werbeagentur und seit langen Jahren Berater der Eintracht. Er sagte, das Team sei ein „nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor für die Region“. Dass aber das Pokalfinale der Stadt finanziellen Erfolg bescheren werde, glaubt der Marketing-Experte nicht. Jedenfalls nicht langfristig, weil das Pokalfinale ein „Einmal-Ereignis“ sei, dem die Nachhaltigkeit fehle. Ein Hindernis seien auch die „schmalen Wege“, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in Sachen Vermarktung des Pokalfinales vorgebe. „Trotzdem profitieren der Verein und die Stadt immateriell, da durch das Pokalfinale eine große mediale Reichweite geschaffen wird“, erklärte Sciborski.

Ralph Klinkenborg ist Referent des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD). Er setzt als Wirtschaftsfaktor lieber auf etwas anderes und sagt: „Wenn Frankfurt seine Altstadt rund um den Römer wieder aufbaut, dann bedeutet das für das Stadtmarketing Nachhaltigkeit, mit der man dauerhaft Touristen in die Stadt locken könne.“ Doch die Stadt Frankfurt werde selbstverständlich mit der Eintracht im Gespräch bleiben und die ein oder andere Veranstaltung in Angriff nehmen.

Unabhängig vom Ausgang des Finales ist danach ein Empfang im Römer geplant, und in Berlin soll es einen Empfang mit 800 Gästen unter dem Motto „Frankfurter Botschaft“ geben.

Für Gunter Pilz, Sportsoziologe und Fanforscher, ist Berlin ein Muss für jeden Eintracht-Fan: „Es werden sicherlich Zehntausende auch ohne Karte nach Berlin fahren.“ Denn schließlich gebe es auch andere Orte, an denen die Fans das Spiel schauen können. „Vor dem Stadion in Berlin gibt es eine große Fanmeile, an der Gedächtniskirche ist auch immer einiges los“, sagt Pilz. „Viele Fans werden jetzt Pläne für eine Fahrt nach Berlin machen. Es kommt nicht darauf an, im Stadion zu sein“, weiß der Sportsoziologe.

Nicht jeder kommt auch an Tickets fürs Finale gegen Borussia Dortmund. Die 20 000 Eintrittskarten, die der Eintracht vom DFB zur Verfügung gestellt werden, werden ausschließlich an Inhaber von Dauerkarten vergeben.

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