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Alles für ein Foto, alles für eine Berührung: Der Autokorso schlängelt sich durch die Menschenmassen in Frankfurt.

Eine Stadt erbebt

60 000 Fans feiern ausgelassen den Pokalsieg von Eintracht Frankfurt

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Nach dem Pokaltriumph der Frankfurter Eintracht feierten die Fans in der Innenstadt 24 Stunden lang eine beispiellose Party. Bis auf einige Zündeleien blieb es dabei friedlich.

Als „Fußballgott“ Alex Meier Danke sagt, erschüttert ein schwarz-weiß-rotes Erdbeben den Römerberg. Rund 12 000 Fans springen mit dem Kapitän der Frankfurter Eintracht auf und ab und skandieren: „Wer nicht hüpft ist Offenbacher, hey, hey!“ Ohrenbetäubender Jubel brandet auf, Fahnen werden geschwenkt, manch einer hat Tränen in den Augen. Der offizielle Empfang der Mannschaft im Rathaus ist der Höhepunkt des Feier-Marathons, der am Abend zuvor mit dem historischen der SGE gegen den FC Bayern München begonnen hatte – und der die Stadt in den Ausnahmezustand versetzte.

Berlin, Samstag, 22:01 Uhr: Der Abpfiff verkündet den 3:1-Triumph der Eintracht. Zu Hause in Frankfurt explodiert die Commerzbank-Arena förmlich: Viele Anhänger des Vereins hatten sich dort versammelt, um gemeinsam das Spiel zu verfolgen. Vom Stadion aus brandet die Welle der Feierwütigen in die Innenstadt.

Ein Autokorso zieht hupend und mit aufheulenden Motoren an der Hauptwache entlang, jemand brüllt „Olé, Olé“ in ein Megafon. An der Konstablerwache gröhlen Hunderte die Eintracht-Hymne „Schwarz-weiß wie Schnee“, manche haben große Adler-Fahnen mitgebracht. In Alt-Sachsenhausen tanzt eine Gruppe junger Männer um ein rotleuchtendes bengalisches Feuer. Die Letzten feiern bis in die frühen Morgenstunden hinein.

Nicht nur für die Spieler geht die Party am nächsten Tag quasi ohne Pause weiter: Am Morgen fliegen die ersten Fans aus Berlin ein, die nicht verpassen wollen, wie die Pokalhelden in ihrer Heimat empfangen werden. Schon gegen 15 Uhr wird es zu voll auf dem Römerberg, die Sicherheitskräfte müssen die ersten Besucher abweisen. Große Leinwände zeigen, wie Boateng, Kovac & Co. ankommen.

Vom Frankfurter Flughafen aus schiebt sich der Eintracht-Autokorso bis zum Rathaus. Insgesamt rund 60 000 Menschen stehen ihnen Spalier, parken ihren Wagen auf dem Standstreifen der Autobahn, um ein Foto zu ergattern oder klettern über Barrieren, um mit einem ihrer Idole abzuklatschen. Je näher der SGE-Tross dem Römerberg kommt, desto langsamer kommt er voran, auf den letzten Metern fährt er nur noch Schritttempo.

Um 18 Uhr hat das Warten ein Ende: Die Mannschaft trifft am Rathaus ein, verewigt sich im Goldenen Buch der Stadt und tritt auf den Balkon vor das Publikum. Die Euphorie ist gigantisch – obwohl einige der Wartenden sichtbar übernächtigt sind. „Ihr habt ein Feuerwerk in uns entfacht“, sagt ein Sprecher der Ultras später. Immer wieder betonen Fans im Gespräch, dass sie nach 30 Jahren ohne Titelgewinn nicht glauben können, was heute in Frankfurt passiert.

Sportvorstand Fredi Bobic ruft ihnen derweil zu: „Das ist der Wahnsinn, was hier los ist.“ Trainer Niko Kovac spricht von einem „wunderschönen, historischen Tag“. Kevin Prince Boateng entzündet auf dem Balkon eine Rauchfackel und Alex Meier hält zwar eine Ansprache, wirkt aber bis zum Schluss eigentlich sprachlos. Noch um 19 Uhr sind heisere Sprechchöre zu hören, erst danach wird es langsam leerer am Römer.

Die Polizei zieht eine positive Bilanz zu den Feierlichkeiten: „Wir sind zufrieden“, sagt eine Polizeisprecherin. „Bis auf ein paar kleinere Auseinandersetzungen blieb es friedlich.“ Nur eines hatten die Sicherheitskräfte zu beanstanden: Dass in der Menge vereinzelt Pyrotechnik gezündet wurde und dadurch immer wieder Rauchwolken über die Menge hinweg zogen. In Folge dieser Vorfälle hätten die Beamten zwei Personen festgenommen, berichtet die Sprecherin. „Die Ermittlungen laufen.“ Zur Identität und den Tatvorwürfen gegen die mutmaßlichen Zündler könne man erst im Laufe der Woche mehr sagen.

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