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Fast alles fertig für Klinik-Umzug

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Von: Holger Vonhof

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Chefarzt Dr. Martin Barth (r.) übt im neuen Hybrid-OP-Saal mit Kollegen am Plastik-Torso: Ein robotergesteuertes Röntgensystem zeigt auf den Monitoren, wo Skalpell oder Sonde sich exakt befinden.
Chefarzt Dr. Martin Barth (r.) übt im neuen Hybrid-OP-Saal mit Kollegen am Plastik-Torso: Ein robotergesteuertes Röntgensystem zeigt auf den Monitoren, wo Skalpell oder Sonde sich exakt befinden. © Hamerski

Im Spätherbst sollen die Stationen aus dem alten Bettenhochhaus in den Neubau des Höchster Krankenhauses verlegt werden.

Frankfurt -Dr. Martin Barth führt mit akribischer Präzision eine Sonde in einen Kunststofftorso. Auf einem Monitor sehen der Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie und sein Kollege, Gefäßchirurg Guido Rouhani, wie die Spitze Millimeter für Millimeter ins Material eindringt. Die beiden Operateure sind begeistert: Das hebt uns auf die modernste Stufe der OP-Technik", sagt Barth: Das robotergesteuerte Röntgensystem hilft, alle wichtigen anatomischen Strukturen eines Patienten zu schützen und möglichst minimalinvasiv vorzugehen. Der neue Hybrid-Operationssaal mit seiner integrierten bildgebenden Diagnostik ist ein Höhepunkt der technischen Revolution, die der Neubau des Höchster Klinikums in medizinischer Hinsicht bringt.

Künftig nicht nur gute Medizin

Dazu gehören auch die Vitalparameter-Monitore, die sich künftig als kleiner portabler Computer am Patientenbett befinden. Damit werden alle Daten lückenlos aufgezeichnet; wird ein Patient verlegt, wandert der kleine Computer mit auf die neue Station, und das dortige Personal weiß sofort alles über den Neuzugang, was es wissen muss.

Das kommt natürlich auch den Patienten zugute. Für seine medizinischen Leistungen ist das Varisano-Klinikum Höchst schon in der Vergangenheit bekannt gewesen, aber die Zustände im Bettenhochhaus haben viel vom guten Ruf zunichte gemacht: Schäbige Zimmer mit blinden Fenstern, kaputte Aufzüge, bröckelnder Kitt gehörten zum Erscheinungsbild des Hauptgebäudes aus den späten Sechzigern. Mit dem Umzug in den Neubau an der Windthorststraße soll das Geschichte sein. Aber wann? Die Fertigstellung des Neubaus und der Umzug haben sich schon mehrfach verzögert, zuletzt wegen baurechtlicher Abnahmen - eingerichtet sind die meisten der Patientenzimmer, die moderne millionenschwere Medizintechnik ist installiert.

"Wir alle haben uns auf den Umzug im Sommer gefreut und bereits sehr viel Engagement in umfangreiche Vorbereitungen investiert. Wir als Klinikum haben unsere Hausaufgaben gemacht", sagt Martin Menger, Vorsitzender der Geschäftsführung. Der Klinik-Manager rechnet aktuell mit den entscheidenden Abnahmen für September oder Oktober. "Im Spätherbst könnte dann der Umzug sein."

Künftig werden unter dem Dach des Neubaus rund 1600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus nahezu allen Bereichen des Klinikums arbeiten. Bei der Konzeption des Neubaus ist darauf geachtet worden, ihnen die Arbeit zu erleichtern: Vor allem sind die Wege kürzer. Es gibt zwölf Bettenaufzüge und acht Personenlifts. Da in der 6. Etage Schluss ist, ist das helle Treppenhaus aber gerade für Besucher eine gute Alternative. Auch die Zimmer und Türbreiten sind so angelegt, dass man mit Betten rangieren kann. Elektronische Displays in den Fluren zeigen dem Personal, welcher Patient gerade nach ihnen geklingelt hat.

Die Zimmer sind hell und freundlich, bei den Fluren ist das nicht immer gelungen. Aber dafür hat das Klinikum in Zusammenarbeit mit einem Galeristen rund 250 Bilder auf allen Ebenen verteilt, und einen Kinderspielplatz gibt es nicht nur vor der Tür im Freien, sondern auch in der dritten Etage in einem gesicherten Freibereich, der an einen Komplex angrenzt, in dem alles zusammengeführt wird, was mit Kindern zu tun hat - vom Kreißsaal bis zur Kinder-Intensivstation.

Einige Stationen heben sich in ihrem Erscheinungsbild ab. Die Wahlleistungs-Zimmer, für die der Patient zuzahlen muss, haben Hotelstandard. Aber auch auf der Neonatologie oder der Geriatrie lässt sich viel Liebe zum Detail erkennen. So sind die Patientenzimmer in der Geriatrie mit großformatigen Fotos lokaler Ansichten wie Höchster Schlossturm, Eiserner Steg oder Großer Feldberg geschmückt. Die Zimmernummern stehen 40 Zentimeter groß unten an den Türen, so dass Menschen, die gebückt mit dem Rollator unterwegs sind, sie immer im Blickfeld haben. Und jedes Zimmer hat ein Logo, etwa das Höchster Rad oder ein Geripptes. "Es geht darum, über lokale Bezüge das Erinnern zu fördern", erklärt Petra Fleischer, Sprecherin der Klinik.

Provisorischer neuer Parkplatz

Schon seit Anfang 2018 ist am Innenausbau des neuen, 143 Meter langen Klinik-Riegels gearbeitet worden. Erster Spatenstich war im Sommer 2016 und im Herbst 2017, nur etwas mehr als ein Jahr später stand der Rohbau in groben Zügen. 2019 sollte ursprünglich der Eröffnungstermin sein. Behördlich abgenommen ist seit einigen Tagen der Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach. Der alte, ebenerdige Hubschrauberlandeplatz und eine Fläche daneben werden jetzt zu einem provisorischen Parkplatz umgebaut, denn das Parkhaus gegenüber der Notaufnahme an der Gotenstraße wird vielen wohl zu weit weg sein vom neuen Eingang. An einer Wand im Eingangsbereich werden Besucher in mehreren Sprachen willkommen geheißen. Der Platz vor dem Haupteingang an der Windthorststraße, der noch angelegt werden muss, wird künftig Hospitalplatz heißen; das Bushaltestellenschild hat dem schon vorgegriffen. Holger Vonhof

Uwe Binder, Leitender Medizintechniker des Klinikums, zeigt einen portablen Vitalparameter-Monitor.
Uwe Binder, Leitender Medizintechniker des Klinikums, zeigt einen portablen Vitalparameter-Monitor. © Hamerski

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