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Das Prinzenpaar Pascal I. und Selina I. posierten gestern in der Alten Oper. Sie trägt einen ganz besonderen Reifrock - aus Fahrradreifen. "Upcycling", also kreative Resteverwertung, ist das Stichwort.

Stadtgeflüster

Fastnacht: Prinzessin sucht Traumprinz

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Kein Helau. Kein Narrhalla-Marsch. Kein Tusch nach gelungenem Reim. Und trotzdem ist es eine Fastnachtsveranstaltung. Im Restaurant „Opéra“ hatten gestern Prinzessin Selina I. und Prinz Pascal I. ihren zweiten öffentlichen Auftritt – und präsentierten zum ersten Mal ihre Gewänder. Und dabei handelt es sich um ganz besondere Ornate. Denn es sind sogenannte „Upcycling“-Gewänder. Also Kleidungsstücke, die aus Abfall hergestellt wurden, und die Daniela Ballweg und ihre Schüler in der Schule für „Mode. Grafik.Design“ in Offenbach gestalteten (wir berichteten). Die Tollitäten zeigten einen Reifrock aus Fahrradreifen und -schläuchen sowie eine Jacke, die ebenfalls mit vergoldeten Fahrradreifen und -schläuchen geschmückt ist.

Obwohl die beiden erst ihren zweiten Auftritt als Prinzenpaar hatten, war von Aufregung bei ihnen keine Spur. Zwar ist ihre Lieblichkeit in keinem Fastnachtsverein, aber die 28-Jährige sitzt seit ihrem 16. Lebensjahr bei den Umzügen auf dem Wagen der FES (Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH). Die FES stellt nach 20 Jahren wieder das Prinzenpaar und ist damit das Prinzliche Haus. „Dieses Erlebnis auf dem Wagen ist einzigartig“, sagt die junge Frau, die in Franken das Licht der Welt erblickte und seit 20 Jahren in der Wetterau wohnt. Bei einer Tochtergesellschaft der FES, der FFR, ist sie in der kaufmännischen Verwaltung tätig. „Ich bin die Frau, bei der die Zahlen stimmen müssen“, scherzt sie. Als FES-Chef Benjamin Scheffler sie fragte, ob sie für diese Kampagne Prinzessin werden wolle, musste sie nicht lange überlegen. „Ich habe innerhalb kürzester Zeit ja gesagt“, erklärt Selina Landwehr, die leidenschaftliche Bastlerin ist. Besonders Explosionsboxen haben es ihr angetan. Das sind bunt beklebte Pappkartons, die sich im richtigen Moment überraschend öffnen. „Ich gehe in diesem Hobby so richtig auf“, sagt Selina Landwehr, die sich besonders darauf freut, „die Fastnacht mit Kollegen zu feiern“. Das entspanne den Arbeitsalltag und mache es leichter, auf lockere Art ins Gespräch zu kommen. Und wer weiß, vielleicht findet sie so ihren Traumprinzen. Denn ihre Lieblichkeit ist noch – solo. Genug Gelegenheiten könnten sich ihr bieten. Denn bis zum Aschermittwoch gilt es, mehr als 160 Termine zu bewältigen.

Prinz Pascal I. hingegen ist glücklich gebunden. Als Pascal Wunderlich, wie der 27-Jährige mit bürgerlichem Namen heißt, von Benjamin Scheffler gefragt wurde, ob er Fastnachtsprinz werden wolle, konnte er es zunächst kaum glauben. Eine ganze Woche brauchte er für seine Entscheidung. Dabei ist die Fastnacht für den Assistenten der Geschäftsführung der FES nichts Neues, schließlich stammt er aus der Fastnachtshochburg Seligenstadt. Seine Bekannten und Freunde gingen im Laufe der Jahre alle zur Fastnacht, während Wunderlich sich der Politik widmete. Nun ist er Gemeindevertreter in Mainhausen. „Und bei der jüngsten Sitzung wurde ich auch als Prinz von Frankfurt begrüßt“, erzählt er – und berichtet auch davon, dass seine Freunde sich alle sehr für ihn freuen.

Seit 2009 ist Wunderlich in der Jungen Union engagiert, und seit gut zwei Jahren ist er Mitglied der CDU-Fraktion. Spätestens seit seinem Einzug in den Gemeinderat ist die fünfte Jahreszeit fest in seinem Kalender verankert. „Ich bin bei den Fastnachtssitzungen dabei und muss natürlich gute Miene machen, wenn wir Politiker veralbert werden“, sagt er.

Sein Vater ist Frankfurter, seine Mutter Offenbacherin – und dort ist er zur Welt gekommen. Aber in Frankfurt ging er zur Schule. Mit seiner Teilnahme an der Fastnacht möchte er eigene Impulse geben. „Zum Beispiel beim Thema Nachhaltigkeit. Ich finde es toll, dass sich die FES, die Frankfurter Fastnachter und der Große Rat so offen für neue Ideen zeigen.“

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