Zugmarschall Mario Wollnik ist genervt. Ob der Straßenumzug stattfinden kann, ist noch unklar.
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Zugmarschall Mario Wollnik ist genervt. Ob der Straßenumzug stattfinden kann, ist noch unklar.

Fastnacht in Frankfurt

Die Fastnacht stirbt den Corona-Tod

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Betrübte Gesichter, abgesagte Saalveranstaltungen, Umzüge stehen auf der Kippe: Im Zuge des Wiederaufflammens der Corona-Epidemie ist auch in Frankfurt die Fastnacht gefährdet.

"Die Saalfastnacht fällt definitiv aus", sagt Uwe Forstmann, der Sprecher des Großen Rats der Frankfurter Karnevalvereine. "Wenn man in einem Saal 1,5 Meter Abstand zwischen den Besuchern lässt, kommt nur jeder Dritte hinein und es ist so leer, dass dann auch keine Stimmung aufkommen kann", so Forstmann. "Wir versuchen, die Veranstaltung am 11.11. sowie den Fastnachtszug laufen zu lassen." Bislang sei geplant, den Bau der Motivwagen in Angriff zu nehmen. "Wir müssen das Risiko eingehen, drei Tage vorher zu erfahren, dass es ausfällt", so Forstmann.

Zugmarschall Mario Wollnik ist vorsichtig. Ein Umzug koste 400 000 bis 500 000 Euro. "Die Arbeit in der Vorbereitung ist dieselbe, ob wir nun 200 Zugnummern haben oder nur 50." Wollnik zufolge sind noch alle Optionen offen, "alle tappen im Dunkeln. Keiner weiß, ob der Umzug stattfinden wird." Immerhin seien der Marathon, der Ironman und die Kerben abgesagt worden. "Sogar Köln hat seinen Fastnachtszug abgesagt", bedauert Wollnik. Er rechnet vor: "Ein Motivwagen kostet uns zwischen 5000 und 6000 Euro. Bei sieben bis neun Wagen kann man sich ausrechnen, wie viel Geld da im Feuer steht. Wir bleiben auf den Kosten sitzen. Dieses Risiko steht in keiner Relation."

Dennoch sei man im Gespräch mit der Polizei und dem Ordnungsamt. Einige Vorbereitungen seien schon getroffen für einen Umzug. "Da ist vieles, woran niemand denkt. Etwa, dass die Kapellen und Spielmannszüge ja gar nicht proben können. Die Hälfte der Kapellen, die sonst immer teilnehmen, haben schon abgesagt, weil sie seit Monaten nicht proben konnten." Damit werde es auch schwer, den Umzug zu stemmen, wenn die Musik ausfällt.

Das bestätigt das Tanz- und Musik Corps Ronneburg, dem derzeit jede Möglichkeit zu üben fehlt. Blechbläser produzieren wie Sänger viele Aerosole, in denen sich die Coronaviren verbreiten. Der Vorsitzende Norbert Roth gesteht: "Wir können in keinen Saalbau zum Üben. Momentan liegt alles flach. Wahrscheinlich gibt es für uns erst 2022 wieder eine Fastnacht." Es gebe zurzeit auch keinerlei Anfragen nach den Musikern und Tänzerinnen.

Stimmung in Vereinen ist niedergeschlagen

Ob der Umzug in Klaa Paris abgesagt wird oder ob die Heddernheimer dem Coronavirus trotzen, ist derzeit unklar. Der Vorsitzende Ulrich Fergenbauer verwies auf die Vorstandssitzung am 1. September. Die "Heddemer Käwwern" jedenfalls, einer der großen Vereine in dem närrischen Stadtteil, haben die gesamte Kampagne abgesagt.

Die Stimmung in den Fastnachtsvereinen ist einigermaßen niedergeschlagen. Heiko Schwander, Vorsitzender des Tanzsport- und Karnevalvereins Nieder-Erlenbach "Die Bodentrampler", berichtet: "Wir haben uns im Garten getroffen, mit Masken, zur Vorstandssitzung. Es ist schlimm." Im Vorjahr war die Garde Hessenmeister geworden, die Mädchen sind hoch motiviert und trainieren schon wieder, seit sie trainieren dürfen. Aber leider, eine Sitzung werde es nicht geben, auch keine Wettkämpfe. "Da fehlt schon etwas."

Bei den Bernemer Käwwern ist der Vorsitzende Markus Halsch überrascht: "Ich weiß nichts davon, dass die Saalfastnacht ausfällt." Der große Ball am Rosenmontag könne nicht stattfinden, klar, denn dort sind immer 700 bis 800 Gäste, dicht gedrängt, und das gehe nicht. "Aber unsere Sitzungen am 28. November und am Samstag, 13. Februar, planen wir Corona-gerecht." Das heißt, dass höchstens 300 Gäste in den Saalbau Bornheim dürfen. Das Programm stehe im Wesentlichen schon. "Die Garden können halt kein neues Programm einüben, aber das vom Vorjahr lässt sich ja reaktivieren", so Halsch. Es werde nicht einfach, sondern organisatorisch Neuland. "Zehn Leute dürfen auf die Bühne. Das heißt", so Halsch, "dass der Elferrat nicht auf der Bühne sitzt. Wir planen fliegende Moderation und dann den Zugang der Künstler von hinten auf die Bühne, so dass sie nicht durchs Publikum müssen." Absagen jedoch gilt nicht. Das wolle man den Fastnachtern und dem Publikum nicht zumuten.

Uwe Forstmann hat in seiner langen Karriere als Fastnachter nur ein Jahr ohne Narretei erlebt: "In den frühen 90er Jahren, beim ersten Golfkrieg gegen den Irak, ist alles ausgefallen." Das war auch eine Katastrophe für die Narren. "Zum Glück sind Fastnachter Stehaufmännchen", so Forstmann. "Und wir halten zusammen."

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