Sie grüßen ihr närrisches Volk mit Maske: Die Geschwister Maria I. und Max II. - das diesjährige Frankfurter Prinzenpaar. FOTO: enrico sauda
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Sie grüßen ihr närrisches Volk mit Maske: Die Geschwister Maria I. und Max II. - das diesjährige Frankfurter Prinzenpaar.

Närrische Zeiten in Frankfurt

Fastnachter trotzen Corona

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Eröffnung der Kampagne im Nordwestzentrum mit Maske, aber ohne Abstand.

Frankfurt -Gestern um 11.11 Uhr stand zwar nicht die Welt, dafür aber einer der Rollsteige im Nordwestzentrum still. Zumindest für ein paar Minuten. Um Spalier zu bilden für das neue Prinzenpaar der Frankfurter Fastnacht: Seine Tollität Max II. und Ihre Lieblichkeit Maria I. Angeführt von der Garde der Heddemer Käwwern und zurückhaltend angefeuert von den auf den mit Abstand platzierten Bänken sitzenden Fastnachtern marschierten sie den Rollsteig hinab, über den für sie ausgelegten roten Teppich bis auf die Bühne. Eigentlich so wie immer - und doch irgendwie anders.

Es war eine surreale Stimmung, die bei der Eröffnung der diesjährigen Kampagne herrschte. Nicht nur, weil es nach eineinhalb Jahren die erste größere Veranstaltung im Nordwestzentrum war, sondern auch, weil der närrische Funke irgendwie nicht so richtig überspringen wollte. Nicht so wie früher. Obwohl die Leute dicht an dicht standen und saßen, mit Maske, denn die ist im Nordwestzentrum Pflicht. Zumindest auf Umarmungen und Küsschen auf die Wange wurde verzichtet. "Das ist zwar vernünftig, aber irgendetwas fehlt. Es ist ein komisches Gefühl", sagte eine ältere Dame mit pinkem Papphütchen auf dem Kopf - und rückte erst einmal ihre Maske zurück.

Bruder, Schwester und ein bekannter Vater

Masken trug auch das neue Prinzenpaar. Nicht nur deswegen werden Max II. und Maria I. in die Geschichte der Frankfurter Fastnacht eingehen. Auch, weil sie die ersten Geschwister sind, die diesen Titel tragen. "Es gab Ehepaare, die später keine mehr waren, Freunde, Väter und Töchter. Geschwister sind neu", sagte Axel Heilmann, Präsident des Großen Rates. Hinzu komme, mit 21 und 19 Jahren seien sie auch "sehr jung". Und: Sie haben einen "berühmten" Vater, nämlich niemand anderen als Thomas Metzmacher, Inhaber des "Lahmen Esels" in Niederursel und seit kurzem auch von dessen kleinem Bruder, der Eselei im Nordwestzentrum. Die zugleich auch das "Prinzliche Haus" ist.

Da war das Motto der diesjährigen Kampagne auch nahe liegend: "Es isst und trinkt die Narretei, in Frankfurts neuer Eselei!" Und auch auf dem Orden taucht der Esel auf. "Als Werbung für die Eselei ist die Fastnachtskampagne ein wunderbarer Aufhänger", ist Metzmacher eben Geschäftsmann durch und durch. Aber zugleich auch ein großer Fastnachtsfreund. Spätestens, seit er als junger Mann aus dem Sauerland an den Main zog. Und das übertrug er auf seine Kinder. Vielleicht, weil es bei den Metzmachers in den Genen liegt. Denn schon Max und Marias Urgroßvater war einmal Prinz - allerdings in Köln.

Als er sich das erste Mal als Prinz im Spiegel gesehen habe, sagte Max, habe er wieder einmal gesehen, was für ein toller Typ er sei, konnte sich der 21-Jährige diesen Scherz nicht verkneifen. Während seine Schwester es genoss, sich einmal im Leben wie eine richtige Prinzessin zu fühlen. "Das ist schon toll", sagte sie. Sorgen wegen der derzeit steigenden Corona-Zahlen machen sich die Geschwister derzeit weniger. "Wir sind recht optimistisch und hoffen auf eine gute Kampagne", sagten sie.

Nicht provozieren, nicht infizieren

Wie auch Axel Heilmann, der gar die Durchführung des Fastnachtsumzuges als möglich ansieht. "Wir sind im dritten Gang und schalten jetzt in den fünften. Die Fahrzeuge sind getankt, wir können loslegen", sagte er. Wenn es denn die dann herrschenden Regeln zuließen. Nach denen richte man sich. "Wir wollen nicht provozieren und nicht infizieren", sagte er. Trotzdem wolle man möglichst vielen Fastnachtern die Möglichkeit geben zu feiern, bei den Veranstaltungen des Großen Rates gelte die 2G-Regel, wie die Vereine das handhabten, sei ihnen überlassen. Drei der rund 50 Vereine hätten sich bereits entschieden, auf Veranstaltungen zu verzichten. "Es war ein echter Kraftakt, die Kampagne auf die Beine zu stellen. Aber wir haben es geschafft, darüber sind wir sehr froh und glücklich", betonte Heilmann. judith dietermann

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