Die Brücke ist so marode, dass sie trotz der schon unterfütterten gelben Stützen gesperrt werden musste.

Stadt hat keine Hoffnung

Fechenheim: Wird die Casellabrücke jemals saniert? Sonst droht Abriss

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Die Cassellabrücke ist gesperrt - und ob sie jemals saniert und wieder geöffnet wird, ist fraglich: Die Schäden seien irreparabel, erklärt die Stadt. In spätestens fünf Jahren sei ihre "Restnutzungsdauer" abgelaufen. Doch der Ortsbeirat will die Verbindung unbedingt erhalten - sei es durch Sanierung oder Neubau.

Frankfurt - Die Cassellabrücke, also jene Fußgängerbrücke, die von der Jakobsbrunnenstraße über das Allessa-Werksgelände zur Hanauer Landstraße führt, ist gesperrt. Zwar hat die Stadt die marode Brücke an der Hanauer Landstraße provisorisch verstärkt. Weil aber einige Risse größer wurden, darf sie nicht mehr genutzt werden. Was aus der Brücke wird, sollen weitere Untersuchungen zeigen, erklärt das Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE). Doch schon jetzt geht es davon aus, dass die Schäden irreparabel sind. Die Brücke habe nur eine "Restnutzungsdauer von maximal fünf Jahren - sofern keine weiteren Schäden auftreten".

Die Brücke muss bleiben

Die Ortsbeiratsfraktionen sind sich einig: Die Brücke muss bleiben! Einen entsprechenden Antrag beschlossen sie gestern in ihrer Sitzung. "Die Brücke ist die einzige Verbindung vom Norden des Stadtteils zu Fuß nach Alt-Fechenheim", sagt Antragsteller Stefan Klee (Linke). Mit der Sperrung sei der Weg "komplizierter und länger geworden", ergänzt Benjamin Wiewiorra (CDU). Thomas Dorn (Grüne) ist sauer, dass die Brücke ohne Vorwarnung gesperrt wurde. Für einige Menschen sei so ein kurzer Weg zum Arbeitsplatz im anderen Teil Fechenheims abgeschnitten, sagt seine Fraktionskollegin, Sandra Neubauer. Das Bauwerk müsse so schnell wie möglich wieder nutzbar sein, fordert Detlef Stange (FDP) und Jürgen Kuhn (BFF) sagt: "Wir brauchen sie auf jeden Fall."

Setzen sich für die Brücke ein: Die Ortsbeiräte Benjamin Wiewiorra (CDU,l.), Sandra Neubauer (Grüne) und Stefan Klee (Linke). Von ihm stammt auch der entsprechende Antrag.

Brücken werden alle sechs Jahre grundhaft überprüft, drei Mal im Jahr werde jede Brücke angeschaut, erklärt das ASE. Bereits 2016 habe die Stadt "eine mehrstufige Untersuchung vorgenommen". Wegen der festgestellten Schäden seien "weitere Untersuchung erforderlich" gewesen, im Oktober 2016 wurde dabei Material entnommen. Das Ergebnis: "Die Schäden sind "irreparabel". Als nun weitere gravierende Schäden entdeckt wurden, führte dies zur Sperrung. Die ganze Brücke sei betroffen. "Weitere Untersuchungen werden Aufschluss geben, welche Optionen bestehen."

Notstützen bauen

Entstanden ist die Brücke 1964, weil die an dieser Stelle in Nord-Süd-Richtung über das Werksgelände führende Straße gesperrt wurde. Die Straße wieder zu öffnen, wäre zwar schön, aber vermutlich "Wunschdenken", sagt Benjamin Wiewiorra. Geht es nach Stefan Klee, wird die Brücke schnell mit Notstützen begehbar gemacht. "Das hat mit dem maroden Parkdeck des Hessens Centers ja auch funktioniert." Mittelfristig soll die Stadt prüfen, ob saniert oder neugebaut wird. Langfristig müssten die Rampen barrierefrei umgebaut werden, wünscht der Ortsbeirat.

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Während der Ortsbeirat sich klar positioniert, finden einige Anwohner, die Brücke könne auch abgerissen werden. "Die braucht kein Mensch", sagt ein Kunde des Wasserhäuschens in der Leo-Gans-Straße. Andere stimmen im zu. "Doch, sie muss bleiben", fordert hingegen eine Dame. Sie und ihre Tochter nutzen sie, um in den Läden an der Hanauer Landstraße einzukaufen - so wie andere Fechenheimer, die kein Auto hätten, um bequem um das Werksgelände herumfahren zu können.

KOMMENTAR

"Irreparabel", das klingt wie ein Todesurteil: Wenn das stimmt, wird die Cassellabrücke bald abgerissen. Eine neue Brücke ist teuer - zu teuer, wenn man der Stadt glauben darf, die das bereits vor zwei Jahren konstatierte. Aber wann ist eine Brücke zu teuer? Ja, nur wenige Menschen nutzen sie. Aber der Weg von Nord nach Süd über die Mainkur oder die Ernst-Heinkel-Straße ist keine Alternative. Beide Wege sind hässlich, führen entlang kaputter Straße am Chemiegelände entlang. Gerne läuft oder radelt dort sicher niemand. Die Cassellabrücke hingegen führt vom Herzen des Nordens hinüber nach Alt-Fechenheim. Zwar nicht durch einen Wald, sondern einen Industriepark - aber das ist immer noch angenehmer als die Alternativen. Wird die Brücke nicht neu gebaut, ist das ein Grund mehr für die Fechenheimer, sich "abgehängt" zu fühlen - vor allem von der anderen Hälfte ihres Stadtteils. Die wichtige Frage lautet daher: Was ist Fechenheim dem Römer wert?

VON ANDREAS HAUPT

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