Rot, rot, rot sind alle ihre Wagen: Andreas Heffels, Leiter der Werksicherheit, sein Stellvertreter Roland Hofmann, Werkfeuerwehrmann Werner Zeber und Allessa-Geschäftsführer Wolfgang Böhm (v.l.).
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Rot, rot, rot sind alle ihre Wagen: Andreas Heffels, Leiter der Werksicherheit, sein Stellvertreter Roland Hofmann, Werkfeuerwehrmann Werner Zeber und Allessa-Geschäftsführer Wolfgang Böhm (v.l.).

Werkschutz

Fechenheim: Im Notfall sind sie schon am Ort

  • vonAlexandra Flieth
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Die Werksfeuerwehr der Allessa hilft auch schon mal vor den Toren des Chemie-Betriebes.

Fechenheim -Das Verwaltungsgebäude der Allessa GmbH ist mit seiner Klinkersteinfassade ein markantes Gebäude, das vielen, die von der Hanauer Landstraße in Richtung Fechenheim fahren, sofort auffällt. Wer sich die Architektur genauer ansieht, der erfährt auch etwas über die Geschichte des Chemie-Unternehmens, dessen Anfänge in diesem Jahr 150 Jahre zurückliegen: Denn 1870 nahm die "Frankfurter Anilinfabrik von Gans und Leonhardt" ihre Arbeit auf.

Gebäude unter Denkmalschutz

"Das Verwaltungsgebäude steht heute unter Denkmalschutz", erzählt Wolfgang Böhm (53). Er ist einer von zwei Allessa-Geschäftsführern und verantwortlich für die Produktion, Technik und Werksicherheit. "Wir wollten die 150-jährige Unternehmensgeschichte in diesem Jahr feiern. Alles war schon geplant - wegen Corona haben wir es auf kommendes Jahr verschoben", sagt er.

Auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes ist noch ein früheres Firmenschild befestigt, das einen stilisierten Glaskolben zeigt mit dem Schriftzug "Cassella". Als "Cassella Farbwerke Mainkur AG" firmierte das Chemie-Unternehmen mit den beginnenden 1950er Jahren bis Mitte der 1990er. Bis dato ein Tochterunternehmen der früheren Hoechst AG, wurde es zu diesem Zeitpunkt komplett von ihr übernommen, um 1997 an die Clariant AG verkauft zu werden.

2001 folgte die Gründung der Allessa Chemie GmbH, 2004 wurde zudem die AllessaSyntec ins Leben gerufen. Beide Gesellschaften verschmolzen 2012 zur Allessa GmbH, die 2013 von der International Chemical Investors Group (ICIG) übernommen und in die WeylChem Unternehmensgruppe eingegliedert wurde.

Fast 150 Jahre liegen auch die Anfänge der Feuerwehr für den Standort zurück. Für die Sicherheit der Mitarbeiter auf dem 44 Hektar großen Gelände sorgten fast von Beginn an Feuerwehrmänner, wie alte Fotografien belegen. "Im Jahr 1928 wurde die erste hauptberufliche Feuerwehr für das Werk gegründet", weiß Andreas Heffels (52). Ihm obliegt heute die Werksicherheit. "1968 hatten wir die erste anerkannte Werkfeuerwehr auf dem Gelände." Derzeit sind rund 1000 Arbeitnehmer im Industriepark tätig. Die Allessa ist dort sowohl als Chemie-Produzent als auch als Industrieparkbetreiber aktiv. Mehr als 20 Unternehmen sind auf dem Gelände ansässig.

Das Feuerwehrhaus der Allessa-Werkfeuerwehr umfasst neben den beiden Fahrzeughallen, in denen unter anderem die Löschfahrzeuge und ein Rettungswagen untergebracht sind, auch verschiedene Werkstätten, Ruhe- und Sanitärräume für ihre 33 hauptberuflich tätigen Kameraden, eine große Küche sowie einen Trainingsparcours.

Schon der Ur-Opa hat gelöscht

Brandinspektor Heffels ist in einer Feuerwehrfamilie großgeworden. "Schon mein Ur-Großvater war Feuerwehrkommandant", sagt er. Er habe sich Mitte der 1980er Jahre zunächst in der Freiwilligen Feuerwehr Schwalbach engagiert und schließlich sein Ehrenamt zum Beruf gemacht. Vor vier Jahren kam er zur Allessa und übernahm 2019 die Leitung der Werksicherheit. Neben den hauptberuflich Tätigen gibt es noch 40 Arbeitnehmer des Allessa Industrieparks, die sich nebenberuflich als Werkfeuerwehrkräfte engagieren.

Werksicherheit sei komplex und umfasse neben der Feuerwehr noch zwei weitere Säulen: den Werkschutz mit acht hauptberuflichen Mitarbeitern und das Notfallmanagement. "Werkfeuerwehren sind nicht-öffentliche Feuerwehren", erklärt Heffels weiter. Als öffentlich würden die Freiwilligen- und die Berufsfeuerwehren bezeichnet. "In Hessen gibt es aktuell 2420 Freiwillige, sechs Berufs- sowie 55 Werk- und sechs Betriebsfeuerwehren", zählt er auf.

Unabhängig von diesem Unterschied sei die Werkfeuerwehr am Standort Fechenheim eng mit den Freiwilligen Wehren und der Berufsfeuerwehr verzahnt. Zweimal im Jahr würden Stabsübungen in Kooperation mit der Berufsfeuerwehr, der Polizei und einzelnen Behördenvertretern durchgeführt. Alle fünf Jahre werden zudem 35 000 Broschüren im Umkreis von zwei Kilometern des Allessa-Industrieparks an die Haushalte verteilt und in Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen und Altenwohnheimen Schulungen zum Verhalten bei Sirenenwarnung angeboten. Zweimal jährlich gibt es einen Probealarm.

"Wir sind rund um die Uhr mit elf Mann da", sagt Heffels. Bei Bedarf können weitere Mitarbeiter innerhalb von wenigen Minuten zur Verstärkung hinzugezogen werden. "Wir haben eine extrem große Verantwortung", sagt Böhm. So werde im Falle eines möglichen Störfalls sofort die Sirene ausgelöst.

"Die Werkfeuerwehr unterstützt auch bei Unfällen außerhalb des Geländes im Verkehrsraum bis zum Eintreten des öffentlichen Rettungsdienstes", erzählt Heffels.

Bei der Werkfeuerwehr zu sein ist eine Berufung, findet Werner Zeber, der im September seine 40-jährige Betriebszugehörigkeit feiert und derzeit eine von zwei Wachabteilungen der Allessa-Werkfeuerwehr leitet. Als Kind selbst in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv, kam der Oberbrandmeister nach seiner Ausbildung zum Schlosser und Chemikanten schließlich zur Werkfeuerwehr des Unternehmens. Er möchte mit seiner Arbeit, wie er sagt, "den Standort und die Menschen vor Ort unterstützen". Alexandra Flieth

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