Auf der riesigen Trommel tanzte auch eine Darstellerin des Antagon-Theaters.
+
Auf der riesigen Trommel tanzte auch eine Darstellerin des Antagon-Theaters.

Sommerwerft mobil

Fechenheim: Tanzende Teufel ziehen durch die Straßen

  • vonAlexandra Flieth
    schließen

Der Schlussakkord der "Sommerwerft mobil" wird mit einem rhythmischen Trommeln auf der Spielfläche an der Konstanzer Straße eingeleitet, bevor sich die Protagonisten auf den Weg durch den Stadtteil machen. In Corona-Zeiten möchten sie mit ihrem darstellenden Spiel Freude bereiten - direkt vor der Haustür der Menschen.

Fechenheim -Sechs Trommler haben sich um das große Musikinstrument herum aufgestellt, das zusätzlich noch Platz bietet für ein Ensemble-Mitglied. Die junge Frau tanzt auf der Oberfläche der Trommel, während die anderen mit Schlägeln den Takt vorgeben.

Alternatives Format zu fester Spielstätte

Die Protagonisten sind Darsteller des Antagon-Theaters, das im nördlichen Teil Fechenheims, in der Orber Straße 57, beheimatet ist. Dorthin soll auch der Weg der Truppe führen, die in mehreren Etappen fast vier Stunden - in ihren schrillen Kostümen tanzenden Teufeln und gakelig weißen Spinnen gleich - durch den Stadtteil ziehen möchten. Das Finale ist am Bahnhof Mainkur geplant. Mehr als 20 Akteure sind mit dabei.

Die "Sommerwerft mobil" ist ein Format, das eine Alternative zu ortsgebundenen Spielstätten sein soll. Es wurde von Bernhard Bub, der das Antagon-Theater vor 25 Jahren gründete, und seinen Mitstreitern für die aktuellen Zeiten entwickelt. Die beliebte Sommerwerft an der Weseler Werft läuft in diesem Jahr wegen Corona nur in abgespeckter Form noch bis zum kommenden Sonntag, 9. August. Maximal 800 Besucher dürfen gleichzeitig auf das dortige Gelände. Als Alternative sind die Mitglieder des Antagon-Theaters nun mobil unterwegs. Fechenheim ist die letzte Station auf der kleinen Tour, die nicht nur in Stadtteilen Frankfurts wie Griesheim, Niederrad und im Riederwald Halt gemacht hat. Mit ihrer Idee waren sie außerdem auf den Straßen von Hanau, Offenbach und Wiesbaden unterwegs.

Die Orte wurden zuvor ganz bewusst ausgewählt, erzählt Organisator Bernhard Bub. "Die ursprüngliche Idee des Formats, das wir im April entwickelt haben, war, ein Zeichen zu setzen." Gerade an Orten, an denen Familien in beengten Wohnverhältnissen lebten, ohne Balkon oder Garten.

Bub hat Platz genommen auf einem Anhänger, auf dem Musikinstrumente aufgebaut sind. Er selbst sitzt am Schlagzeug. Live-Musik gehört zum Straßentheater, wie es die Gruppe an diesem Nachmittag im Stadtteil zeigt, mit dazu. Bei der musikalischen Untermalung wird er von zwei Mitgliedern des Ensembles mit Geige und Keyboard unterstützt. Die Musik hat mittlerweile viele Neugierige an den Ort gelockt. Handys werden gezückt.

Die Darsteller, die sich teils auf Stelzen fortbewegen und die wie Wesen aus einer fantastischen Geschichte miteinander agieren, werden gefilmt. Das von ihnen dargestellte Spiel ist szenisch aufgebaut. Die Handlung soll in den Straßen des Stadtteils fortgesetzt werden.

Anwohner begleiten den bunten Zug

"Aus den Erfahrungen an den vergangenen Orten wissen wir, dass manche Leute uns auf dem Weg begleiten werden", sagt Bub, der die Besucher darum bittet, die Abstandsregeln einzuhalten. "Das ist großartig, dass wir das hier bei uns haben", betont Leonore Vogt. Sie ist Quartiersmanagerin der Diakonie für Fechenheim im "Frankfurter Programm-Aktive Nachbarschaft". "Das Tolle dabei ist, das wir als Zuschauer gar nicht wissen, was passiert."

Das Überraschungsmoment ist den Darstellern schon bald geglückt.

Auf ihrem Weg durch die Konstanzer Straße öffnen viele Anwohner neugierig ihre Fenster und Türen, sind sichtlich erfreut. "Wir sind stolz darauf, dass wir das alles in dieser Zeit geschafft haben", fasst es Bernhard Bub zusammen. Alexandra Flieth

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare