Lieblingsplatz Weiher: Renate Müller-Friese.
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Lieblingsplatz Weiher: Renate Müller-Friese.

Lieblingsort

Fechenheim: Am Waldsee löst sie gern Probleme

  • vonFriedrich Reinhardt
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Sechs Wochen Sommerferien, das sind 42 Tage, die viele Frankfurter - wegen Corona - zu Hause verbracht haben. In unserer Serie stellen wir deshalb Lieblingsorte vor. Heute begleiten wir die Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese.

Fechenheim/Bergen-Enkheim -Der Waldsee im Nordosten Fechenheims, kurz vor Bischofsheim, liegt wie eine lebendige Insel im sterbenden Wald. Abgestorbene Äste scheinen wie knochige Klauen nach diesem Ruhepunkt von Renate Müller-Friese (CDU) zu greifen, der Ortsvorsteherin von Bergen-Enkheim. Als hätten die vertrockneten Bäume sich nach dem rettenden Wasser gestreckt und wären im Tod erstarrt.

Grüne Bäume und Seerosen

Auf der einen Seite des Rundwegs um den See grünen Bäume und Büsche. Auf dem See blühen Seerosen. Entzückt ist Müller-Friese von ihnen. Auf der anderen Seite des Weges blättert Rinde von toten Baumstämmen. So wirkt der oft schmale, teils zugewucherter Pfad wie eine unsichtbare Grenzmauer, entworfen, um das Biotop gegen die Folgen des Klimawandels abzuschirmen und zu schützen. Der Kontrast lässt den Waldsee fast magisch wirken.

Unterstrichen wird dieser Eindruck von der kleinen Insel mitten im Waldsee. Bäume wachsen dort, keine Landzunge führt zu ihnen. Schilder des Grünflächenamts verbieten das Schwimmen im See. So entziehen sich die Weiden dem genauen Blick, der einmal schauen möchte, wie die Welt von ihrem Standpunkt aussieht. Ihre Unerreichbarkeit macht die Insel zum eigentlichen Sehnsuchtsort.

Die Ruhe mag Müller-Friese hier, sagt sie. "Ihr Refugium" nennt sie den Waldsee. Ruhig ist es, ja. Aber nicht still. Nur fast übertönt das Krähen und Zwitschern der Vögel das Verkehrsrauschen im Hintergrund, das aufröhrende Motorrad - und was ist genau ist das? Ein Rasenmäher in der Ferne? "Das höre ich gar nicht", sagt Müller-Friese zu solchen Störgeräuschen. Sie sei eben ein Stadtkind.

Sie komme alle ein bis zwei Wochen hierher, erzählt die Ortsvorsteherin. Sie sei keine, die ihre Probleme lang und breit anderen ausbreite, sondern eine, die sie mit sich selbst ausmache. Eben hier am See. Mit Fragen und Diskussionen im Kopf gehe sie spazieren durch den Enkheimer Wald. "Der Waldsee ist sozusagen das Highlight des Spazierganges", sagt Müller-Friese. Fragen aus ihrem Privatleben, dem Job als Hochschuldozentin oder aus der Bergen-Enkheimer Stadtteilpolitik drehe sie auf links und auf rechts auf der Suche nach einem Perspektivwechsel.

Sie fordere die eigenen Meinungen heraus. Immer wieder brächte etwa ein Mitglied im Ortsbeirat 16 in der Debatte ein Argument vor, dass sie überrasche. Ob sie sich davon überzeugen lässt oder Gründe dagegen findet, entscheidet Müller-Friese auf dem Weg am Waldsee.

Waldsterben ein großes Thema

Das Waldsterben ist eines der Themen, die die Stadtteilpolitik beschäftigt. "Der Bergen-Enkheimer Förster hat uns klar gemacht, wie schlecht es steht", sagt sie. Sehr viele Bäume waren von Pilzen und Borkenkäfern befallen und mussten gefällt werden. Nun wird aufgeforstet. Eine der wenigen Joggerinnen hier, kommt ihr entgegen. Empört gestikuliert sie, dass die Ortsvorsteherin und der Journalist nicht schon 50 Meter vor dem Zusammentreffen auf dem schmalen Weg Platz machen, um die 1,5 Meter Corona-Sicherheitsabstand einzuhalten. Auch das macht Müller-Friese Sorgen. "Der Ton ist rauer geworden seit Corona", sagt sie. Früher habe man sich hier freundlich gegrüßt. Doch die Joggerin bleibt mit ihrer Empörung eine Ausnahme. Eine andere Spaziergängerin mit einem kleinen Hund erzählt freundlich von ihren Gedanken zum Waldsee. Blaualgen machten ihr Sorgen, sie könnten ein Zeichen sein, dass der See "kippt", also wegen der heißen Sommer der vergangenen Jahre aus seinem ökologischen Gleichgewicht kommt. Letztlich springt sie trotzdem in den See. Ihr Hund wartet am Ufer, während sich Frauchen abkühlt. Ein Angler scheint sich davon nicht gestört zu fühlen. Auf Zander angle er hier, gefangen habe er heute noch nichts. Doch darum geht es ihm nicht. Der Waldsee sei "ein Ort für Vielbeschäftigte, die hier Ruhe finden", sagt er. Doch dann hat auch er plötzlich keine Zeit mehr. Seine Angelschnur ist gerissen. Friedrich Reinhardt

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