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Fechenheimer Bildungspaten betreuen mehr als 20 Schüler

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Von: Friedrich Reinhardt

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Die Freitagstreffen im Café „Cult Fee“ gehören von Beginn an zur Woche der Bildungspaten - hier im Jahr 2017.
Die Freitagstreffen im Café „Cult Fee“ gehören von Beginn an zur Woche der Bildungspaten - hier im Jahr 2017. © Hamerski

Seit zehn Jahren gibt es schon die Bildungspaten, seit zehn Jahren helfen sie Kindern ehrenamtlich beim Lesenlernen.

Die Schüler, die mit den Bildungspaten Deutsch lernen, sollten auf eine Tafel schreiben, was sie mit den Bildungspaten verbinden. „Sprechen“ hat ein Kind geschrieben, „neues Wort“ ein anderes. Die Kinder assoziieren mit den Bildungspaten auch „spielen“, „schreiben“ und: „alte Menschen“ und „gute Menschen.“

Die Bildungspaten haben Geburtstag. Seit zehn Jahren helfen sie Schülern Deutsch zu lernen, erklären Grammatik und wie Weihnachten in Deutschland gefeiert wird. Und sie haben ein offenes Ohr, wenn die Kinder und Jugendlichen über Probleme reden möchten. Mittlerweile werden sie im Laufe der Jahre rund 200 Kinder unterstützt haben.

Im September 2012 haben Christine Kirchhoff und Eva Tofelde die Bildungspaten gegründet. 2012 - das Jahr, in dem Christian Wulff als Bundespräsident zurücktritt, der Bürgerkrieg in Syrien tobt und der Krieg in Afghanistan schon elf Jahre dauert. Was für eine Belastung diese Kriege für das deutsche Asylsystem sein werden und wie wichtig ehrenamtliche Arbeit wie die der Bildungspaten ist, das sollte Deutschland erst 2015/16 lernen.

Die deutsche Sprache spielerisch vermitteln

Ziel der Bildungspaten ist es, Kindern aus Familien, die zu Hause kein Deutsch sprechen, zu helfen, die deutsche Sprache zu lernen. Mangelnde Deutschkenntnisse führten oft dazu, dass Schüler von Anfang an Lücken im Basiswissen hätten. Diese Lücken ließen sich später schwer schließen und sie erschwerten den Einstieg in eine Berufsausbildung. So erklärte 2012 Werner Scholz das Problem, dem die Bildungspaten entgegentreten. Scholz war damals Vorsitzender des Vereins „Zukunft Fechenheim“, aus dem die Bildungspaten hervorgingen. Noch immer nutzen sie das Symbol von „Zukunft Fechenheim“.

So verstehen auch Gabriele Roth und Wolfgang Gerger die Arbeit der Bildungspaten. 2014 sind sie Paten geworden. Roth ist über einen Flyer bei der Kuchenfee in Enkheim auf die Initiative aufmerksam geworden. Gerger hat davon in der FNP gelesen. Heute koordinieren beide die Paten. Roth jene an der Schule am Mainbogen, Gerger die Paten an der Konrad-Haenisch-Schule.

Schon 2012 gab sich die Initiative das Motto: „Ein Kind, Ein Pate, Eine Stunde“. Es gilt noch heute, kann aber nicht immer eingehalten werden. 37 Kinder und Jugendliche begleiten die Bildungspaten im Jahr 2022, 23 Schüler der Schule am Mainbogen, 14 an der Konrad-Haenisch-Schule. Alle stammen aus Intensivklassen und haben sich freiwillig für die Nachhilfe mit den „guten, alten Menschen“ gemeldet. Mit ihnen arbeiten 32 Bildungspaten.

Eine Stunde ungeteilte Aufmerksamkeit

„Darum lernt manchmal ein Bildungspate mit zwei Kindern. Das geht, wenn beide auf dem gleichen Niveau sind“, erklärt Gerger. Optimal sei das nicht. „Ein Pate, ein Kind, eine Stunde“, das heiße, dass ein Kind ungeteilte Aufmerksamkeit bekommt. Das fördert die Beziehung zwischen Pate und Kind. Ein anderer Aspekt: „Wir lernen mit den Kindern auf spielerische Art“, so Roth. Für die Kinder, die gar kein Deutsch sprechen, gibt es etwa ein Memory-Spiel, das Wort und Ding zusammenbringt. Ansonsten gibt es Helga Rautenberg und die Früchte ihrer jahrelangen Arbeit.

Die 81 Jahre alte Patin kümmert sich um die Lehrmaterialien. Sie beobachtet den Markt, sucht nach geeigneten Lehrbüchern, sie sammelt Arbeitsblätter in acht mittlerweile prallgefüllten Aktenordnern und kopiert die Blätter, wenn die Kollegen sie verbraucht haben. Fragt man Roth und Gerger, was sich in den zehn Jahren geändert hat, ist eine der ersten Antworten: „Wir haben viel mehr Arbeitsmaterialien.“

Auch hat sich die finanzielle Situation verbessert. „Am Anfang hat Helga Arbeitshefte vorgestellt. Hat man zwei Hefte gekauft, war man bei 50 Euro.“ Da es keine Förderung gab, mussten die Ehrenamtlichen das selbst zahlen. 2014 wurde die Initiative mit dem Integrationspreis der Stadt Frankfurt geehrt. Seit 2017 unterstützt die Stadt die Bildungspaten. So wurde das Problem gelöst. Seither kann die Initiative Werbematerialien kaufen, die Kopien von den Arbeitsblättern bezahlen und Buntstifte oder Bücher in den Schulen anschaffen. „Das ist eine enorme Entlastung.“

Die Pandemie brachte ein neues Problem. Viele Mitglieder sind über 60 oder 70 Jahre alt. Corona hat einige vorsichtig werden lassen. Für die nächsten zehn Jahre suchen die Bildungspaten darum mehr Ehrenamtliche. Ob alt oder jung, ist egal. Hauptsache gute Menschen.

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