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Carola Rackete demonstriert im Fechenheimer Wald

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Von: Niklas Hecht

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Besetzter Wald in Frankfurt: Eine „Special Edition“ des sonntäglichen Waldspaziergangs mit der Aktivistin und Ökologin Carola Rackete.

Frankfurt – Ganz beiläufig fällt auf, dass Carola Rackete sich unter die Versammelten für den Waldspaziergang gemischt hat. Sie kommt aus dem Fechenheimer Wald spaziert, wo sie die letzten zwei Tage in einem der vielen Baumhäuser geschlafen hat. Rackete wirkt zurückhaltend, aber bestimmt, doch nicht wie ein Mensch, der gerne im Mittelpunkt steht. Doch das tut sie heute, denn viele Menschen sind gekommen, um ihren Worten zu lauschen.

Bekannt wurde sie als Kapitänin der Sea Watch 3, die 2019 geflüchtete Menschen aus Seenot rettete, und ohne Erlaubnis nach Italien brachte. Auch im Dannenröder Forst war sie schon 2020 Besetzerin und wurde von der Polizei aus einem Baumhaus geholt und festgenommen. Nun ist Rackete in den Fechenheimer Wald gekommen.

Widerstand im Fechheimer Wald: Ein außergewöhnlicher Waldspaziergang in Frankfurt

Der Waldspaziergang ist üblicherweise nur an Sonntagen geplant. Kommen dürfen alle, die Interesse haben. Doch an diesem Tag gäbe es eine „Special Edition“ dieses Spaziergangs, so Alexis Passadakis von der Attac-Ortsgruppe Frankfurt. Er führt durch den Wald, gemeinsam mit Rackete. Was viele nicht wissen: sie ist nicht nur Kapitänin, sondern auch studierte Ökologin - bringt also ein gewisses Expertise mit.

Carola Rackete spricht über Klima- und Artenschutz im Fechenheimer Wald.
Carola Rackete spricht über Klima- und Artenschutz im Fechenheimer Wald. © Renate Hoyer

Treffpunkt ist die U-Bahn Haltestelle Kruppstraße, die direkt an den Fechenheimer Wald grenzt. Es trudeln nach und nach Menschen aller Altersgruppen ein, die sich für Naturschutz interessieren. Rund 40 Leute schlängeln sich durch den Waldpfad.

Frankfurt: Das große Ganze schützen

Nach ein paar einleitenden Worten von Waldführer Passadakis, übergibt er das Wort an Carola Rackete. Sie betont zunächst, dass oft nicht verstanden wird, warum „nur ein kleines Stück“ Wald so wichtig wäre. Doch es gehe um Größeres. Jedes kleine Stück Wald müsse geschützt werden, um das große Ganze zu schützen. Denn deutschlandweit sind Autobahnerweiterungen in Planung. Rackete erklärt, dass es besonders wichtig sei „strategisch zu überlegen, wo eine Besetzung Sinn macht“, um möglichst erfolgreich Waldrodungen zu verhindern.

Die Aktivistin spricht auch über die Klimagerechtigkeitsbewegung und fordert hier, dass es nötig sei, dass diese Lösungsvorschläge für mehr soziale Gerechtigkeit liefere – besonders angesichts der vielen Krisen. Ein „Geraderücken von schiefen Machtbewegungen“ müsse zukünftig erreicht werden“, so Rackete. Je mehr sie erzählt, desto deutlicher wird, dass sie vielleicht ungern über sich selbst spricht, aber umso lieber über die Dinge, die sie bewegen. Klima- und Artenschutz, soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte.

Carola Rackete in Frankfurt: Mit Präzision und viel Wissen

Dabei blüht sie förmlich auf, spricht mit klarer Stimme und viel Wissen und Präzision. Rackete spricht nicht aus Emotionen heraus, sondern argumentiert gewissenhaft und verständlich. Das kommt gut bei den Spaziergänger:innen an, die gespannt lauschen, was die Aktivistin zu sagen hat. Nachfragen werden gestellt, Diskussionen angeregt, und Geschichten des eigenen Kampfes für Naturschutz erzählt. Dabei floss auch die eine oder andere Träne, denn das Thema bewegt die Menschen. Besonders, wenn es sich vor der eigenen Haustür abspielt.

Der Fechenheimer Wald soll weiter vor einer Rodung bewahrt werden. Am 8. Oktober ist hierzu eine große Demonstration geplant, denn aufgeben wird hier niemand so schnell.

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