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Eine hölzerne Treppe windet sich den Turm hinauf.

Denkmalpreis

Fechenheims Rathaus ist ausgezeichnet

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Knapp 1,5 Millionen Euro hat die ABG Holding bislang in die Sanierung von Turm, Dach und Fassade des denkmalgeschützten Fechenheimer Rathauses investiert. Nun gibt es dafür den Hessischen Denkmalschutzpreis 2015.

Der kleine, mit Schiefer verkleidete Turm des Fechenheimer Rathauses erhebt sich in neuem Glanz über den Dächern des Stadtteils. Und auch der Fachwerkgiebel, dessen Gefache sich nach über hundert Jahren – das Rathaus entstand 1902 – bereits nach außen wölbten, ist wieder schick und vor allen stabil. Etwa zwei Jahre lang sanierte die städtische ABG Holding das im Stil der Neorenaissance erstellte denkmalgeschützte Gebäude, steckte 1,5 Millionen Euro in die Sanierung des Daches, des Turms und eines Teils der Fassade. Nun wird sie für dieses Projekt ausgezeichnet: Am Dienstag, 30. Juni, verleiht der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) im Wiesbadener Schloss Biebrich an ABG-Geschäftsführer Frank Junker den Hessischen Denkmalschutzpreis 2015.

Dabei hatte die Sanierung bei einer routinemäßigen Begehung des Turms noch klein angefangen, wie ABG-Architekt Jörg Dreisbach erklärt. „Oben am Balkon, der um den Turm läuft, waren ein paar Bleche lose, die ganze Turmkonstruktion durch Taubenkot geschädigt.“ So schlimm sei es gewesen, dass sie sich nicht trauten, einen Fuß auf den Balkon zu setzen. „Der Statiker meinte, hier müsse etwas passieren.“ Zum Glück sei ein im Denkmalschutz erfahrener Holzbauer dabei gewesen, der gemeinsam mit dem Statiker schnell ein Konzept erstellte.

„Aber dann wurde schnell klar, dass wir das ganze Dach abdecken müssen für die Arbeiten“, sagt Dreisbach. Also wurde ein Gerüst am ganzen Haus aufgestellt. „Dabei stellten wir dann fest, dass am linken der beiden Giebel die Gefache des Fachwerks nach außen drückten und das beim rechten, steinernen Giebel die metallene Halterung lose war und den Giebel nicht mehr richtig hielt – so dass sich auch dieser bereits Richtung Straße neigte“, sagt Dreisbach im Rückblick. Die Sanierung wurde größer und größer.

Die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz sei gut gewesen, lobt Dreisbach. Eine Expertin aus Wiesbaden habe ein Konzept erstellt, dass das Denkmalamt für gut befunden habe. Zu den Arbeiten gehörte nicht nur, die Originalfarbe des Rathauses herauszufinden, sondern auch, die steinernen Wasserspeier und jene aus Metall am Turm wieder instand zu setzen. „Das war ziemlich aufwendig. Nur wenige können derartige Arbeiten heute noch machen.“

Liebevoll wurden viele Details auf Vordermann gebracht, etwa die Beschläge an der hölzernen Tür des Haupteingangs, durch den man die Fechenheimer Polizeiwache und die im ersten Stock befindliche Kita der Caritas erreicht. Wer das Haus betritt, findet auch innen viele Details aus der Entstehungszeit des Hauses. Auf dem hölzernen Treppengeländer etwa prangt ein großer Löwenschädel, vor der Treppe ist ein kleines Mosaik in den Boden eingelassen.

Vom dritten Stock aus führt eine schmale Wendeltreppe auf den Dachboden, wo der hölzerne Dachstuhl sichtbar wird. Eine zweite Wendeltreppe führt hier drei weitere Stockwerke hinauf in den Turm und auf den schmalen, umlaufenden Balkon des Turms. Deutlich kann man beim Aufstieg die neuen glatten Dachbalken und -sparren und die hellen neuen Bretter der inneren Turmverkleidung erkennen.

„Es ist schön, wenn ich mich einmal um ein älteres, denkmalgeschütztes Gebäude kümmern darf“, sagt Jörg Dreisbach. Auch die Zusammenarbeit mit den Handwerkern sei schön gewesen. Etwa mit dem Steinmetz, der die Sandsteine oft auf dem Baugerüst bearbeitete. „Das ist noch echte Handwerkskunst.“ Auch Roland Lensbauer von der städtischen Saalbau Gesellschaft, die das Alte Rathaus verwaltet, freut sich über die Erneuerung. „Seit der Sanierung und mit der neuen Heizung, die das Haus zuvor bekommen hat, ist es hier ruhig. Es gibt weniger zu tun.“ Jörg Dreisbach geht davon aus, dass die nächste Sanierung erst wieder in 30 Jahren ansteht.

Das Fechenheimer Rathaus, so Hans-Günter Hallfahrt vom Denkmalamt, sei ein herausragendes Kulturdenkmal Fechenheims. Das imposante Gebäude sei exemplarisch für die Kaiserzeit. Die aufwendige Sanierung sei in enger Absprache mit dem Denkmalamt erfolgt, was „beispielhaft vom aktiven Einsatz einer städtischen Gesellschaft für die Belange der Denkmalpflege“ stehe.

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