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Fehlender Chip legt Schulbad trocken

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Von: Judith Dietermann

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Alle müssen draußen bleiben: Die Kinderbeauftragte Evangelia Georgalis (l.) und die Schulelternbeirats-Vorsitzende Susanne Rosenfeld setzten möchten, dass die Wöhlerschüler endlich wieder ihr Schwimmbad nutzen können. FOTO: rainer rüffer
Alle müssen draußen bleiben: Die Kinderbeauftragte Evangelia Georgalis (l.) und die Schulelternbeirats-Vorsitzende Susanne Rosenfeld setzten möchten, dass die Wöhlerschüler endlich wieder ihr Schwimmbad nutzen können. © rainer rüffer

Am Wöhler gibt es seit über drei Jahren keinen Schwimmunterricht mehr

Die Eltern an der Wöhlerschule schlagen Alarm: Seit dreieinhalb Jahren haben die Schüler, abgesehen von der Oberstufe, keinen geregelten Schwimmunterricht mehr. Obwohl es auf dem Gelände des Gymnasiums in der Mierendorffstraße ein Schwimmbad gibt. Doch das ist dicht. Erst wegen der Pandemie, seit dem 29. Juni 2021 wegen eines Stark-regen-Schadens. Gerade einmal zwei Wochen hatte es dazwischen geöffnet.

Immer wieder vertröstet

„Wir werden stets vertröstet. Damit, dass bestimmte Teile, darunter irgendein Chip, fehlen. Weil sie nicht lieferbar sind“, macht die Schulelternbeirats-Vorsitzende Susanne Rosenfeld ihrem Ärger Luft. Erst hieß es, nach den Weihnachtsferien 2021 würde das Bad wieder aufmachen, dann im Sommer 2022. Nun rechne man mit Ende des Jahres. Frühestens. „Daran glauben wir nicht wirklich“, sagt Rosenfeld und wirft einen Blick durch die getönten Scheiben des Schwimmbades. Auf das leere Becken. Und zeigt dann auf den restlichen Teil des Gebäudes. Dorthin, wo sich eine kleine Turnhalle befindet, die mit dem Bad verbunden und seit dem Unwetter ebenfalls dicht ist.

Unterstützung haben sich die verzweifelten Eltern bei der Kinderbeauftragten Evangelia Georgalis gesucht, die sofort dabei war. „Neben der Wöhlerschule sind es acht Grundschulen, die das Schwimmbad noch genutzt haben. Plus zwei Sportvereine“, zählt sie auf. Besondere Sorge bereite ihr in diesem Zusammenhang auch, dass die Zahl der Nichtschwimmer immer mehr zunehme, ebenso wie die der Badeunfälle. „Es geht um die Sicherheit, um das Leben unserer Kinder“, sagt sie. Das sieht der Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) genauso. Er verabschiedete einen interfraktionellen Eilantrag, die fehlenden Maßnahmen zügig durchzuführen. „Da muss mehr Druck hinter“, meinte Lothar Stapf (CDU).

Auch aus pädagogischer Sicht sei das geschlossene Bad alles andere als optimal, sagt Christa Eller, Schulleiterin der Wöhlerschule. Viele der Sportlehrer hätten ihr bestätigt, dass es selbst Sechstklässler gebe, die nicht schwimmen könnten. „Vielleicht war ich etwas naiv, aber ich dachte immer, das sei eher ein Problem der Grundschulen“, sagt sie. Was sich durch das geschlossene Bad an der Wöhlerschule aber freilich nicht verbessern würde. „Es ist mittlerweile der dritte Jahrgang, der bei uns eingeschult wurde und keinen Schwimmunterricht erhält“, sagt sie.

Anfahrt dauert schlicht zu lange

Auswärtiger Schwimmunterricht für die Fünft- bis Zehntklässler bedeute durch die langen Anfahrtszeiten eine maximale Wasserzeit von 15 Minuten. Uneffektiv, sagt Eller. Bei den Oberstufenschülern sei das anders. Sie hätten nachmittags Unterricht und könnten selbstständig an- und abfahren.

Durch das Unwetter sei die gesamte Technik in Mitleidenschaft gezogen worden, erklärt derweil Markus Radermacher, Sprecher des Dezernats für Bildung, Immobilien und Neues Bauen. Weshalb die gesamte Lüftungsanlage sowie in Teilen die Mess- und Schalttechnik erneuert werden musste. „Mittlerweile sind all hochbaulichen Maßnahmen abgeschlossen und die Vergaben zur notwendigen Erneuerung der Technik sowie Lüftung abgeschlossen“, fügt er hinzu.

Theoretisch sei deshalb die für Ende diesen Jahres geplante Wiederinbetriebnahme weiterhin möglich. Aber eben nur theoretisch. Denn aktuell ruhen die Arbeiten. „Es kann nicht weitergearbeitet werden, da die benötigten Ersatzteile nicht lieferbar sind“, erklärt Radermacher. Für die Susanne Rosenfeld ist das „eine Generalausrede“. Ja, es sei derzeit schwierig. Aber der Schaden am Bad stünde ja „nicht erst seit gestern“ fest. „Wir brauchen dieses Schwimmbad so dringend. Die Kinder haben schon durch die Lockdowns so viel verpasst“, sagt sie.

Enttäuschte Schüler

Auch bei Schulleiterin Christa Eller haben sich bereits Eltern gemeldet und nach dem Sachstand erkundigt. Viele der jüngeren Schüler hätten sich auf den Schwimmunterricht gefreut. „Ich kann sie immer nur vertrösten. Das tut mir so leid“, sagt sie. Und: Mit der Wiederinbetriebnahme folgt ein weiterer, aus Sicht der Eltern und auch der Schule wichtiger Schritt: Dann soll das Bad, wie alle Schulschwimmbäder in Frankfurt, in die Verantwortung der Bäderbetriebe übergehen. „Diese Übergabe ist für Anfang 2023 vorgesehen. Sofern die technischen Anlagen bis dahin funktionieren“, sagt Radermacher. Die wollen ja auch kein kaputtes Bad haben, meint Susanne Rosenfeld nur. judith dietermann

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