So schaut‘s aus am Liebfrauenberg, wenn feierwütige Menschen an der Kleinmarkthalle nach der Party abgezogen sind. Aber sie hinterlassen noch viel Ekelhafteres...
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So schaut‘s aus am Liebfrauenberg, wenn feierwütige Menschen an der Kleinmarkthalle nach der Party abgezogen sind. Aber sie hinterlassen noch viel Ekelhafteres...

Party Eskalation

Frankfurt: Party in der Kleinmarkthalle eskaliert und sorgt für Ärger

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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  • Ute Vetter
    Ute Vetter
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Zahlreiche Anwohner der Frankfurter Kleinmarkthalle sind sauer, weil die Partybesucher viel Dreck hinterlassen und gegen Hauswände urinieren.

Frankfurt - Ob auf dem Friedberger Platz, dem Matthias-Beltz-Platz, dem Luisenplatz oder an der Kleinmarkthalle und dem angrenzenden Liebfrauenberg: Sobald die Sonne scheint, versammeln sich dort Hunderte Menschen, stehen (eng) zusammen, plaudern, trinken und essen. Das nervt inzwischen längst viele der Anwohner und Geschäftsleute. Denn die Feiernden machen Lärm, hinterlassen ihren Müll sowie Urin und Fäkalien an Hauswänden, in Höfen und Vorgärten.

Dies ärgert auch die Händler in der Kleinmarkthalle. „Das ist hier ein großes Problem“, räumt Michael Lorenz von der städtischen Hafen und Markt GmbH (HFM) ein. Dabei sei erst vor geraumer Zeit der kleine Platz hinter der Kleinmarkthalle verschönert und begrünt worden, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. „Das ist auch wirklich schön geworden“, sagt Lorenz. Die Konsequenz daraus: Das zieht die Feiernden verstärkt an - zum Ärger der Händler in der Kleinmarkthalle. Denn wegen der Corona-Pandemie findet der samstägliche Schlemmermarkt auf dem Platz nicht mehr statt. „Und wir könnten ihn derzeit auch gar nicht bespielen, weil es keinen Platz mehr gibt“, so Lorenz.

Frankfurt: Feiernde hinterlassen Schmutz nach Party in der Kleinmarkthalle

Das Problem ist nicht neu. Bereits im vergangenen Sommer versammelten sich dort, ebenso wie auf anderen Plätzen in der Stadt, die Feiernden - mit den bekannten Auswirkungen. Daraufhin hat die Stadt rund 40 große Abfallbehälter, sogenannte Müllgaragen, die 120 Liter Unrat fassen können, an bekannten Feier-Treffpunkten aufgestellt. Auch andernorts wurden mehr Mülleimer gestellt. Insgesamt stehen nun gut 8000 Abfallbehälter im Stadtgebiet. „Gebracht hat das aber nichts“, sagt Lorenz. Denn statt den Müll dort hineinzuwerfen, landet er oft einfach oben drauf. Oder daneben. Deshalb sind inzwischen drei zusätzliche Reinigungsteams der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) im Stadtgebiet unterwegs, vor allem abends und am Wochenende.

Auch die HFM hat bereits vieles versucht, um die Situation zu verbessern. Die Idee, den Platz hinter der Kleinmarkthalle mit Flatterband und Bauzäunen abzusperren, habe nichts bewirkt. „Die Menschen haben sich drumherum versammelt“, so Lorenz. Wirkungslos seien auch die Kontrollen der Stadtpolizei. „Sobald die Mitarbeiter gesichtet werden, ziehen die Feiernden ihre Masken hoch, halten Abstand und werfen nichts auf den Boden“, sagt Lorenz. Sind die Stadtpolizisten wieder weg, ist alles wie zuvor. Lorenz: „Die Situation ist der Kleinmarkthalle unwürdig.“

Party-Eskalation in der Frankfurter Kleinmarkthalle: „Es ist ekelhaft“

Das sehen viele Anwohner auch so. Kerstin und Matthias R. sind fassungslos über den Müll und das schamlose Verhalten vieler Feiernden speziell am Samstag, wenn sie zu viel Alkohol intus haben. Werde in ihrem Haus mal vergessen, das Hoftor zu den Garagenplätzen zu verschließen, hockten dort „alle fünf Minuten“ Männer und Frauen, die dort mehr als nur urinierten, sich auch oft übergäben. „Es ist ekelhaft“, sagt Kerstin R. Anfangs sei die Lage noch okay gewesen, auch mit der Einführung des Schlemmermarkts, doch seit etwa drei Jahren sei es schlimm. Die Halle schließe samstags um 16 Uhr, doch gefeiert werde bis in die Nacht.

Der Beamte Matthias R. kauft nichts mehr in der Kleinmarkthalle, was er früher gern getan hat: „Seit ich sehe, wie Männer reihenweise gegen die Mauer der Halle urinieren entlang der Parkbucht, wo alles die Kellerluken runterläuft, ekele ich mich. Da unten werden doch Lebensmittel gelagert!“ Nur eine Luke sei mit Blechen gesichert. Das Ehepaar bestätigt, dass Ordnungskräften („wenn sie mal auftauchen“) kein Respekt entgegengebracht werde. „Da wird gefeixt, gelacht, skandiert - und sofort weitergemacht, wenn die Polizisten wieder weg sind.“ Es fehle an Kontrollen und Sanktionen, „die echt wehtun müssten, damit sich was ändert“.

Kleinmarkthalle: Anwohner beschweren sich über Müll-Problem in Frankfurt

Das Ehepaar erzählt auch von seinem Nachbarn, einem Architekten, der sich bereits 2020 schriftlich beim Magistrat der Stadt und dem Ordnungsamt beschwert und sein Nachbarn per Kopie dazu informiert hat. „Doch es ist nichts passiert.“ Frankfurt sei im Vergleich zu München und Hamburg längst vielerorts „total dreckig und vermüllt“. Filip, Mitarbeiter einer Gastronomie im Bereich Kleinmarkthalle/Liebfrauenberg, sagt: „Manche von uns gehen abends über den Platz und sammeln ihre eigenen Flaschen ein.“ Seit Corona gebe es mehr Müll als je zuvor. Man habe die FES gebeten, Mülltonnen aufzustellen wie auf dem Opernplatz. „Doch daraus wurde nichts. Hier bei uns gibts nur drei Mülleimer!“ Die Gastronomen bezahlten jetzt jemanden, der ab 22 Uhr den Platz vor der Halle kehrt und den Müll in Haufen sortiert, damit die FES es beim Abtransport leicht hat.

Karin Müller, Leiterin des Ordnungsamtes, erklärte gestern dieser Zeitung: „Die Reinigungsfrequenzen sind allgemein an den Hotspots schon jetzt sehr hoch. Das zusätzliche Müllaufkommen bedeutet, dass Entsorger weiter belastet werden.“ Zur Idee des Oberbürgermeisters, Info-Schilder zu den Bußgeldhöhen für achtloses Müllwegwerfen aufzustellen, sagt sie: „Die bisherigen Erfahrungen mit aufgestellten Schildern und Strafen sind sehr ernüchternd; sie werden von den Müllsündern meist vollständig ignoriert.“ Aufgrund der Vielzahl an Party-Hotspots sei eine Dauerbewachung nicht möglich, es fehle das notwendige Personal. Die Überwachung an der Kleinmarkthalle erfolge daher „lagebedingt unter Berücksichtigung noch freier Kapazitäten“. Man könne nur Strafen erheben, wenn man jemanden auf frischer Tat ertappe. Insgesamt habe es seit Januar 2020 bisher zwölf eingeleitete Bußgeldverfahren wegen Kleinabfällen und Wildpinklern im Bereich der Kleinmarkthalle gegeben. (Julia Lorenz und Ute Vetter).

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