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Felix Riedl schätzt die Weihnachtsgans im Frankfurter Hof.

Stadtgeflüster

Feine englische Art im Steigenberger

Wenn arabische Gäste ihren Cappuccino mit Kamelmilch möchten, besorgen wir diese natürlich“, sagt Felix

Wenn arabische Gäste ihren Cappuccino mit Kamelmilch möchten, besorgen wir diese natürlich“, sagt Felix Riedl , F&B-Manager im Steigenberger Hotel Frankfurter Hof. In der Kleinmarkthalle etwa bekomme man problemlos diese exotische, leicht nach Heu schmeckende Zutat. Als Gastronomieleiter trägt der 29-Jährige Verantwortung für etwa 50 feste Mitarbeiter und den reibungslosen Serviceablauf in den Restaurants und der Autorenbar.

Als er vor mehr als einem Jahr hier anfing, glänzten bereits einige glamouröse Adressen in seinem Lebenslauf, so das weltberühmte Luxushotel „The Ritz London“. Schon als Jugendlicher stand Riedl hinter dem Tresen einer traditionsreichen Kegelbahn bei Heidelberg. „Meine Großeltern betrieben das Lokal, später meine Eltern, ich half ab und zu aus.“ Nach der Ausbildung in einem kleinen Hotel bewarb er sich „bei den fünf teuersten Hotels in London. Tatsächlich wurde ich zum Probearbeiten eingeladen, kurz danach kam die Zusage.“ Es war eine formidable Residenz am Hyde Park: „The Lanesborough“. Hier gingen und gehen Berühmtheiten ein- und aus. „Sänger Tom Jones überraschte im Restaurant seine Tochter mit einem Geburtstagsständchen, das berührte auch uns. Ein andermal richteten wir für den Schauspieler Will Smith und seine Familie nach deren Wünschen einen Raum für ein privates Essen her. Eigens dafür wurde ein Mahagonitisch abgeschliffen und neu lackiert.“ Intime Einblicke gab es später im „Ritz“ und bei Veranstaltungen im Buckingham-Palast bei Begegnungen mit Queen Elizabeth II . „London empfinde ich als zweite Heimat, die Stadt ist überwältigend“, schwärmt Riedl. Er erinnert sich gern an den bis in den vierten Stock reichenden Weihnachtsbaum in der „Ritz“-Lobby. Er wurde wie das komplette Hotel in einer nächtlichen Hauruck-Aktion geschmückt. „Um Mitternacht geht es los, morgens ist alles fertig.“ Im Frankfurter Hof zu arbeiten, empfindet Riedl als Auszeichnung. „Das Haus ist dem ,Ritz’ sehr ähnlich – gelebte Tradition und Moderne“. Von der feinen englischen Art inspiriert, führte er an seiner neuen Wirkungsstätte den Nachmittagstee ein, an den Adventssonntagen gekrönt von einem typisch britischen, von Sternekoch Patrick Bittner kreierten „Pre-Dessert“. Außerdem hat Riedl erfolgreich das „Gänse-Taxi“ des Luxushotels wiederbelebt, bei dem servierfertige Bio-Gänse mit Maronen, Klößen und Kraut direkt an die Haustür geliefert werden. Weihnachten hat er bereits mit seiner Familie und der Freundin gefeiert, alle arbeiten in der Gastronomie und Hotellerie. „An den Festtagen und zu Silvester sind wir zu beschäftigt. Auch hier im Hotel gibt es dann zahlreiche Veranstaltungen.“ Stimmt das, je reicher der Gast, desto verrückter die Sonderwünsche? Felix Riedl ist diskret, verrät nur so viel: „Mein Ausbilder sagte immer, wir besorgen einen Elefanten – wenn der Gast bereit ist, den Umbau zu bezahlen.“ Neulich stand bei einem Charity-Event ein teurer Oldtimer im Hotelsaal. Um ihn dort hinein zu bugsieren, wurde eigens ein Heizkörper demontiert. Geht nicht, gibt’s nicht.

(fai)

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