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Feinstaub vom Frankfurter Flughafen belastet stark

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Von: Julia Lorenz

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Bei Nordostwind belastet der Betrieb des Frankfurter Flughafens die Umgebung mit Ultrafeinstaub. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Bei Nordostwind belastet der Betrieb des Frankfurter Flughafens die Umgebung mit Ultrafeinstaub. © dpa

Eine Landesstudie zeigt: Bei Nordostwind steigt die Partikel-Anzahl in weiten Teilen der Stadt deutlich.

Frankfurt -Sie sind winzig klein, gelangen über die Lunge direkt ins Blut und von dort in den ganzen Körper. Die Rede ist von Ultrafeinstaubpartikeln, die bei der Verbrennung von Treibstoff in Flugzeugmotoren entstehen und kleiner als 100 Nanometer sind. Seit Jahren stehen die klitzekleinen, nicht sichtbaren Körnchen im Verdacht, gefährlich zu sein und Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes und Demenz auszulösen.

Und jetzt kam raus: Der Betrieb des Frankfurter Flughafens belastet die Umgebung mit Ultrafeinstaub. Der Anteil der winzig kleinen Partikel in der Luft steigt dort deutlich an, wo der Wind sie aus Richtung des Airports hinweht. Dies hat eine Studie des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) ergeben, die jetzt vorgestellt wurde. "Der Flughafen hat einen erheblichen Anteil an der Ultrafeinstaub-Belastung in der Umgebung", teilte HLNUG-Präsident Thomas Schmid mit. Man dürfe aber auch den Straßenverkehr als Quelle für Ultrafeinstaub nicht außer Acht lassen. "Noch wissen wir nicht genau, wie gefährlich diese Partikel für die menschliche Gesundheit sind", so Schmid. "Fest steht aber schon jetzt: Gesund sind sie nicht, und wir sollten sie reduzieren."

Erwiesenermaßen schlecht fürs Herz der Frankfurter

Belastbare Erkenntnisse gibt es zwar noch nicht. Versuche mit Ratten haben ergeben, dass der Ultrafeinstaub bis ins Hirn vordrang. Selbst das Helmholtz-Zentrum in München stellte fest, dass das Einatmen der klitzekleinen Körnchen schon nach wenigen Minuten die Herztätigkeit negativ beeinflusst. Richtige Untersuchungen gibt es bisher nur aus dem Ausland. So wurde rund um den Flughafen in Los Angeles bestätigt, dass der Ultrafeinstaub aus Flugzeugen im Bereich bis zu zehn Kilometer um einen Airport die Luftverschmutzung dominiert. Bei der Untersuchung von Vorfeld-Mitarbeitern auf dem Flughafen von Kopenhagen wurde eine erhöhte Krankheitsrate durch Ultrafeinstaub festgestellt, zahlreiche Krebsfälle wurden auf die kleinen Partikelchen zurückgeführt.

Feinstaub über Frankfurt: Belastung stieg mit Beginn des Flugbetriebs

Doch zurück zur Studie des HLNUG: Das Forschungsteam hat etwa den 23. Dezember 2020 genauer untersucht. An jenem Tag vor Weihnachten wehte der Wind ziemlich gleichmäßig Richtung Nordosten - das ist die häufigste Windrichtung im Rhein-Main-Gebiet. Für die Studie wurden die Ergebnisse an den drei Frankfurter Messstationen in Schwanheim, im Niedwald und auf dem Riedberg herangezogen.

"An allen drei Stationen ist ein deutlicher Anstieg der Partikel-Konzentration für Partikel kleiner als 50 Nanometer nach 5 Uhr zu beobachten, welcher gegen 0 Uhr des 24. Dezember wieder abklingt", heißt es in der Studie. "Der zeitliche Beginn fällt dicht zusammen mit dem Beginn des Flugbetriebs um 5 Uhr und ist besonders in Schwanheim mit einem scharfen Anstieg der Ultrafeinstaub-Konzentration verbunden."

Ohne Pandemie wäre es in Frankfurt noch schlimmer

Nach Ende des Flugbetriebs um 23 Uhr falle die Konzentration an ultrafeinen Partikeln langsamer ab. Das lasse darauf schließen, dass auch der Bodenbetrieb am Flughafen nach der Landung des letzten Fliegers noch Ultrafeinstaub verursache. Aber auch am Riedberg, der immerhin 14 Kilometer vom Airport entfernt liegt, führten die zusätzlichen Emissionen bei Wind aus Richtung Flughafen zu einer Erhöhung der Ultrafeinstaub-Konzentration von mehr als 25 Prozent - und das, obwohl dort erst nach Beginn der Corona-Pandemie mit den Messungen begonnen wurde und es seither eher wenig Flugbewegungen gibt. Deshalb gehen die Forscher davon aus, dass mehr Starts und Landungen auch zu einer höheren Konzentration in der Luft führen wird.

Darüber hinaus kommt das Forschungsteam zu dem Schluss, dass eine zusätzliche Belastung durch Ultrafeinstaub bei Wind aus Richtung Flughafen "weite Teile des Frankfurter Stadtgebiets", hauptsächlich die südlichen Stadtteile, betrifft. Das gelte aber auch, je nach Windrichtung, für andere Kommunen in der Nähe des Flughafens.

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