Nutzt die Zeit für Reinigung und Reparatur. Feldbahn-Chef Rüdiger Fach. foto:hamerski
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Nutzt die Zeit für Reinigung und Reparatur. Feldbahn-Chef Rüdiger Fach.

Bockenheim: Frankfurter Museum

Feldbahner können noch nicht anfeuern

  • vonGernot Gottwals
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Museum hofft auf Fahrtag im Mai - Neue Ausstellung über Einsatz in Ziegeleien

Einsam steht die Feldbahnlok "Tigris", die 1918 beim Bau der Bagdadbahn eingesetzt wurde, vor dem Hauptgebäude des Feldbahmuseums und wartet auf bessere Zeiten. "Wir mussten sie aufeinanderbauen, um die Rauchrohre zu erneuern", sagt Rüdinger Fach, der erste Vorsitzende des Frankfurter Felbahmuseums Dampfbahn Rhein-Main. Und im Anbau der Lokomotivenhalle entsteht eine neue Ausstellung über den Einsatz von Feldbahnen in Ziegeleien und bei der Trümmerverwertung.

Mindestens 200 Besucher

Doch bis die Feldbahnfreunde die Dampfrösser und die neue Ausstellung bewundern und über das Rebstockgelände fahren können, wird es noch mindestens eineinhalb Monate dauern. Denn anders als städtische Museen kann das Feldbahmuseum, das von einem Verein ehrenamtlich an den Wochenenden betrieben wird, von den derzeitigen vorsichtigen Lockerungen nicht profitieren.

Daher strebt der Verein nun den für den 2. Mai vorgesehenen Modellbautag als ersten regulären Fahrtag an. "Wegen des technischen Aufwandes für die Fahrzeuge lohnt sich für uns der Betrieb erst wieder, wenn sich bei uns bis zu 200 Besucher auf dem Gelände aufhalten können und wir am Ende eines Fahrtages wenigstens rund 400 Besucher zählen können", wirbt Fach um Verständnis.

Deshalb hoffe man, dass sich die Corona-Situation im April so weit stabilisiert, dass man ab dem 25. April für die Öffnung werben und dann schließlich zwei Tage vor der geplanten Öffnung mit den Vorbereitungen auf dem Gelände beginnen könne.

"Ob wir dann tatsächlich auch Modellbaufreunde zusätzlich einladen oder erst mal einen Besuchs- und Fahrtag mit unseren Lokomotiven veranstalten, müssen wir noch abwarten", sagt Fach. Das vergangene Jahr habe gezeigt, dass sich wenige Öffnungstage mit geringer Besucherauslastung nicht rentieren. "Wir hatten nur vier statt elf Betriebstage und einen Einnahmeverlust von 70 Prozent", stellt Fach fest. Was dazu führte, dass die laufenden Kosten von jährlich rund 50 000 Euro nur noch zu 25 Prozent gedeckt werden konnten.

Deshalb müsse der Verein auch an seine finanziellen Reserven gehen. "Wir haben Corona-Hilfe für November und Dezember beantragt, die aber noch nicht ausgezahlt wurde", bedauert Fach.

Umso mehr habe man sich im Verein über das Angebot des Ortsbeirats 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) gefreut, das Feldbahmuseum mit einer Unterstützung aus dem eigenen Etat zu fördern: Dafür wurden in der jüngsten Sitzung 5000 Euro bewilligt.

"Das reicht immerhin, um die Kosten für etwa zwei Monate zu decken", stellt Fach fest. Aber inzwischen brauche man wieder eine Perspektive, zumal es ja auf dem Gelände und in den Hallen noch viel zu tun gebe, um den Betrieb für die Zukunft zu sichern. "Denn wenn wir die Ausstellung im Anbau eröffnen wollen, soll eine Cafeteria in den früheren Ausstellungsraum im Hauptgebäude einziehen, das neu gestrichen und aufgearbeitet werden müsste." Schon lange vor Corona wurde der Umzug in einen größeren Raum geplant, der mehr Platz für die Ausstellung bietet. Denn neben den Diorahmen im Model-bauformat sollen jetzt lebensgroße Szenen aus dem historischen Einsatz von Feldbahnen gezeigt werden.

Der Standort ist gesichert

Derweil laufen die Gespräche mit der Stadt über die Zukunft des Museums weiter. Zwar gilt der jetzige Standort am Römerhof nun als grundsätzlich gesichert, da man bei einer Neubebauung des Rebstockgeländes in der dortigen Umgebung auf Wohnhäuser verzichten will, um mögliche Anwohnerbeschwerden über laute Dampf- und Diesellokomotiven zu vermeiden.

"Wenn aber die Bebauung kommt, dann soll ja auch die U-Bahnlinie 5 um eine Station verlängert werden, für die ein Standort gefunden werden muss", erklärt Fach. Gegen das Gelände am Gleisbett des Güterbahnhofes könnten die Habitate von Zauneidechsen sprechen. "Bei einem Bau am Römerhof müsste dafür unser Hauptgebäude verlegt werden. Doch da die Stadt auch die Grundstücke für die benachbarten Funktionsgbäude erwerben und für diese neue Standorte finden müsste, wird sich hier hoffentlich eine andere Lösung finden", so Fach.

Zunächst hofft der Verein aber auf eine baldige Öffnung. "Andernfalls müssten wir zur Deckung unserer Kosten auch über den Verkauf einzelner Fahrzeuge an Sammler nachdenken", räumt er erste Vorsitzende ein. Und dass das Museum seine eigenen Exponate und damit sein Tafelsilber verkaufen müsse, wolle man unbedingt vermeiden. Gernot Gottwals

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