1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Aussagen von OB Feldmann sind „psychische Gewalt“

Erstellt:

Von: Oscar Unger, Brigitte Degelmann

Kommentare

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) unterhält sich während einer Pause des zweiten Prozesstages im Gerichtssaal mit seinem Anwalt David Hofferbert.
Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) unterhält sich während einer Pause des zweiten Prozesstages im Gerichtssaal mit seinem Anwalt David Hofferbert. © dpa

Experten und Frankfurter fassungslos über Feldmanns Beziehungsbekenntnisse

Frankfurt - Mit Abscheu, Entsetzen und Fassungslosigkeit reagieren viele Menschen in Frankfurt auf die Erklärungen, die die Anwälte von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Donnerstag im Korruptionsprozess gegen den Rathauschef vorgetragen haben. „Das ist die öffentliche maximale Demütigung seiner Frau und seiner Tochter“, empört sich die langjährige Stadtverordnete der Grünen, Ursula auf der Heide, die inzwischen als Vorsitzende von „Pro Familia Frankfurt“ fungiert. „Das ist an Schäbigkeit nicht mehr zu überbieten.“

Feldmann steht derzeit vor Gericht, weil er im Frühjahr 2014 seine Stellung als Oberbürgermeister dazu genutzt haben soll, seiner damaligen Partnerin und späteren Ehefrau eine Stelle als Leiterin einer deutsch-türkischen Kita der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt zu verschaffen - samt einem übertariflichen Gehalt und einem Dienstwagen.

Nach Darstellung von Feldmanns juristischen Beiständen habe es sich jedoch bei der Beziehung zu seiner Noch-Ehefrau Zübeyde, von der er inzwischen getrennt ist, um eine „äußerst fragile Beziehung“ gehandelt. Geheiratet hätten sie nur wegen „einer ungewollten und unerwünschten Schwangerschaft“, er habe zunächst auf einer Abtreibung bestanden. Die gemeinsame Tochter ist inzwischen sechs Jahre alt.

Reaktionen auf OB Feldmann in Frankfurt: „Ich finde es beschämend“

Dass Feldmann und seine Anwälte nicht einmal davor zurückschrecken, das Kind in die öffentliche Auseinandersetzung hineinzuziehen, schockiert auch die Frankfurter Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen Rosemarie Heilig (Grüne), die hörbar um Worte ringt. „Fassungslos und entsetzt“ sei sie über diese Äußerungen, sagt sie schließlich: „Ein Oberbürgermeister muss Verantwortung für andere übernehmen. Aber Feldmann übernimmt noch nicht mal Verantwortung für sein eigenes Handeln. Ich finde es beschämend, dass er die Ursache für sein Fehlverhalten bei seiner Familie sucht.“

„Ich bin selten sprachlos, aber da war ich es, als ich das gehört habe“, sagt auch CDU-Stadtverordneter Yannick Schwander, seit knapp drei Wochen Vater eines kleinen Jungen. „Mir tut das Kind sehr leid, das muss man schützen. Es muss doch klar sein, dass solche Aussagen eine Wirkung auf seine Tochter haben können.“

Gabi Bues vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter in Frankfurt bestätigt diese Aussage: „Dieses Wissen - ,ich bin ein ungewolltes Kind‘ - das macht etwas mit dem Selbstwertgefühl eines Kindes“, sagt die Pädagogin. Der Oberbürgermeister stelle mit seiner Verteidigung seine Ex-Partnerin und seine Tochter an den Pranger. Letztlich sei das „psychische Gewalt“, findet Bues. Ursula auf der Heide argumentiert ähnlich. Schließlich müsse jede Frau die Möglichkeit haben, selbst darüber zu entscheiden, ob sie ein Kind bekommen wolle oder nicht. Feldmann aber habe offenbar „massiv Druck ausgeübt auf seine frühere Partnerin“. „Das ist übelst, das ist psychische Gewalt, toxische Männlichkeit“, sagt die Pro-Familia-Vorsitzende.

Feldmann in Frankfurt vor Gericht: OB entschuldigt auf Facebook sich bei eigener Tochter

Und es zeige, dass der Oberbürgermeister „ein zutiefst narzisstischer und sexistischer Mensch“ sei. Dabei habe er gerade nach dem Skandal um seine sexistischen Äußerungen im vergangenen Mai seine beiden Töchter als Beweis dafür angeführt, wie frauenfreundlich er angeblich sei. „Ich hoffe, dass seine Tochter nun jede Menge Unterstützung erhält, denn das wird sie verfolgen“, sagt auf der Heide.

Auch auf Facebook schlagen die Äußerungen in dem Prozess hohe Wellen. Dort hat sich unter anderem der Frankfurter Veranstalter Alexander Kamp zu Wort gemeldet und den Oberbürgermeister scharf kritisiert. „Man darf sich verteidigen, aber diese Art und Weise, ein minderjähriges Kind vorzuführen, ist unter jeder Gürtellinie“, erklärt er gegenüber unserer Zeitung. „Diese Verteidigungsstrategie ist widerlich“, betont Kamp.

Inzwischen hat sich Feldmann auf Facebook bei seiner sechsjährigen Tochter entschuldigt und eine öffentliche „Liebeserklärung“ für sie abgegeben: „Ich liebe Dich - und habe nicht einen Tag bereut, mich in einer schwierigen Lebenssituation für Dich und für meine Verantwortung als Vater entschieden zu haben.“

Das überzeugt jedoch keinen seiner Kritiker, im Gegenteil., die Reaktionen zeigen überwiegend den Wut-Emoji. Auch Ursula auf der Heide sagt: „Das setzt noch einen drauf. Es geht nur um ihn und seine Außenwirkung.“ (Brigitte Degelmann)

Kommentar: An Geschmacklosigkeit nicht zu übertreffen

Es ist stets dasselbe Schema: Feldmann sagt eigentlich Unsägliches, agiert übergriffig, weiß nicht, was er tut. Dann folgt die Entschuldigung. Doch diesmal ist es zu weit gegangen, hat jeden Anstand hinter sich gelassen. Seine Abtreibungsfantasien in Bezug auf seine inzwischen sechs Jahre alte Tochter vor Gericht öffentlich zu machen, sind an Geschmacklosigkeit nicht zu übertreffen. Das ist kein Vater, sondern ein Gefühlsvandale. Und prompt kommt die dürftige Entschuldigung via soziale Medien.

Dabei ging es nicht um einen Fauxpas in einer aufgeheizten Debatte, eine einer plötzlichen Eingebung folgende Handlung mit zuvor nicht bedachten Folgen. Nein. Es war eine mit Bedacht formulierte Erklärung, die Feldmann da vor Gericht vorlesen ließ. Erstaunlich, dass ihn seine gewieften Anwälte davor nicht gewarnt haben. Aber vielleicht hat er auch ihren Ratschlag einfach weggewischt. Wäre nicht das erste Mal. Ein Sonnengott mag keinen Schatten. Feldmann ist eine psychosoziale Gefahr. Nicht nur für seine Familie, sondern für ganz Frankfurt. Dafür, am 6. November nicht zur Wahl zu gehen, gibt es - anders als im Feldmann-Kosmos - keine Entschuldigung. (Oscar Unger)

Auch interessant

Kommentare