Solche Elektroshuttle-Kleinbusse sind in vier nördlichen Frankfurter Stadtteilen nun auf Abruf per App unterwegs. Avdi Kadrijaj fährt einen davon.
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Solche Elektroshuttle-Kleinbusse sind in vier nördlichen Frankfurter Stadtteilen nun auf Abruf per App unterwegs. Avdi Kadrijaj fährt einen davon.

Frankfurter CDU sauer über OB-Werbung

Feldmann-Zoff überschattet Shuttle-Premiere

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Neuer Nahverkehr im Norden gestartet.

Frankfurt -Wer an diesem Montag von Nieder-Erlenbach und Harheim nach Bonames fährt, kommt zwangsläufig an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) vorbei. Er lächelt überlebensgroß vom Plakat, daneben der Spruch: "Frankfurt knutet jetzt". Werben soll das Plakat für den neuen On-Demand-Shuttle-Bus "Knut", den sich Fahrgäste in vier nördlichen Stadtteilen per Handy-App oder Telefon bestellen können.

Doch die Einführung des Shuttles wird vom Ärger über die Werbeplakate überschattet. Auf diesen ist Peter Feldmann riesengroß zu sehen, der neue Elektrobus aber nur klein. Amtsmissbrauch wirft die CDU daher dem Rathauschef vor. "Das ist reine Personenwerbung", schimpft Parteivize Uwe Becker. "Es hat nichts mehr mit Werbung für ein Produkt zu tun, wenn das halbe Plakat den OB zeigt." Feldmann missbrauche mit dieser Werbung in eigener Sache sein Amt, da er auch Aufsichtsratschef der diversen Verkehrsgesellschaften sei.

Feldmann "wirbt mit seinem guten Namen"

Es sei wichtig, "dieses tolle neue Angebot schnell bekanntzumachen", erklärt Peter Feldmann seinen Auftritt auf dem Plakat. "Gerne habe ich hierzu auch ganz persönlich einen Beitrag geleistet." Der OB trete in seiner Funktion als Aufsichtsratschef des Rhein-Main-Verkehrverbundes (RMV) auf, erklärt sein Sprecher Olaf Schiel. "Er wirbt mit seinem guten Namen für eine gute Sache."

Der Riesen-OB helfe aber nicht, warnt Frank Nagel, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Römer. "Die Bildsprache steht in völligem Missverhältnis zu dem Projekt." Da das On-Demand-Shuttle und dessen Nutzung der Bevölkerung völlig unbekannt seien, sei zunächst Information nötig. "Es ist jetzt wichtig, das Projekt bekannt zu machen und nicht den Oberbürgermeister", findet Nagel.

Die städtische Nahverkehrsorganisation Traffiq, die inzwischen teils als "RMV Frankfurt" auftritt, lässt 37 Großplakate aufhängen. In ihrem Auftrag habe eine Agentur die Motive gestaltet, erklärt Traffiq-Sprecher Klaus Linek. "Kriterium war die Etablierung des Begriffs ,knuten' in Verbindung mit der Einführung von ,Knut'." Ziel sei es, "das neue Angebot schnell bekannt zu machen".

Das OB-Motiv sei eines von vieren, sagt Linek. Bisher hänge aber nur das OB-Motiv, die anderen folgten von Dienstag an. Das koste "einen niedrigen fünfstelligen Betrag", sagt Linek. Die Feldmann-Plakate hätten "einen Kostenanteil von etwa einem Drittel am Gesamtbudget", lägen "im vierstelligen Euro-Bereich".

In jüngster Zeit tauchte der OB vielfach in städtischer Werbung auf. So war er Motiv bei der städtischen Verkehrsgesellschaft und zweimal bei Traffiq. Vorigen Sommer erschien Feldmann auf Werbeplakaten fürs Kultur- und Freizeitticket für Kinder, Anfang 2019 für die Bäderbetriebe und den kostenfreien Eintritt für Kinder.

Traffiq verteidigt den jüngsten Plakatauftritt: "Dass der Oberbürgermeister mit seinem Namen und seinem Gesicht für ,Knut' wirbt, ist gut für das Projekt", sagt Linek. Feldmann sei "der bekannteste Frankfurter", betont Traffiq-Geschäftsführer Tom Reinhold. "Wenn ich ihn als kostenloses Model bekomme, freue ich mich." Der OB ist auch bei Traffiq der Aufsichtsratsvorsitzende.

SPD-Dezernent wollte Shuttle verhindern

Das On-Demand-Shuttle war in Frankfurt für 30 Fahrzeuge projektiert, es sollte auch im Westen der Stadt verkehren. Das sagte der damalige Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) aber ab, da die Stadt wegen hoher Corona-Ausgaben sparen müsse. CDU-Verkehrspolitiker Nagel organisierte dann im Hintergrund in der Koalition mit SPD und Grünen, mit Traffiq, Kämmerer Uwe Becker und RMV-Geschäftsführer Knut Ringat die Minimallösung.

Immerhin rollen nun drei On-Demand-Shuttlebusse in Frankfurt. Dass aber just Peter Feldmann für "Knut" werbe, obwohl er nichts dazu beigetragen habe und sein Parteifreund Oesterling das Projekt sogar verhindern wollte, ärgert Frank Nagel: "Ein erstklassiges Produkt mit einem zweitklassigen Oberbürgermeister." Dennis Pfeiffer-Goldmann

Wofür wird hier geworben? Riesengroß ist auf den Plakaten der Oberbürgermeister zu sehen, nur klein daneben ist dagegen der neue Shuttlebus "Knut" abgebildet.

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