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Ferienwohnungen im Zwielicht

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Von: Thomas Remlein

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Immer mehr Touristen besuchen die Mainmetropole.
Immer mehr Touristen besuchen die Mainmetropole. © Boris_Roessler (dpa)

Der Tourismus in Frankfurt boomt, die Übernachtungszahlen eilen von Jahr zu Jahr auf neue Rekordstände. Das könnte so manchen cleveren Vermieter auf die Idee bringen, Ferienwohnungen anzubieten. Doch das ist in Frankfurt nicht erlaubt.

In vielen europäischen Erholungsorten wie auf Sylt oder in Tirol sind Ferienwohnungen eine günstige Art, Urlaub zu machen. Auch Städtereise boomen. Doch in Frankfurt darf niemand Ferienwohnungen bauen oder Mietwohnungen dazu umwandeln. Die Bauaufsicht wacht darüber, dass niemand illegal Wohnungen an Urlauber vermietet.

Dennoch finden sich auf der Internetplattform auf 56 Seiten mehr als 1000 Angebote für Privatzimmer und Appartements. Auffällig viele sind in der Nähe von Hauptbahnhof und der Messe, beispielsweise das Skyline-Studio für 70 Euro pro Nacht oder 380 Euro pro Woche. Das luxuriöse Designer-Appartement mit zwei Schlaf- und zwei Badezimmern und dem präparierten Antilopenkopf kostet 110 Euro pro Nacht oder 2700 Euro im Monat. Wie ist das möglich, wenn es doch verboten ist? Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Grüne), erklärt: „Wir haben nichts dagegen, wenn jemand für drei Monate in die USA reist und seine Wohnung in dieser Zeit vermietet.“ Gellert nennt noch ein weiteres Beispiel: Wer an einem Wochenende der IAA 400 Euro verdienen möchte, verreist und seine Wohnung vermietet, kann das tun. Problematisch werde es, wenn daraus gewissermaßen ein Beherbergungsgewerbe entstehe, sagte Gellert.

Angebote illegal

Dass dies oftmals der Fall ist, vermutet Eduard Singer, Vorsitzender des Frankfurter Hotel- und Gaststättenverbandes. Bei airbnb würden Zimmer für 5210 Euro pro Monat angeboten, dies über mehrere Monate hinweg. Dies erwecke den Anschein, dass es sich kaum um private, zeitlich limitierte Angebote handele. Der Markt der privaten Appartements sei kaum überschaubar. „Mitunter kommen dort beispielsweise ganze Schulklassen unter“, weiß Singer. Für ihn steckt da ein „klares gewerbliches Erlösziel“ dahinter. Singer ist daher dankbar für die Aktionen des Magistrats. Für diesen ist das Baurecht der Schlüssel, um gegen Ferienwohnungen vorzugehen. Davon macht der Magistrat seit Anfang 2013 auch Gebrauch. „Durch konsequentes Vorgehen wurden große Erfolge erzielt“, heißt es in einem aktuellen Bericht. So konnten im Laufe des Jahres 2013 für den Wohnungsmarkt 427 und ein Jahr später 364 illegal genutzte Wohnungen zurückgewonnen werden.

Im ersten Halbjahr 2015 waren es 93 Ferienwohnungen, die wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt wurden. Die Zahl der Ertappten ist also rückläufig. Der Sprecher des Planungsdezernenten führt das darauf zurück, dass sich die Aktionen der Bauaufsicht herumgesprochen haben. Der Magistrat hat mit den marktführenden Anbietern Gespräche geführt und konnte so erreichen, dass Vermieter bereits durch die Portale auf die Rechtslage und die restriktive Umsetzung in Frankfurt hingewiesen werden.

Mitarbeiter der Bauaufsicht beobachten regelmäßig die einschlägigen Internetseiten. Fällt ein Vermieter mit dauerhaften Angeboten auf, wird er angeschrieben und auf sein ungesetzliches Tun aufmerksam gemacht. „Meist reicht das Schreiben“, sagt Gellert. Wenn nicht, werde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Die Strafen bewegen sich im vierstelligen Bereich, möglich sind bis zu eine halbe Million Euro.

Anderes Publikum

Bis vor zwei Jahren hatte die städtische Tourismus- und Congress Gesellschaft (TCF) selbst noch rund 1400 Privatzimmer und Appartements in ihrem Vermittlungsangebot. Die Zahlen nannte Geschäftsführer Thomas Feda. „Dann haben wir die Liste gemeinsam mit der Bauaufsicht nach den Vorschriften bearbeitet.“ Übrig geblieben sind rund 500 Privatzimmer, die zu Messezeiten gemietet werden können.

Der Tourismusexperte Feda sieht in dem Angebot von Privatzimmern und -appartements in Frankfurt am Main eine Möglichkeit, ein neues Publikum als Gäste anzusprechen. „Das sind Leute, die wollen in einen persönlichen Kontakt mit der Stadt treten, die sie besuchen“. Angeregt habe diese Art der Übernachtung zunächst die Buchmesse für Autoren und Kleinverlage, die nicht so viel Geld ausgeben können. Mittlerweile sieht Thomas Feda in den Privatquartieren auch eine Möglichkeit, mehr Touristen in die Mainmetropole zu locken. „Wenn es erlaubt wäre, Ferienwohnungen zu vermieten, wäre es ein bereicherndes Zusatzangebot für neue Zielgruppen.“

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