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Trotz Protesten: Autobahn-GmbH halt an Baumfällung für A66 fest

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Recht klein ist der Teil des Fechenheimer Waldes, der für die Autobahn weichen muss - nämlich nur dieses rund 230 Meter lange Stück zwischen Autobahnende und Park+Ride-Parkhaus an der Borsigallee.
Recht klein ist der Teil des Fechenheimer Waldes, der für die Autobahn weichen muss - nämlich nur dieses rund 230 Meter lange Stück zwischen Autobahnende und Park+Ride-Parkhaus an der Borsigallee. © Die Autobahn GmbH des Bundes

Der Eichenheldbock-Käfer wird die A66 in Frankfurt nicht aufhalten: Diesen Winter will die Autobahn-GmbH Bäume fällen. Allerdings ist das Waldstück überraschend klein.

Frankfurt - Ungeachtet von Protesten von Umweltaktivisten will die Autobahn-GmbH des Bundes in diesem Winter Bäume auf rund 230 Metern Strecke im Fechenheimer Wald für den A66-Lückenschluss fällen. Laut Baugenehmigung werde das zwischen November und Februar geschehen, kündigt der kommissarische Leiter der Außenstelle Frankfurt der Autobahn-GmbH, Sandro Vicenzi an. Auch der jüngste Fund eines geschützten Käfers bremst das Vorbereiten für die Fällung nicht.

Der Umweltverband BUND hatte Anfang September den Fund eines Eichenheldbock-Käfers öffentlich gemacht. „Es war bekannt, dass solche Käfer im Fechenheimer Wald vorkommen“, erklärt Vicenzi. Allerdings sei die Art bei den bisherigen zwei Untersuchungen auf der für die A66 nötigen 2,7 Hektar großen Waldfläche, die lediglich 230 Meter lang und zwischen 70 und 140 Metern breit ist, nicht gesichtet worden.

Gutachter aktuell im Waldstück in Frankfurt: „Kein einfaches Unterfangen“

Am Mittwoch habe ein Fachgutachter mit drei Mitarbeitern „auf der Fläche“ mit der Suche nach dem Käfer begonnen, erklärt der Vizechef der Autobahn-GmbH in Frankfurt, Heiko Schmidt. Das sei „kein einfaches Unterfangen“. Kein Wunder: Eine kleine Aktivisten-Gruppe hält den Wald seit rund einem Jahr besetzt. Sie spricht sich gegen den Autobahnbau und die Fällung der Bäume aus. Einer der Waldbesetzer war es auch, der das Käferweibchen entdeckte.

Die Experten überprüften nun, ob sie an Eichen etwa Fraßspuren oder Bohrlöcher des Käfers finden, erklärt Schmidt. Zu solchen Untersuchungen sei die Autobahn-GmbH gesetzlich verpflichtet. Auch ohne den Fund hätte es vor Fällungen eine Begutachtung gegeben, betont Sandro Vicenzi. Die Fällungen waren schon für vorigen Winter vorgesehen gewesen, aber als Zugeständnis an die Stadt aufgeschoben worden.

Autobahn-GmbH in Frankfurt: „Das hat den Druck auf dem Kessel erhöht“

Falls sich weitere Käfer fänden, entscheide die Obere Naturschutzbehörde, wie die Autobahn-GmbH vorgehen müsse. Möglich sei ein Absammeln der Tiere und Umsetzen in Ersatzhabitate, das Umsetzen ganzer Baumstämme - der Käfer befalle vor allem geschädigtes und Totholz - oder: „Denkbar ist auch, dass die Behörde den Fund nicht als schützenswert einstuft“, sagt Vicenzi. Dennoch hat der Fund folgen: „Das hat den Druck auf dem Kessel erhöht für alle Beteiligten.“ Die Autobahnbauer müssten das kleine Waldstück diesen Winter fällen, damit die Baustraße auf der künftigen A66-Trasse angelegt werden könne. So sieht es der Zeitplan für den 2,2 Kilometer langen Lückenschluss vor, der 2031 fertig sein soll. Dazu gehört der 1,1 Kilometer lange Riederwaldtunnel.

Warum das Fällen der Bäume in Frankfurt nicht länger warten kann

Die Baustraße sei elementar, damit Lastwagen von 2023 an aus den Baufeldern des Tunnels direkt auf die A66 an der Ausfahrt Bergen-Enkheim rollen können, „ohne das städtische Straßennetz zu belasten“, erklärt Vicenzi. Die östliche Baustraße wird rund 500 Meter lang und verläuft hinter den Borsigallee-Grundstücken bis zum Tunnelmund. Ebenso läuft es im Westen der Baustelle übers künftige und schon fertige Dreieck Erlenbruch der A661. So müssen Baulaster nicht durch Borsigallee, Erlenbruch, Ratsweg oder Wächtersbacher Straße fahren.

Die zu fällende Waldfläche fällt übrigens kleiner aus, als sie 2007 genehmigt wurde. Schon seit 2017 prüft die Autobahn-GmbH, wie sie die neue Anschlussstelle Borsigallee in abgespeckter Form bauen kann. Das solle Geld sparen, worauf der Bund dränge, räumt Heiko Schmidt ein. Zuletzt war klar geworden, dass die auf 477 Millionen Euro geschätzten Baukosten wegen der allgemein gestiegenen Baupreise inzwischen bei mehr als 600 Millionen liegen.

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Die Änderungspläne für die Anschlussstelle sind nun so weit gediehen, dass sie nächstes Jahr ins Genehmigungsverfahren gehen können, kündigen die Planer an. Statt eines massiven Betonbauwerks mit Verkehr auf drei Ebenen wie am Dreieck Erlenbruch solle nur eine einfache Ausfahrt in Form einer Trompete gebaut werden, sagt Steffen Rütenfrans, Sprecher der Autobahn-GmbH. Dafür ist nur eine einzige Brücke über die Autobahn nötig.

Das Park+Ride-Parkhaus sollen Autofahrer weiter direkt von der A66 her anfahren können. Um wie viel die Variante günstiger sei, lasse sich wegen der zwischenzeitlich stark gestiegenen Baupreise nicht exakt beziffern, sagt Heiko Schmidt. Wichtiger Vorteil der klassischen Lösung: Die Auffahrtspange Richtung Hanau, die im Wald gelegen hätte, entfällt. Im Gegenzug werden westlich davon zwar etwas mehr Flächen benötigt. Sie liegen allerdings außerhalb des Waldes. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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