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„Bürgerbeteiligung sieht anders aus“: Anwohner erzürnt Pläne für Europäische Schule

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Von: Katja Sturm

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Die Pläne für den Bau der Europäischen Schule auf dem Festgelände der Dippemess sorgen bei der Nachbarschaft weiter für Ärger.

Frankfurt - Esther Popp fühlt sich „überrumpelt“. Die Frankfurterin, die an der Kettelerallee wohnt, hielt den Grüngürtel bislang für „unantastbar“. Dass die Europäische Schule auf dem bisherigen Festplatz am Ratsweg gebaut werden könnte, obwohl dafür 44 Kleingärten weichen müssten, die Teil des Landschaftsschutzgebietes sind, dafür hat sie kein Verständnis.

Am Dienstag tat sie ihre Kritik, mit der sie nicht alleine steht, bei der Sitzung des Ortsbeirates 4 im Zoogesellschaftshaus kund. Die Anwohner am Bornheimer Hang würden zunehmend belastet. Der Neubau einer Schule mit 2500 Schülern würde ihnen den gleichen Rummel wie die Dippemess bescheren, nur dass sie diesen dann an jedem Werktag hätten. „Die Infrastruktur stößt am Festplatz sowieso schon an ihre Grenzen“, sagte Popp. U-Bahn und Straßen seien überlastet. Sie könne nicht nachvollziehen, warum die Stadt einen solchen Plan hege, ohne mit den Leuten vor Ort zu sprechen. „Bürgerbeteiligung sieht anders aus“, pflichtete eine weitere Betroffene bei.

Frankfurt: Ratsweg ein Filetstück

In die gleiche Kerbe schlug Oliver Lang, der Vorsitzende des Regionalverbands der Kleingärtner, der früher schon dazu geraten hatte, die Schule auf der Fläche am Kaiserlei zu errichten, die lange einer Multifunktionsarena vorbehalten war. Diese Idee hätte zudem den Vorteil, dass die Schule sich dann auf der gleichen Seite der Autobahn 661 wie die Europäische Zentralbank (EZB) selbst befinden würde, was im Sinne der dort arbeitenden Eltern wäre, für deren Kinder der Neubau vorgesehen ist.

Volker Wolf von der SPD erklärte, dass das für weiterführende Schulen zuständige Regierungspräsidium Darmstadt diesen Standort nicht genehmigen würde. Als Grund dafür gilt der Fluglärm an dieser Stelle. Man müsse überlegen, an welchem Standort es die geringsten Einschränkungen geben würde. Die Stadt sei auf jeden Fall in der Pflicht, die Schule zu bauen, sonst hätte sie die EZB nicht bekommen.

„Was habe ich davon?“, fragte Popp. Man müsse vor derartigen Zusagen eben nachdenken, ob man das Gewünschte liefern kann, und nicht im Nachhinein die eigenen Bürger benachteiligen. Nur weil sich die EZB mit ihrer Machbarkeitsstudie zu einem Neubau am Ratsweg das „Filetstück“ herausgesucht habe, müsse sie es doch nicht auch bekommen.

Wo aktuell noch die Dippemess steigt, soll eventuelle ein Neubau für die Europäische Schule entstehen.
Wo aktuell noch die Dippemess steigt, soll eventuelle ein Neubau für die Europäische Schule entstehen. © picture alliance/dpa

„Viele Städte in Europa haben sich die Finger danach geleckt, die EZB zu sich zu holen“, sagte Ulrich Labonté von der SPD. Nach Standorten für Schulen suche man seit 15 bis 20 Jahren, aber der Boden sei immer teurer und die Situation dadurch schwieriger geworden. Die Dippemess müsse nicht zwingend dort bleiben, wo sie jetzt gefeiert wird.

Frankfurt: Schule wäre täglich mit einem Aufkommen von 1000 Fahrzeugen verbunden

Pearl Hahn von den Linken sieht für die nicht einfache Grundstückssituation die Schuld bei der Stadt selbst, die in den vergangenen Jahren Boden verkauft habe. „Wir als Partei haben uns immer dagegen ausgesprochen“, erinnerte sie.

Bodo Pfaff-Greiffenhagen, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Stadtteilparlament, erklärte, dass sich aus einer Lösung für die Schule am Ratsweg „sechs, sieben neue Probleme ergeben würden“. So dürfe mit einem möglichen Bau dort nicht angefangen werden, bevor feststeht, ob das Rebstockgelände als neuer Festplatz infrage käme. „Dazu gibt es noch keine belastbaren Informationen“, sagte Pfaff-Greiffenhagen.

Er selbst sehe die Schule noch nicht, und wenn, dann werde es „Jahrzehnte“ bis dahin dauern. Die Bedenken der Bürgerin, die die Diskussion an dem Abend angestoßen hatte, bestätigte er insofern, dass eine Schule am Ratsweg jeden Morgen mit einem Aufkommen von 1000 Fahrzeugen verbunden wäre.

Sabine Rosenthal, die als Vertreterin des Ortsvorstehers die Diskussion leitete, fasste am Ende noch einmal zusammen: Bislang sei in der Sache nichts entschieden. (Katja Sturm)

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