Bekannt wegen seines Türkischen Film-Festivals, nun erstmals Stadtverordneter: Sozialdemokrat Hüseyin Sitki.
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Bekannt wegen seines Türkischen Film-Festivals, nun erstmals Stadtverordneter: Sozialdemokrat Hüseyin Sitki.

Neu im Fraknfurter Römer

Festivalmacher macht Politik

  • Thomas Remlein
    VonThomas Remlein
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SPD-Routinier Hüseyin Sitki, der sich seit Jahren für türkisches Kino stark macht, freut sich auf das junge Stadtparlament.

Frankfurt -Auf dem Regal in Hüseyin Sitkis Dienstzimmer stehen ein Reihe von Figuren: ein lachender Buddha aus Jade, eine aus Holz geschnitzte bemalte Giraffe aus Kenia, ein getöpferter Bäcker aus dem Kaukasus. Es sind Souvenirs von Studenten, denen der 59-Jährige geholfen hat.

Sitki arbeitet seit 1992 für die internationale Studierendenberatung der Goethe-Universität. Mittler zwischen den Kulturen zu sein ist ihm ein Anliegen, das ihn jetzt auch in die Stadtverordnetenversammlung gebracht hat. Er kandidierte auf Platz 9 der SPD-Liste und wurde dann auf Platz 13 gewählt. Vorgeschlagen hatte ihn der Ortsverein Bockenheim I, aber auch Oberbürgermeister Peter Feldmann und der Frankfurter SPD-Chef Mike Josef hatten um seine Kandidatur geworben.

Ein Neuling im Stadtparlament mit 59 Jahren? Das hört sich nach einer späten Karriere an. Doch Sozialdemokrat ist Sitki schon seit 37 Jahren. Und die politische Arbeit kennt er aus der Kommunalen Ausländervertretung (KAV), deren Mitglied er von 1991 bis 2001 war und von 2001 bis 2005 sogar deren Vorsitzender. Geboren in der Nähe von Ankara, studierte Sitki einst selbst an der Goethe-Uni. Als 18-Jähriger kam er nach dem Abitur 1979 nach Frankfurt. Die ersten Jahre nutzte er, um die deutsche Sprache und Kultur kennenzulernen. 1984 begann er das Studium der Germanistik und Gesellschaftswissenschaften, das er 1992 abschloss. "Es war schwierig, weil ich ohne staatliche Unterstützung auskommen musste." Finanziert hat er sein Studium in einer Reinigungsfirma, als Kellner und in der Hausaufgabenhilfe. "Ich musste mich durchboxen. Es hat mich stark gemacht, alles selbstständig auf die Beine zu stellen."

Auf die Beine gestellt hat er auch das Türkische Filmfestival. Dazu gründeten er und seine Mitstreiter 2000 den Verein "Transfer zwischen den Kulturen". Vereinszweck ist die Ausrichtung des Türkischen Film Festivals, bei dem rund 40 Beiträge gezeigt werden. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2020 musste das Festival im November abgesagt werden. Es zählt bis zu 6000 Besucher. In diesem Jahr sollte es im Juni stattfinden, Sitki hofft, es im Oktober oder November organisieren zu können. Zu den Unterstützern zählen Reiseunternehmen, Frankfurts Taxiruf 23 00 01, Caterer und Reiseunternehmen. Allesamt Firmen, die von der Corona-Krise besonders gebeutelt wurden. "Es geht vielen Firmen nicht gut. Ich habe mich nicht getraut, sie anzuschreiben", sagt er offen. Dennoch soll das Festival in diesem Jahr stattfinden, mit einem Freund will er die Infrastruktur für eine hybride Variante schaffen, falls bis dahin noch Zuschauereinschränkungen herrschen. Gleichwohl ist der herzliche und freundliche Mann kein Freund digitaler Formate, da er persönliche Begegnungen über alles schätzt.

Im Stadtparlament will er sich bei der SPD um einen Platz im Kultur- sowie im Ausschuss für Bildung und Integration bewerben. "Da kann ich meine Vorstellungen einbringen", sagt er. "Kultur und Bildung laufen ohnehin ineinander." Ein Anliegen ist ihm auch das kommunale Wahlrecht für Ausländer. Darüber wird allerdings nicht in Frankfurt, sondern in Berlin entschieden. Der einfachste Weg für Ausländer, das Wahlrecht zu erhalten, ist die Einbürgerung. Sie ist in Deutschland so einfach wie in wenigen Ländern der Welt. Sitki hat diesen Schritt Anfang 2000 vollzogen.

Am neuen Stadtparlament schätzt er, dass in allen Parteien viele junge Neulinge am Werk sind. Die Mehrheit, nämlich 47 der 93 Stadtverordneten, hat erstmals ein Mandat im Plenarsaal. Sitki ist überzeugt: "Die werden einen neuen, progressiven Akzent setzen." thomas Remlein

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