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In die alte Zeit zurückversetzt konnte sich fühlen, wer am Samstag diese U-Bahn durch die Straße fahren sah.

Wiedereröffnung der Linie

Ein Festtag für die U 5

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  • Christian Scheh
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Nach monatelangen Bauarbeiten an Hochbahnsteigen ist am Wochenende die Wiedereröffnung der U-Bahn-Linie U 5 gefeiert worden. Dabei gingen auch historische Züge auf die Strecke.

Stelzenläufer an den neuen Hochbahnsteigen, Akkordeonmusik in den U-Bahn-Zügen, Spiele und Preise – beim „U 5-Tag“, mit dem die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) nach monatelangen Bauarbeiten die Wiedereröffnung der Linie U 5 feierte, gab es am Samstag manches, worauf die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) im Alltag verzichten müssen. Zu den Feierlichkeiten gehörten auch U-Bahnen und Züge, die auf der Strecke an den neuen Hochbahnsteigen – Stationen Musterschule und Glauburgstraße – sonst nicht verkehren.

Zu diesen zählten auch Solowagen des Typs „U2“, der seit dem Jahr 1968 das Rückgrat der Frankfurter U-Bahn bildete, seit 2008 aber Stück für Stück durch die modernen „U5“-Typen ersetzt wurde. Obwohl schon ein paar Jahre außer Betrieb, waren die ausgemusterten Gefährte für erwachsene Frankfurter noch ein vertrauter Anblick. Die neuesten U-Bahn-Züge kommen nicht bei jedem gut an: „Sorgen macht mir das Quietschen“, sagt Karin Guder (Grüne), Ortsvorsteherin im Nordend, und berichtet von zahlreichen Anwohnerbeschwerden. Der VGF ist das Problem bekannt, sie will nachbessern.

Dass auf der Strecke überhaupt moderne U-Bahnen fahren können, ist auch der Initiative „Rettet die U5“ zu verdanken. Die hatte sich gegründet, als darüber diskutiert wurde, die Linie in eine für die Straßenbahn umzuwandeln. Dann hätte auf den Bau großer Hochbahnsteige verzichtet werden können. Mehr als 19 Millionen Euro in die Stationen Musterschule und Glauburgstraße zu stecken, war umstritten.

Es war die Idee der Initiative, die Bahnsteige nicht als massive Barriere in der Mitte der Straße, sondern in Seitenlage zu bauen. Der Vorschlag, die Gleise tieferzulegen, wurde in der offiziellen Planung zwar nicht aufgegriffen, doch Jörg Gaudl, einer der Mitstreiter in der Initiative, ist mit dem Ergebnis zufrieden. „Es ist sehr schön geworden.“ Markus Söllner hebt die gute Zusammenarbeit mit Politikern aller Parteien hervor.

Zufrieden mit dem Ergebnis der Bauarbeiten ist Robert Lange (CDU), Vorsteher im Ortsbezirk 10 und damit zuständig für die am nördlichen Ende der U 5 liegenden Stadtteile Eckenheim und Preungesheim. „Es wäre ein Fehler gewesen, eine Straßenbahn aus dieser Linie zu machen“, sagt er. „So können wir jetzt mit Drei-Wagen-Zügen fahren und haben ein leistungsfähiges ÖPNV-Angebot.“

Verhindert hätte das beinahe der Ortsbeirat 3 (Nordend) mit seinem anhaltenden Widerstand gegen die Hochbahnsteige. Noch heute hätte Ortsvorsteherin Guder (Grüne) lieber eine Straßenbahn, ist aber froh, dass die VGF zu Zugeständnissen bereit war, was die Gestaltung der Stationen betrifft.

„Es ist toll geworden“, findet auch der frühere Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne), in dessen Amtszeit mit dem Bau in diesem Frühjahr begonnen wurde. Dass der von der VGF genannte Zeitplan nicht eingehalten würde, habe er damals schon geahnt, verriet Majer. Mit drei Wochen Verzögerung habe er gerechnet. Am Ende wurden es sechs Wochen, und viele Arbeiten sind immer noch nicht erledigt.

Bei den Anwohnern im Nordend kommen die neuen Haltestellen nicht nur gut an, weil sie jetzt leichter in die U-Bahn einsteigen können. Ein junger Mann, der an der Eckenheimer Landstraße wohnt, hat auch eine andere Verbesserung festgestellt: „Es ist jetzt viel ruhiger hier, weil in der Straße nicht mehr so viele Autos fahren.“

(mu,chc)

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