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Jochen Lüdering und Christian Bieniek gießen eine Eberesche an der Riedhalstraße.

Hitzewelle

Feuerwehren rücken aus, um junge Bäume zu retten

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Der Hilferuf wurde erhört: Zurzeit rücken Frankfurts Freiwillige Feuerwehren aus, um im ganzen Stadtgebiet junge Bäume zu wässern. So sollen dauerhafte Schäden verhindert werden. Die Bitte dazu kam aus dem Umweltdezernat, denn Grünflächenamt und Firmen kommen beim Gießen nicht mehr hinterher.

Die Wiese an der Riedhalsstraße ist braun. So wie die meisten öffentlichen Grünflächen der Stadt. Nur im Schatten der Bäume ist das Gras noch nicht verdorrt oder gar ganz verschwunden.

Jochen Lüdering und Christian Bieniek von der Freiwilligen Feuerwehr Harheim rollen den Schlauch aus, dann heißt es: Wasser marsch! Aber nicht, um einen Brand zu löschen: So wie ihre Kollegen der anderen 27 freiwilligen Wehren der Stadt folgen sie einer Bitte des Umweltdezernat. Denn die Bäume der Stadt leiden unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit und drohen, dauerhafte Schäden davonzutragen. Um sie zu retten, rücken die Floriansjünger nun im ganz Stadtgebiet aus.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) habe den Sicherheits- und Feuerwehrdezernenten Markus Frank (CDU) gebeten, beim Wässern der Bäume zu helfen – und der habe die Bitte an die Branddirektion weitergereicht, erklärt Feuerwehrsprecher Andreas Mohn. „Weil die Berufsfeuerwehr aber für Notfälle bereits stehen muss, haben wir die Bitte an die Freiwilligen Wehren weitergeleitet – und alle haben sofort ihre Hilfe zugesagt.“

Rund 1200 Liter fasse der Tank des Löschfahrzeugs, erklärt Wehrführer Stefan Kämper. „Das ist reines Trinkwasser, denn wir müssen auch vorbereitet sein, im Notfall Menschen mit frischem Wasser zu versorgen.“ Der Schlauch im Heck des Fahrzeuges ist 50 Meter lang, das reicht um alle Bäume zu erreichen. „Wenn der Tank leer ist, füllen wir ihn eben auf und fahren noch einmal los.“ Um 19 Uhr beginnt der Einsatz, zusammen mit den Landwirten Axel Schmidt und Michael Baltes am Alten Kirchplatz im Ortskern. „Weil die Vogelsberger schon geschimpft haben, dass die Frankfurter ihr gutes, aus dem Vogelsberg stammendes Wasser zum Gießen der Bäume einsetzen, haben wir unser eigenes Wasser mitgebracht“, sagt Axel Schmidt. Er hat nicht nur eine große Zisterne, die von 600 Quadratmetern Dachfläche das Regenwasser auffängt, sondern auch einen eigenen Brunnen. Schmidt ist mit einem großen Anhänger am Trecker angerückt, der 12 000 Liter fasst, Baltes Hänger fasst weitere 4000 Liter.

„Man sieht den Bäumen ja schon hier am Kirchplatz an, dass es ihnen nicht gut geht“, sagt Stadtbezirksvorsteher Diethardt Fries und zeigt auf die Kronen der jungen Bäume, die bereits kahl sind. Und so beschließen sie, auch hier die Bäume zu wässern, obwohl sie nicht auf der Liste des Grünflächenamts stehen: Die Feuerwehr wässert die Bäume mitten auf dem Platz, Axel Schmidt jene entlang der Straße. Dann trennen sich ihre Wege: Schmidt versorgt zusammen mit Tochter Marie (12) die Bäume in der Philipp-Schnell-Straße, Baltes jene in der Maßbornstraße und die Feuerwehr fährt zur Riedhalsstraße.

Dabei sind die Harheimer nicht die einzigen, die an diesem Abend ausgerückt sind: Die Berkersheimer Wehr ist an der Friedberger Warte unterwegs, ganz im Süden ihres Einsatzgebiets. Ihre Kollegen aus Bonames posten erste Bilder von ihrem Einsatz über Facebook im Internet. „Auch die Kollegen in Nieder-Erlenbach, Seckbach und Fechenheim waren bereits im Einsatz, die haben mir Fotos geschickt“, sagt Mohn. Einen kompletten Überblick habe er aber nicht.

Koordiniert wird die Aktion von der Abteilung Grünflächenunterhaltung des Grünflächenamts. „Wir haben einen genauen Tourenplan aufgestellt, wer wann wo welche Bäume wässert“, sagt deren stellvertretender Leiter, Christian May. Sind doch neben den Feuerwehren nicht nur fast sämtliche Mitarbeiter des Amts sowie „alle Drittfirmen, die wir damit beauftragen konnten“, im Gießeinsatz. Außerdem hilft die FES mit einem 10 000-Liter Tankwagen aus. „Alle zehn bis zwölf Tage soll jeder Baum 100 bis 150, manchmal auch 200 Liter bekommen.“ Nur die Wehren im Westen rückten noch nicht aus: Ihr Tourenplan ist noch in Arbeit.

Nicht alle Bäume werden versorgt, erklärt May. Wasser bekommen all jene Bäume, die weniger als zehn Jahre stehen. „Junge Bäume haben noch kein so ausgeprägtes Wurzelwerk wie ältere. Daher können sie sich bei dieser Hitze, in der viel Wasser verdunstet, nicht so viel aus dem Boden ziehen wie ältere. Die wirklich schlimmen Schäden sehen wir erst in ein, zwei oder noch mehr Jahren.“ Deshalb bittet May auch die Bürger, den Bäumen vor ihrer Tür „mal eine oder zwei Gießkannen“ zukommen zu lassen. Unterdessen warnt das Umweltdezernat, dass durch die Trockenheit die Gefahr von Astbruch steigt, und rät Spaziergänger zu besonderer Aufmerksamkeit.

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