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„Frohe Weihnachten“ steht auf dem Bild im FFH-Studio im Bad Vilbeler Funkhaus. Zum 30. und letzten Mal übernimmt dort heute der Chef, Hans-Dieter Hillmoth, die Weihnachtsmoderation. Im Sommer geht er in Rente.

Nach knapp 30 Jahren ist Schluss

FFH Geschäftsführer Hans-Dieter Hillmoth moderiert zum letzten Mal die Weihnachtssendung

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Aus dieser Nummer kam er fast drei Jahrzehnte nicht mehr raus: Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer des privaten Radiosenders FFH, moderiert seit 1989 die "Weihnachtssendung". Doch heute wird er zum letzten Mal Hörer in besinnliche Stimmung versetzen. Seine Frau freut's.

„Beschaulich, friedlich“, nennt FFH-Chef Hans-Dieter Hillmoth (65) „seine“ Weihnachtssendung. Und wenn er das so sagt in seinem großen, hellen Büro des Funkhauses am Festplatz Bad Vilbel, kommt er trotz ziviler Kleidung äußerst glaubhaft als „Weihnachtsmann“ rüber, denn seine Stimme ist tief, sonor. „Jaja, die passt zu Weihnachten“, weiß er. Und feixt: „An Silvester kann man die nicht gebrauchen, da ist mehr Party gefragt.“

Bereits seit fast 30 Jahren, genauer seit 1989, moderiert der Chef des privaten Radiosenders die „Weihnachtssendung“ von 17 bis 24 Uhr. Heute tut er’s tatsächlich zum letzten Mal, geht er doch im Juni 2019 mit „dann exakt 66-einhalb Jahren“ in den Ruhestand. Die Gesellschafter der Radio/Tele FFH haben Marco Maier (46) bereits zu seinem Nachfolger als Geschäftsführer der Radio/Tele FFH berufen. Maier ist Geschäftsführer beim Thüringer Privatradio-Marktführer Antenne Thüringen mit Sitz in Weimar.

„Ein Zeichen setzen“

Wie fand Hans-Dieter Hillmoth seine Rolle als „Radio-Weihnachtsmann“? „Die Idee dazu entstand zu Beginn von Hit Radio FFH“, erzählt er, zuppelt seinen hellblauen Pullover zurecht und nimmt einen Spekulatius zum Kaffee; er achtet auf seine Linie. „Damals waren wir noch in Rödelheim, kaum zwei Monate auf Sendung. Ich wollte ein Zeichen setzen, dass Weihnachten für die Mitarbeiter schön wird und sie das Fest mit ihren Lieben und der Familie verbringen können. Also sagte ich großspurig zu, dass ich moderieren könne“, sagt er lächelnd: „Erst später wurde mir klar, wie viel Arbeit tatsächlich damit verbunden ist. Ich arbeite ja sonst eher hinter den Kulissen.“

Die „Weihnachtssendung“ unterscheidet sich sehr vom normalen Programm des Radiosenders. „Wir spielen Musik, die wir sonst niemals spielen würden. Das funktioniert aber nur an diesem besonderen Tag“, erklärt Hillmoth. „Da werden selbst die Härtesten weich. Bereits am ersten Weihnachtsfeiertag ist das schon wieder anders. Klassiker werden dann mit neueren Weihnachtsliedern gemischt.“

Seine Moderation hält er an Heiligabend bewusst einfach. Das heißt, er spricht nicht viel, die Musik steht im Vordergrund. „Selbst Nachrichten gibt es in der Zeit von 17 bis 24 Uhr nicht, nur die Verkehrshinweise.“ Traditioneller Auftakt der Sendung ist das Frankfurter Stadtgeläut. Auch die Einspieler laufen getreu dem Motto „Alle Jahre wieder“: Moderatoren lesen Auszüge aus der Weihnachtsgeschichte vor, Grüße werden vorgelesen, diesmal etwa von der Krimiautorin Nele Neuhaus, der Sängern Sarah Connor, dem Kasseler Bischof Martin Hein oder Ministerpräsident Volker Bouffier.

„Wir bieten ein beschauliches, friedliches Programm“, erklärt Hillmoth. Viele Hörer genießen das Programm zur Bescherung, zum Essen oder auf dem Weg zum Gottesdienst. „Für die meisten gehört die Sendung am 24. einfach dazu, sie ist Tradition geworden.“

Hillmoth bereitet sich immer penibel auf die Sendung vor. „Da wird das Studio von der Technik schon mal durchgewischt und abgestaubt“, scherzt er. Doch diesmal ist er tatsächlich etwas nervöser als sonst, weil der Sender kürzlich die Studiotechnik aus dem Jahr 2001 gegen eine neue für rund 2 Millionen Euro ausgetauscht hat. „Da muss ich noch einmal ein wenig an den Reglern spielen“, sagt er.

Die Vorarbeiten sind getan, sagt Hillmoth und wedelt kurz mit einer Excel-Liste voller Musiktitel. „Früher musste man ja noch Platten zusammensuchen, dann kamen die CDs, heute haben wir die Stücke natürlich alle auf dem Rechner. Ich stelle mir eine Liste mit den ersten 20 Liedern zusammen, danach improvisiere ich nach Gefühl.“ Er kümmert sich während der Sendung um die Moderation und Musikauswahl sowie die E-Mails der Hörer, während ein Kollege den Rest übernimmt. „Für mich ist das aber nicht entspannend, schließlich mache ich das nicht jeden Tag. Irgendetwas ist immer zu tun.“ 

Meteoriten-Stress

Er hofft nur, dass „nichts Besonderes passiert“ an diesem Festtag. Und erinnert sich, als „vor Jahren angeblich ein Meteorit über Hessen hinweggebraust ist“. Da riefen etliche Hörer an, bis sich herausstellte, dass es sich nur um sowjetischen Raketenschrott gehandelt hatte. Am schlimmsten war es 1996, als eine geistig verwirrte Frau in einer Sindlinger Kirche Handgranaten zündete und sich selbst und zwei Frauen tötete. „Das war schrecklich“, sagt Hillmoth leise.

Pflegt er Rituale an „seinem“ Moderationstag? Natürlich. Seine Mutter, 91, gebürtig aus einem 300-Seelen-Dorf nahe Breslau, reist aus ihrem Wohnort Münster (dort erblickte er ja das Licht der Welt) an und wird mit ihm und seiner Frau Ursula zu Hause in Wehrheim ein festliches Mittagsmahl genießen, eine Art Weißwurst mit einer besonderen Soße aus Lebkuchen, Mandeln und Rosinen, Sauerkraut und Kartoffeln. Darauf freut er sich. Und dann muss ich ja schon langsam los. 

Blieb er schon mal im Schnee stecken, auf dieser Strecke aus dem Taunus? „Nein, gottseidank. Aber einmal musste ich doch wegen viel Neuschnees das Auto unten an der Straße stehen lassen und nach Hause stapfen. Meine Frau hatte schon gestreut, aber es nützte nix.“ A propos Gattin: Sie ist froh, dass er das letzte Mal die Sendung moderiert. „Wir haben keine Kinder, aber sie hätte es gerne, wenn ich mal an Weihnachten zu Hause wäre. Sie war einmal mit im Studio, aber das war ihr zu hektisch“, erzählt er.

Wenn er um Mitternacht zu Hause ist, wird er Alexa befehlen Weihnachtslieder vom FFH-Weihnachtsradio im Internet zu spielen, bei einem bayerischen Bier und einigen Dominosteinen entspannen und sich auf den ersten Feiertag freuen. Dann geht’s in die katholische St. Marien-Kirche in Bad Homburg.

Hat er eigentlich ein Lieblingsweihnachtslied? „Ja, das ist Silent Night/Stille Nacht von Sinead O’Connor, eine tolle Interpretation.“ Und wie wird er Weihnachten im kommenden Jahr verbringen? „Wer weiß, vielleicht erfülle ich mir endlich einen Traum und feiere in einer einsamen Hütte in den verschneiten Bergen.“ Natürlich bei weihnachtlicher Musik.

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