1. Startseite
  2. Frankfurt

Sparkasse 1822 schließt 17 Filialen in Frankfurt - „Fatale Folgen“

Erstellt:

Von: Thomas J. Schmidt

Kommentare

Die Sparkasse dünnt ihr Angebot in den Stadtteilen von Frankfurt aus, die Volksbank investiert in Modernisierung - allerdings auf deutlich niedrigerem Filialniveau.

Frankfurt - Das Sterben der Bankfilialen in Frankfurt geht weiter. Am 1. Oktober hat die Filiale der Sparkasse 1822 in Nied geschlossen. Am 23. Dezember, so die Planungen, wird die 1822er auch in Sindlingen dicht machen, im kommenden Jahr in Sossenheim.

17 von 45 Filialen schließt die Sparkasse, ein Prozess, der bereits 2021 begonnen hat. Demgegenüber steht die Volksbank, die gerade erst beschlossen hat, ihre Filialen in der Region für 7 Millionen Euro zu modernisieren. Allerdings hat sie auch nur 16 Filialen und 20 Selbstbedienungsfilialen im Stadtgebiet. Schließungen sind dort derzeit nicht geplant.

Sparkasse hat weiterhin Frankfurts dichtestes Filialnetz

„Wir haben nach wie vor das dichteste Filialnetz in Frankfurt“, sagt Sparkassen-Sprecher Dennis Vollmer. Insgesamt betreibt die 1822 neben den Niederlassungen noch 28 Selbstbedienungsfilialen. Also zum Teil ehemalige Filialen, in denen noch Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker stehen. Die Schließungen seien unumgänglich, weil das Verhalten der Kunden sich in Richtung Online-Banking geändert habe. „Wir können nicht Filialen betreiben, die dann nicht besucht werden“, sagt Vollmer. Auf der Streichliste stehen bis Ende 2024 noch die Filialen in Sindlingen, im Reuterweg, im Skyline-Plaza, in Sossenheim, im Nordend, in Praunheim, Ginnheim und Nieder-Eschbach.

Logo der Sparkasse
 „Wir können nicht Filialen betreiben, die dann nicht besucht werden“, heißt es bei der Sparkasse in Frankfurt. (Symbolbild) © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Yannick Schwander (CDU), Ortsvorsteher in Nieder-Erlenbach, ärgert sich: „Die Stadt kann seit dem Verkauf der 1822-Anteile nicht mehr mitbestimmen, wo eine Filiale schließt.“ In Nieder-Erlenbach gibt es schon länger keine Sparkasse mehr, nur noch eine SB-Stelle. „Wir haben Angebote gemacht. Wir haben vorgeschlagen, dass ein Bankbus kommen soll, einmal in der Woche wenigstens. Oder vielleicht, wie im Taunus, eine gemeinsame Filiale mit der Volksbank. Doch bei der Sparkasse steht dies nicht auf dem Programm“, kritisiert Schwander.

Gespräch zwischen Frankfurter Magistrat und Bank ergebnislos

Ähnlich ergebnislos verlief ein Gespräch des Magistrats mit der Bank, das der Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) angeregt hatte. Ortsvorsteher Johannes Lauterwald (Grüne) zufolge soll die Filiale in Praunheim 2024 schließen. Ende März bereits hat die Sparkasse Hausen verlassen. Der Ortsbeirat klagt: „Gerade für Senioren, die aufgrund von Mobilitätseinschränkungen und Schwierigkeiten beim Online-Banking auf einen direkten Ansprechpartner vor Ort angewiesen sind, hat die Schließung der Filialen fatale Folgen.“ Die am nächsten gelegenen Standorte Nordwestzentrum oder Radilostraße in Rödelheim seien nur schwer zu erreichen, die Filiale in Praunheim sei zentraler Anlaufpunkt.

In Nieder-Eschbach ist die Volksbank noch vertreten, doch die Sparkassen-Filiale wird im nächsten oder übernächsten Jahr schließen. Die Seniorenbeauftragte der Stadt, Renate Sterzel, eine Nieder-Eschbacherin, berichtet: „Die Sparkasse ist nur noch eingeschränkt geöffnet, da sind dann immer lange Schlangen. Es sind ja oft kompliziertere Angelegenheiten, die einige Zeit beanspruchen. Etwa, wenn jemand geheiratet hat und nun einen anderen Namen hat.“ Wenn die Bank ganz weg ist, müssen nicht nur Senioren, sondern alle, die irgendeine kompliziertere Angelegenheit auf dem Herzen haben, nach Bonames fahren. „Vieles kann man ja per Internet-Banking regeln, aber ich finde es eine Altersdiskriminierung, wenn man ohne Computer und ohne Internet-Anschluss praktisch nicht mehr seine Bankangelegenheiten regeln kann. Das ist, als würde man den Senioren ihre Geschäftsfähigkeit absprechen.“

Sparkasse schließt Filialen: Unterschriftensammlung in Frankfurter Geschäften

Sterzel hat, gemeinsam mit Yannick Schwander und Kristina Luxen, SPD-Stadtverordnete aus Harheim, eine Unterschriftensammlung gestartet und bislang etwa 1000 Unterschriften gegen die Filialschließungen gesammelt. „Das ist mühsam. Wir überlegen, ob wir es auch über die sozialen Medien publizieren sollten“, sagt Luxen. Bislang liegen fotokopierte Unterschriftenlisten etwa in Geschäften aus. „Es sind ja überwiegend Senioren, die auf ihre Filialen angewiesen sind“, erklärt Luxen.

Ende März wurde die Sparkassenfiliale in Hausen geschlossen. FOTO: Judith Dietermann
Ende März wurde die Sparkassenfiliale in Hausen geschlossen. © Dietermann

Die Situation in Harheim sei angespannt - so wie andernorts auch. In Nied etwa gibt es nur noch eine Filiale der Sparda, alles andere ist weg. Senioren können sich Geld im Supermarkt auszahlen lassen. Doch wenn sie wirklich etwas persönlich besprechen müssen, bleiben nur Bus oder Taxi, um zur nächstgelegenen Filiale zu kommen.

Bei den Privatbanken ist es noch extremer. Ihr Filialnetz war nie so dicht wie das der Volksbanken und Sparkassen, und es wird weiter ausgedünnt. 2010 gab es laut Bankenverband bundesweit 37 719 Filialen, 2021 waren es noch 21 712. Zuletzt, von 2020 auf 2021, sank die Zahl der Filialen von 24 100 um gut zehn Prozent. Spitzenreiter bei den Filialen sind die Sparkassen mit 7732, gefolgt von Genossenschaftlichen Banken mit 7149 und den 5199 Filialen der Kreditbanken. Hinzu kommen etwa 1200 Filialen der Bausparkassen.

Frankfurter Volksbank baut „Filialen der Zukunft“

Die Volksbank Frankfurt/Rhein-Main setzt den Umbau ihrer Geschäftsstellen in „Filialen der Zukunft“ fort. Der Aufsichtsrat des Kreditinstituts, das zu den größten Genossenschaften in Deutschland zählt, hat jüngst ein Budget von sieben Millionen Euro für die Modernisierung von 14 weiteren Filialen in Frankfurt, dem Hochtaunuskreis und dem Main-Taunus-Kreis, Hanau und Bad Vilbel genehmigt. Bis Ende 2024 sollen 30 Zweigstellen entsprechend umgewandelt worden sein.

Die ersten Filialen des neuen Typs hat die Volksbank, die derzeit 96 Filialen mit Beratung betreibt, vor knapp einem Jahr mit dem Umbau der Geschäftsstelle in der Zentrale an der Börsenstraße in der Frankfurter Innenstadt und der Zweigstelle an der Schweizer Straße in Sachsenhausen geschaffen. Die Räume sollen heller und freundlicher wirken, für „eine Kommunikation auf Augenhöhe“ stehen. Schalter gibt es nicht mehr, Kunden tragen ihre Anliegen an einem großen Tisch vor. Allein in Frankfurt betreibt die Volksbank, wie sie auf Anfrage mitteilt, inzwischen sechs Filialen des neuen Konzepts. Umgewandelt wurden außer den oben genannten Geschäftsstellen Filialen in Rödelheim, Bockenheim, Bornheim und Schwanheim.

Der Umbau der Geschäftsräume in Höchst und Enkheim soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. In Bonames beginnen laut Volksbank noch in diesem Jahr die Arbeiten, in Griesheim Anfang kommenden Jahres. Das neue Konzept habe sich „innerhalb kürzester Zeit als Erfolgsformat für modernes Filialbanking etabliert“, sagt Vorstandchefin Eva Wunsch-Weber. Mit dem neuen Investitionsprogramm zeige die Volksbank: „Wir bleiben der persönliche Gesprächspartner. Diesen unschlagbaren Geschäftsvorteil gegenüber Fintechs oder Neobanken werden wir nicht aus der Hand geben.“ (Thomas J. Schmidt)

Auch interessant

Kommentare