Selbst ist die Frau: Sozialbezirksvorsteherin Ingeborg Wendel vor der vor anderthalb Jahren geschlossenen Filiale. Ein Zustand, den sie nicht so hinnehmen will. Deshalb hat Wendel eine Umfrage gestartet, zu der auch dieses Anschreiben gehört.
+
Selbst ist die Frau: Sozialbezirksvorsteherin Ingeborg Wendel vor der vor anderthalb Jahren geschlossenen Filiale. Ein Zustand, den sie nicht so hinnehmen will. Deshalb hat Wendel eine Umfrage gestartet, zu der auch dieses Anschreiben gehört.

„Unverhältnismäßig“

Bürger verärgert: Schließung von Sparkasse in Frankfurt führt zu Problemen

  • Friedrich Reinhardt
    VonFriedrich Reinhardt
    schließen

Die Sparkasse löst auch in Frankfurt Filialen auf. Von den Folgen betroffen sind vor allem Senioren ohne Online-Banking im Stadtteil Riederwald. Dort ist die Verärgerung groß.

Frankfurt – Die Sparkasse löst mehr und mehr ihre Filialen auf. Das teilte die Bank im Juni mit. Während jüngere Generationen problemlos mit dem Smartphone oder dem Heimcomputer ihre Überweisungen, Daueraufträge und Kontostände einsehen und bearbeiten können, schaut die ältere Generation ins Leere.

Das ist im Riederwald nicht anders. Hier ist bereits seit etwa eineinhalb Jahren die Sparkassenfiliale geschlossen – obwohl sogar eine Bürgerinitiative für die Sparkassen-Filiale in der Schäfflestraße kämpfte. Geblieben ist nur ein Geldautomat und ein Kontoauszugsdrucker, weiß Ingeborg Wendel. Um abzufragen, wie genau die Senioren die persönliche Beratung vor Ort vermissen, hat die Sozialbezirksvorsteherin in der AWO-Seniorenwohnanlage im Riederwald eine Umfrage gemacht.

„Unverhältnismäßig“: Nächste Sparkasse ist für Senioren aus Frankfurt-Riederwald weit weg

"In der Anlage sind 136 Wohnungen und die Rückmeldungen zu einer fehlenden Bankfiliale war insgesamt sehr negativ", fasst sie die Ergebnisse ihrer Umfrage kurz zusammen. Es sei deutlich, dass sich die Senioren wieder eine Präsenz der Sparkasse im Riederwald wünschen."

Gerade bei Überweisungen oder anderen Problemen sei man ohne Online-Banking im Riederwald aufgeschmissen, weiß die Sozialbezirksvorsteherin. "Ein Herr kommentierte im Fragebogen dazu, dass ihm nach der Schließung der Filiale nichts anderes übrig geblieben sei, als sich beim Online-Banking anzumelden. Dieses aber selbst zu bedienen, sei ihm allerdings nicht möglich, weshalb er auf Hilfe von Familienmitgliedern angewiesen ist." Zudem hätte der Kontoauszugsdrucker oft kein Papier zum Bedrucken mehr.

Viele Senioren würden nun den Weg in die nächstgelegenen Filialen in Bornheim und Enkheim antreten. "Dieser Aufwand ist natürlich vollkommen unverhältnismäßig und die Tickets für den Bus kosten auch nochmal Geld", weiß Ingeborg Wendel. "Deshalb hoffe ich, dass sich mittelfristig eine Lösung finden lässt."

Frankfurt-Riederwald: Verwirrung bei Senioren um Sparkasse-Filialen in anderen Stadtteilen

Auch in anderen Frankfurter Stadtteilen gibt es Probleme ähnlicher Art, weshalb sich die Sozialbezirksvorsteherin nun umhören möchte, damit großflächig eine Lösung gefunden werden kann. "Beispielsweise könnte eine Art Shuttlebus organisiert werden, der für die Senioren, die weit von der nächsten Filiale entfernt wohnen, zuständig ist", überlegt Wendel. "Das sind aber noch ungelegte Eier und nur erste Ideen."

Sie persönlich sei der Meinung, dass die Sparkasse eine andere Aufgabe habe, als klassische Banken und diese durch den Abzug der Filialen aus den kleineren Stadtteilen nicht nachkomme. "In Enkheim gibt es sogar zwei Filialen. In der Barbarossastraße und im Hessen-Center. Diese sind sehr nah beieinander, das wundert mich."

Um einen Überblick zu bekommen, wo genau es Sparkassenfilialen gibt, bietet sich die Filialsuche auf der Sparkassenwebseite an. In Offenbach, in der Grusonstraße im Ostend, in Bornheim Mitte, in Seckbach, im Hessen-Center und der Barbarossastraße in Enkheim werden die nächsten Filialen rund um den Riederwald angezeigt.

Geschlossene Sparkasse in Frankfurt-Riederwald: Vor allem Senioren bleiben außen vor

Ein Drittel aller Niederlassungen der Sparkasse sollen abgebaut werden, ließ die Sparkasse verkünden. 17 von 45 Filialen im Stadtgebiet betrifft das. Der Grund: Die Nachfrage nach Online-Banking und digitaler Beratung steigt immer stärker an und die Corona-Pandemie hat die Vor-Ort-Beratung auch nicht gerade beliebter gemacht. Eine nachvollziehbare Entscheidung, die schlicht der Nachfrage eines Großteils der Kunden geschuldet ist. Doch bleiben einzelne Gruppen damit außen vor, beispielsweise die Riederwälder Senioren.

Eine Anfrage dieser Zeitung zu der Sparkassenpräsenz rund um den Riederwald antwortet Bernd Jenne, Kommunikationsbeauftragter der Sparkasse Frankfurt, nur recht kurz. Allerdings stellt er klar, dass die Sparkasse gesprächsbereit und an Lösungen interessiert ist: "Für ein Gespräch mit der Sozialbezirksvorsteherin stehen wir jederzeit gerne zu Verfügung. Gerne kann sie sich mit ihrem Anliegen an uns wenden. Spätestens nach den Herbstferien werden wir uns mit ihr in Verbindung setzen." (msr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare