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2017 noch Gegner, künftig Kollegen bei der Frankfurter Eintracht: Kapitän David Abraham (links) und Hamburgs Filip Kostic

Eintracht Frankfurt

Filip Kostic: Ein alter Bekannter von Fredi Bobic als kurzfristige Unterstützung

Die Frankfurter Eintracht ist noch nicht bereit für den Start in die Liga. Weitere Verstärkungen werden gebraucht.

Ein Feuerwehrmann, hatte der schon nach knapp sieben Wochen Amtszeit sehr unglücklich wirkende Frankfurter Trainer Adi Hütter am Freitag noch gesagt, ein Feuerwehrmann sei er nicht. Viel mehr sei er ein Fußballlehrer, der „eine Mannschaft entwickelt“, und dazu benötige er Zeit. Einen Umbruch bewältige man „nicht von heute auf morgen“.

Nun ist es aber so, dass nach zwei ernüchternden Niederlagen, die vor allem durch das Zustandekommen höchste Bedenken im Frankfurter Umfeld ausgelöst haben, die Zeit eigentlich schon verdammt knapp geworden ist. Adi Hütter bleiben gerade noch vier Tage, um diese Mannschaft fit und „in die Spur“ für den Bundesligaauftakt beim SC Freiburg zu bekommen. Ein Unterfangen, das angesichts der zuletzt gezeigten Leistungen einer Mammutaufgabe gleicht. Zuletzt haben ja nicht einmal sieben Wochen Vorbereitung gereicht, um einen Viertligisten in die Schranken zu weisen. Am Sonntag gab es im Stadtwald bereits erhöhten Redebedarf, die sportliche Leitung analysierte hinter verschlossenen Türen den missglückten Auftakt. Denn natürlich hatte auch ihr, allen öffentlichen Beschwichtigungen zum Trotz, der jüngste Auftritt nicht gefallen.

Eintracht Frankfurt, da beißt die Maus keinen Faden ab, ist noch nicht bereit für den Start in die Liga. Die Mannschaft braucht dringend Hilfe, allein schafft sie es nicht. Und sie braucht kurzfristig Unterstützung. Das ist jetzt, da das Transferfenster gerade noch zehn Tage geöffnet ist, natürlich schwer. Eintracht Frankfurt benötigt aktuell Spieler auf wenigstens drei Positionen (auf dem Flügel, im defensiven und/oder offensiven Mittelfeld, womöglich auch noch auf der rechten Verteidigerposition).

Fürs erste haben sich die Hessen die Dienste des HSV-Angreifers Filip Kostic gesichert. Der schnelle Linksaußen wird für zwei Jahre bis 2020 ausgeliehen, plus anschließender Kaufoption. Wie viel der serbische WM-Fahrer dann kosten wird, ist nicht übermittelt. Er sei genau „der Spielertyp, den wir für unser Spiel brauchen“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner gestern. „Er ist technisch versiert, schnell und zielstrebig.“ Man sei überzeugt, dass der „gestandene Bundesligaspieler“ (Vorstand Fredi Bobic) dem Klub „schon bald helfen kann“.

Filip Kostic, den der HSV vor zwei Jahren für 14 Millionen Euro vom VfB Stuttgart verpflichtete und der damit der teuerste Einkauf in der Historie des Jetzt-Zweitligisten war, besitzt in Hamburg noch einen Kontrakt bis 2021. Die Eintracht hatte schon im Sommer, als Ante Rebic noch in Russland bei der WM spielte, ein Auge auf den schnellen Linksaußen geworfen, dann aber wieder Abstand genommen.

Kostic, den Vorstand Fredi Bobic und Kaderplaner Ben Manga 2014 einst von Groningen nach Stuttgart holten, hat bislang in der Bundesliga 120 Spiele absolviert, dabei 17 Tore erzielt und 18 aufgelegt. Der 25-Jährige ist nicht als eiskalter Vollstrecker bekannt, er ist eher einer, der mit seinen Sprints Löcher in die Hintermannschaft reißen kann. Bisweilen neigt er dazu, das Einzelspiel zu übertreiben. In der aktuellen Situation dürfte er einer sein, der die Eintracht weiterbringt. Immerhin kennt der Mann, anders als die vielen Frankfurter Neuerwerbungen, die Liga. Dummerweise ist er mit seinen beiden alten Klubs, dem VfB Stuttgart und dem HSV, jeweils abgestiegen. Dennoch dürfte er den Hessen vorerst guttun, zumal Ante Rebic nach Adduktoren-Beschwerden und Trainingsrückstand noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Der Kroate müsste dann allerdings auf den rechten Flügel ausweichen, das hat er bei der WM auch gespielt. Kostic ist mehr oder weniger ein klassischer Linksaußen. „Als WM-Teilnehmer bringt er weitere Erfahrung in den Kader“, sagte Bobic, „unsere Flexibilität wird sich durch Filip erheblich steigern.“ Pikanterie am Rande: Der Berater des Serben ist Fali Ramadani, der in der Branche einen Ruf wie Donnerhall genießt. Ramadani berät mittlerweile neben Kostic vier weitere Eintracht-Spieler, und zwar Rebic, Luka Jovic, Mijat Gacinovic und Taleb Tawatha.

Darüber hinaus wird man weiter nachlegen müssen, und womöglich den Investitionsrahmen sprengen, wie Sportdirektor Bruno Hübner andeutete. Denn die Krux ist, dass schon ordentlich Geld ausgeben wurde für Kicker, die die Mannschaft sofort nicht voranbringen: Bislang wurden rund 20 Millionen Euro ausgegeben (für Ndicka: 5,5 Mio., Torro: 3,5 Mio., Paciencia: 3,0 Mio, Rönnow: 3,0 Mio, Salcedo: 5,0 Mio, Leihgebühr Geraldes: 0,2 Mio. Euro, Müller, Wiedwald, Allan kamen ablösefrei). Eingenommen durch Spielerverkäufe wurden etwa zwölf Millionen Euro (Mascarell: 4,0 Mio., Wolf, 5,0 Mio:, Kovac-Brüder 2,2 Mio. Euro, Leihgebühr Barkok: 0,8 Mio).

So furchtbar viel Geld ist also nicht mehr vorhanden, besonders große Sprünge wird die Eintracht nicht machen können, weil eben etwa auch die Vertragsverlängerung von Rebic, der zu einem der Bestverdiener aufstieg, ins Geld ging. Natürlich erhoffen sich die Verantwortlichen weitere Einnahmen von Verkäufen aus der Trainingsgruppe II, wenn auch nicht mehr in dem Maße wie ursprünglich vorgesehen. Zumal man den Wert der eigenen Spielern nicht unbedingt in schwindelerregende Höhen treibt, wenn man sie öffentlich aussortiert – selbst wenn einige der Aussortierten immer noch besser sind als die, die bleiben dürfen. Eintracht Frankfurt wird sich also strecken müssen, einen Saisonfehlstart zu verhindern.

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