Gestapelte Geldmünzen auf Geldscheinen. Bargeld ist nach wie vor ein beliebtes Zahlungsmittel.	Foto dpa
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Gestapelte Geldmünzen auf Geldscheinen. Bargeld ist nach wie vor ein beliebtes Zahlungsmittel. Foto dpa

Kundgebung an der Hauptwache geplant

„Finger weg von unserem Bargeld“

„Es wird Zeit, dass wir die Gefahr, die von der geplanten und politisch gewollten Abschaffung des Bargelds ausgeht, auch im öffentlichen Raum deutlich und klar darstellen“, erklärt Steffen Schäfer, Mitbegründer der Initiative www.stop-bargeldverbot.de. Aus diesem Grund wird am 14. Mai die erste große Kundgebung der Initiative in Zusammenarbeit mit der Gruppe „Pro Bargeld“ Frankfurt stattfinden.

Eine neue Initiative namens „Pro Bargeld“ will am kommenden Samstag, 11 Uhr, eine Kundgebung an der Hauptwache veranstalten, um vor einer drohenden Bargeldabschaffung zu warnen. Indes befürchten Aktivisten aus dem linken Spektrum, dass damit ganz andere Ziele verfolgt werden.

Überwachung befürchtet

„Nur das Bargeld schützt die Bürger vor der totalen Überwachung durch den Staat (...) und ermöglicht es (ihnen) auch, sich dem Zugriff auf sein Vermögen, sei es durch Negativzinsen, Banken oder den Staat zu entziehen“, warnt „Pro Bargeld“ auf seiner Internetseite, und führt fort: „Ganz schnell könnte der Chip deaktiviert werden und dieser Mensch wäre nicht mehr fähig, am Wirtschaftsleben teilzuhaben.“ Befeuert werden die geschilderten Ängste durch die kürzlich seitens der EZB angekündigte Abschaffung des Fünfhunderteuroscheins, was „nur ein erster Schritt“ hin zur völligen Abschaffung allen Bargelds sei.

„Wir werden genau beobachten, ob dieses fraglos wichtige Thema eventuell nur vorgeschoben ist, um gegen Geflüchtete zu hetzen oder anderweitig rechtspopulistische Themen damit zu verknüpfen“, sagt No-Fragida-Sprecherin Annette Ludwig. Die Befürchtung der „Antifaschisten“ scheint nicht aus der Luft gegriffen zu sein. Einer der drei angekündigten Redner ist Thorsten Schulte, der sich selbst als „Silberjunge“ bezeichnet, und seit Jahren beruflich für den Ankauf von Edelmetallen wirbt in Büchern und Vorträgen. Doch dass die Angst vor der Abschaffung des Bargelds als Werbeveranstaltung genutzt werden könnte, ist die geringste Sorge der Aktivisten. Denn Schulte betätigt sich darüber hinaus als Autor für den Kopp-Verlag, der nicht nur Bücher über Ufos, Kornkreise und Wünschelruten veröffentlicht, sondern auch Artikel in denen von „Asylantenflut“ die Rede ist oder Flüchtlinge der „Invasion“ bezichtigt werden.

Ähnlich entmenschlichende sprachliche Bilder wie „Europa überflutende Flüchtlinge“ verwendet die „Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg“ in ihren Publikationen. In deren Beirat sitzt der Ökonom Max Otte, der ein weiterer Redner am Samstag sein wird. Dritter im Bunde ist Joachim Starbatty, einst stellvertretender Vorsitzender der Partei „Bund freier Bürger“, die von Verfassungsschutzbehörden als rechtsextrem eingestuft wurde. 2014 zog er für die AfD in das Europäische Parlament ein. Gleichwohl erklärte er allerdings im vergangenen Sommer seinen Rücktritt aus dieser Partei, da sich „die AfD in eine Richtung entwickelt, die ich nicht mehr mittragen kann“. Inzwischen ist Starbatty Mitglied der AfD-Abspaltung ALFA. „Wir wollen niemand vorverurteilen, aber werden angesichts solcher Hintergründe sehr wachsam sein“, kündigt Annette Ludwig an.

130 000 Unterstützer

„Wir haben innerhalb kürzester Zeit mit unserer Initiative und der fast 130 000 Unterstützer gewonnen. Vielen Bürgern ist also die bestehende Bedrohung durchaus bewusst. Durch den öffentlichen Protest werden wir noch mehr Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenken können“, erläutert Schäfer. Frankfurt biete sich dabei aus zweierlei Gründen an. Zum einen spielt die Stadt in der deutschen Geschichte eine zentrale Rolle bei der Etablierung und Verteidigung der bürgerlichen Freiheitsrechte. Zum anderen aber ist Frankfurt der Sitz der EZB. „Die Negativzinspolitik der Zentralbank ist der maßgeblich Treiber für die geplanten Einschränkungen und letztlich die Abschaffung des Bargeldverkehrs. Denn nur ohne Bargeld können die Negativzinsen gegen jeden Kontobesitzer durchgesetzt und diese so enteignet werden“, so Schäfer abschließend.

(pvf,red)

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