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Müll und illegale Fischerei: Chaotische Szenen am Nieder Wildwasser

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Von: Holger Vonhof

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Badegäste kommen mit Decken, Luftmatratzen und Liegestühlen ins Naturschutzgebiet. Abends werden Grills aufgebaut, und es wird getrunken und gefeiert.
Badegäste kommen mit Decken, Luftmatratzen und Liegestühlen ins Naturschutzgebiet. Abends werden Grills aufgebaut, und es wird getrunken und gefeiert. © Holger Vonhof

Fischereiaufseher beklagen Vermüllung und Verstöße gegen den Naturschutz an der Nidda. Zudem werde versucht, Fische mit großen Netzen zu fangen.

Frankfurt – Würde nur jemand ab und zu die Hosenbeine hochkrempeln und ins Wasser steigen oder das Stöckchen für den Hund übers Nass werfen, gäbe es keine Probleme. Dass aber an heißen Tagen Hunderte täglich das „Nieder Wildwasser“ als Badestelle nutzen, dort mit Luftmatratzen und Klappstühlen kampieren und vereinzelt gar mit Autos oder Mopeds über den Uferweg fahren, und dass sogar Pferde durch den Fluss ritten, das ist für Fischereiaufseher Christian Wanhoff untragbar.

„Ich habe mehrfach festgestellt, dass sich an der Nidda an den Wochenenden chaotische Szenen abspielen“, sagt Wanhoff. „Die Menschen stellen ihre Stühle und Liegen dort ins Wasser, gehen mit Sonnenmilch eingecremt in den Flusslauf.“ Viele ließen ihren Müll zurück. Verbots- und Hinweisschilder würden umgetreten. Was ihn als Fischereiaufseher fassungslos macht: Die Renaturierungs-Idee der Nidda wird untergraben, denn Fische können nicht mehr die Aufstiegsmöglichkeiten zur Wanderung im Fluss nutzen: „Ein Fischsterben setzt ein.“

Frankfurt: Vor allem am Abend großer Andrang an der Nidda

Auch sein Kollege Marcel Triemer, wie Wanhoff als städtischer Ehrenbeamter für den Nidda-Abschnitt zuständig, in den die Renaturierungsmaßnahme am früheren Höchster Wehr fällt, hat beobachtet, dass dort tagsüber Familien badeten, während abends gegrillt und Alkohol getrunken werde – was im Naturschutzgebiet, zu dem das Nieder Wildwasser gehört, verboten ist. Das bestätigt Andreas Ruff, Vorsitzender des Angelvereins Einigkeit Höchst: „Abends nimmt das mit dem Andrang deutlich zu.“

Seit drei Jahren besetzen die Angler die Nidda in dem Bereich mit 1000 Bachforellen pro Saison. Das alte Höchster Wehr ist zum Wildwasser umgebaut worden, damit Forelle und Nase, ein Karpfenfisch, im Fluss wandern können. „Wenn das im Sommer mit dem Baden losgeht, sind die Forellen weg“, sagt Christian Wanhoff.

Fischereiaufseher verärgert: Polizei Frankfurt reagiert nur im Notfall

Dazu kommt, dass die Fischereiaufseher Wanhoff und Triemer seit diesem Jahr verstärkt feststellen, dass Kriminelle versuchten, die Nidda und ihre Altarme illegal abzufischen. Dabei geht es nicht um einzelne Angler, die keinen Schein haben: „Mitte Mai haben wir aus dem Kollmannweiher ein 25-Meter-Stellnetz rausgezogen. Es war mit einer Armbrust über das Gewässer geschossen worden.“ Wahrscheinlich seien die Fischwilderer gestört worden.

Seitens der Ordnungsbehörden fühlen sich die beiden Fischereiaufseher im Stich gelassen. „Die Polizei reagiert nur, wenn etwas zu eskalieren droht“, sagt Wanhoff; Kontrollen des Ordnungsamts wegen der Badenden und der Grill-Fans seien zu selten und ohne Nachdruck. Wanhoff habe die Stadtpolizei gebeten, an den Wochenenden vermehrt nachmittags zu kontrollieren. Die Antwort: Es werde sowohl von uniformierten wie auch zivilen Kräften kontrolliert, und erwische man jemanden beim Grillen oder Müll wegwerfen, werde das geahndet. Aber: „Eine Dauerüberwachung ist uns aus personellen Gründen nicht möglich“, teilt die Stadtpolizei mit.

Im nächsten Jahr soll ein paar hundert Meter flussaufwärts mit der Anbindung des Grill’schen Altarms an die Nidda und mit der Renaturierung dort begonnen werden. „Bekommen wir dann noch so eine Badestelle?“, fragt Wanhoff. Verstöße, so finden die Fischereiaufseher, müssten konsequenter geahndet werden: „Wenn es an den Geldbeutel geht, dann spricht sich das rum.“ (Holger Vonhof)

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