Was nach entspannter Gymnastik aussieht, ist harte Arbeit: Jeden Mittwoch gibt es beim FC Kalbach ein Boot Camp. FOTO: leonhard hamerski
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Was nach entspannter Gymnastik aussieht, ist harte Arbeit: Jeden Mittwoch gibt es beim FC Kalbach ein Boot Camp.

Frankfurter Sportangebot

Fitness auf dem Kalbacher Fußballplatz

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Neu gegründete Abteilung sucht Trainer und Teilnehmer

Langsam geht die Sonne hinter der Autobahn unter, auf dem Hartplatz des FC Kalbach gehen die Flutlichtmasten an. Sechs Frauen stehen dort im Kreis, im Ausfallschritt, die Arme in die Höhe gestreckt. Sie atmen tief ein und dann wieder aus. Aus der großen schwarzen Lautsprecherbox ertönt Musik.

Es sieht nach einer entspannten Trainingseinheit aus. Doch der Eindruck täuscht. Binnen Sekunden ändert sich die Situation. "Wir laufen auf der Stelle, schneller, schneller, schneller", ruft Nadine Periera Orfao. Laut ist ihre Stimme, so laut, dass sogar die Fußballer, die auf dem benachbarten Kunstrasenplatz die letzten Bälle einsammeln, kurz zusammenzucken. "Und jetzt springen wir. Eins, zwei, eins, zwei", brüllt die Trainerin. Und alle machen mit. Kein Wunder, bei dieser Ansage.

Erst ein Workshop, jetzt eine Abteilung

Obwohl das eigentlich gar nicht die Art von Nadine Periera Orfao ist. Im Gegenteil, sie ist ein durchweg positiver Mensch. Sie lacht viel. "Aber manchmal muss ich halt ein wenig durchgreifen. Schließlich ist das hier ein Boot Camp", sagt die 37-Jährige. Was vor rund einem Jahr noch ein Workshop auf dem Gelände des FC Kalbach war, mittlerweile aber regelmäßig stattfindet. Denn seit Anfang September hat der Fußballclub eine eigene Fitness-Abteilung, die Periera Orfao leitet. Mit 42 Mitgliedern.

Als Reinhard Vanhöfen, Vorsitzender des FC, sie angesprochen hat, ob sie nicht einen Kurs anbieten möchte, hätte die Fitnesstrainerin, die im Hauptberuf Kieferorthopädin ist, nicht damit gerechnet, dass sich alles so entwickelt. "Ich war schon ein wenig überrumpelt. Letztendlich finde ich es aber toll, was daraus geworden ist", sagt sie.

Und so gibt es mittlerweile zwei Angebote: Full Body Mobilitiy am Montag von 19.30 Uhr bis 20.30 Uhr sowie jeden Mittwoch von 19 bis 20 Uhr das Boot Camp. Aber auch wenn der Name seinen Ursprung im us-amerikanischen Militär hat, dort wird ein Teil der Grundausbildung damit bezeichnet, habe es damit nur wenig gemein. "Wir drillen hier niemanden bis zum Umfallen. Es geht viel mehr darum, mit seinem eigenen Körpergewicht zu trainieren. Dass der Ton manchmal etwas rauer ist, gehört als Ansporn allerdings dazu, Aber es wird auch mindestens genauso viel gelacht", sagt Periera Orfao.

Ihre Schützlinge sind derweil arg ins Schwitzen gekommen, die erste Trinkpause gibt es nach dem Aufwärmen. Ehe mit den Seilen und den Traktorreifen, die auf dem Hartplatz liegen, weitergemacht wird. Man brauche gar nicht so viele Utensilien, das Wichtigste sei eigentlich eine Matte, sagt die Trainerin. Und so sei es auch seit der Beginn der Corona-Pandemie gut möglich gewesen, gemeinsam über die Videoplattform Zoom zu trainieren. Eine Alternative, auf die man bei schlechtem Wetter immer wieder mal zurückgreife. Ansonsten habe man noch die Möglichkeit in eine Halle im Sportzentrum auszuweichen. "Aber hier draußen an der frischen Luft ist es doch am schönsten", sagt die junge Frau, die mittlerweile etwas kürzer treten muss.

Mit 17 Jahren geht es los

Auf das viele Springen, das die Muskeln der Kursteilnehmerinnen lockert, verzichtet sie. Denn Nadine Periera Orfao ist schwanger, im März soll das Kind kommen. Allein schon deswegen, aber auch weil das Interesse an dem Angebot der neuen Fitness-Abteilung so groß sei, sucht sie Trainer. "Die Voraussetzungen sind nicht groß, man sollte über 17 Jahre alt sein und Spaß an der Bewegung haben", sagt sie. Die Kosten für den Übungsleiterschein übernimmt der Verein.

Teilnehmen könne an dem Angebot eigentlich jeder ab 17 Jahre. "Jugendliche überschätzen sich leicht, das kann nach hinten los gehen. Man muss wissen, wann man eine Pause braucht", erklärt Periera Orfao die Altersgrenze. Zwischen 20 und 70 Jahren seien ihre Schützlinge, sowohl Männer, als auch Frauen sind mit dabei. Wobei das vermeintlich stärkere Geschlecht an diesem Abend nicht vertreten ist. Ob es ihnen zu kalt ist? Das ist reine Spekulation. Anders als die Erfahrung der Trainerin, dass letztlich die Frauen "ein weniger leidensfähiger" seien. Die Teilnehmerinnen nickend zustimmend.

"Auf gehts jetzt", ruft die Trainerin plötzlich laut. Die Trinkpause ist beendet, die Einheit geht weiter. Die Sonne ist mittlerweile hinter der Autobahn verschwunden. judith dietermann

Mehr Informationen

Wer Interesse hat, als Trainer oder Teilnehmer kann sich unter der E-Mail-Adresse fitness@ fc-kalbach.de melden. Infos gibt es auch im Internet unter www.fc-kalbach.de/fitness

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