Judenfeindlichkeit

Flagge zeigen gegen Antisemitismus: Kippa-Tag in Frankfurt

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Antisemitismus ist auch in Hessen verbreitet. Bei der Bekämpfung judenfeindlicher Vorfälle setzt das Land auf Prävention und Aufklärung. Mit dem Kippa-Tag soll am Montag ein Zeichen gesetzt werden.

Der Antisemitismus zeigt in Deutschland tagtäglich sein hässliches Gesicht. Sei es wie in Berlin, wo in Schulen Kinder jüdischen Glaubens von Mitschülern gemobbt und bedroht und Kippa-Träger auf offener Straße angegriffen werden. Auch in Hessen sind solche Attacken, die sich gegen die jüdische Bevölkerung richten, keine Seltenheit. So beschmierten erst vor kurzem in Eschenburg im Lahn-Dill-Kreis Unbekannte eine Grundschule und einen Kindergarten mit antisemitischen Hetz-Parolen.

Um gegen diesen grassierenden Antisemitismus Flagge zu zeigen, hat Frankfurts Kämmerer und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) für den kommenden Montag (14. Mai) zu einer Demonstration unter dem Motto „Zeig’ Gesicht und Kippa“ aufgerufen.

Die Finanzmetropole reiht sich damit in die Reihe von anderen Großstädten ein, die zu ähnlichen Aktionen aufgerufen hatten. Dass Antisemitismus auch in Hessen kein Seltenheitsphänomen ist, geht aus der polizeilichen Kriminalstatistik des Landes hervor. So wurde im vergangenen Jahr 59 Straftaten, die einen antisemitischen Hintergrund hatten zur Anzeige gebracht, so Marcus Gerngroß, Sprecher des Hessischen Innenministeriums.

Das ist zwar ein leichter Rückgang gegenüber den Vorjahren, trotzdem darf mit einer hoher Dunkelziffer bei diesen Straftaten ausgegangen werden, da nicht jede antisemitische Hetze zur Anzeige gebracht wird. So zum Beispiel, wenn im Fußballstadion oder auf dem Schulhof das Wort „Jude“ als Beschimpfung und Beleidigung missbraucht wird.

Ein weiterer Aspekt, den die hessische Polizeistatistik deutlich macht: Antisemitische Straftaten werden in über 90 Prozent der Fälle „rechten“ Tätern zugeordnet. „Islamisten“ spielen offenbar als Straftäter nur eine untergeordnete Rolle. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch eine Studie des Landesamtes für Verfassungsschutz, die sich mit „Erscheinungsformen und ideologischen Hintergründen antisemitischer Agitation in den sozialen Netzwerken“ beschäftigt.

Auch im Netz grassiert das Unwesen des Antisemitismus. Wie die Autorin der Verfassungsschutzstudie, Ann-Christin Wegener, herausfand, benutzen ein Viertel der antisemitischen „Autoren“ im Netz die Form pauschaler Abwertungen ohne jegliche Begründung. Häufig seien das Schimpfworte, aber auch durch Aussagen wie „ich hasse Juden“ oder „da sind mir sogar Muslime lieber“ an.

In einem weiteren Viertel der untersuchten Fälle werde auf klassische antisemitische Stereotype zurückgegriffen, insbesondere das Bild vom gierigen, Wucher treibenden Juden.

Um den Anfängen zu wehren, hatte sich der Chef der CDU-Fraktion im Bundestag, Volker Kauder, für eine Meldepflicht von antisemitischen Vorfällen an Schulen stark gemacht. Der Zentralrat der Juden in Deutschland konnte sich mit dieser Idee anfreunden. Der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, setzt auf eine Institution, die alle judenfeindlichen Vorgänge in Deutschland schnell und unkompliziert erfasst.

In Hessen kommen diese Vorstöße derzeit noch nicht an. In Frankfurt sieht der Magistrat keine Notwendigkeit für ein Meldesystem, wie die Schuldezernentin Sylvia Weber (SPD) sagte.

Stattdessen setzten die Verantwortlichen in Land und Stadt auf Prävention und

Aufklärung

in den Schulen.

Auch Leo Latasch vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt setzt auf Prävention und

Aufklärung

. Denn Antisemitismus komme nicht immer klar daher, sondern verstecke sich mitunter als Kritik gegenüber der Politik Israels.

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