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Emile (13, links) und Janis (12) lesen auf dem Flugzeug in der Stadtteilbibliothek Rödelheim aus dem ?Kleinen Prinzen? vor. Emile auf Französisch, Janis auf Deutsch.

Schüler lesen Saint-Exupérys Werk in Deutsch und Französisch

Fliegen mit dem „Kleinen Prinzen“

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In der Rödelheimer Stadtteilbücherei wurde die „Fête de Francophonie“, eine internationale Feier der Sprache Französisch, begangen, die jedes Jahr Ende März stattfindet. Im Mittelpunkt stand eine der bekanntesten Kindergeschichten der Welt.

Während Antoine de Saint-Exupéry in den 1940er-Jahren sein Märchen „Der kleine Prinz“ schrieb und zeichnete, tobte in Europa der Zweite Weltkrieg. Dass seine im US-Exil geschriebene Geschichte einmal ein in 180 Sprachen übersetztes Standardwerk für Kinder werden würde, konnte der Schriftsteller, Zeichner und Pilot damals nicht ahnen.

Doch die Geschichte des Piloten, der in der Sahara notlandet und dort dem namensgebenden Protagonisten begegnet, ist zeitlos. Für Erwachsene geht es nach wie vor um moralisches Denken und eine Kritik der Gesellschaft, für Kinder steht das Märchen trotz seines eher traurigen Ausgangs für Freundschaft und Menschlichkeit: Werte, denen gerade an dem Abend, an dem in der Stadtteilbibliothek Rödelheim das Fest der Francophonie gefeiert wird, gedacht werden sollte. Es ist der Dienstag, an dem in der belgischen Hauptstadt Brüssel mehr als 30 Menschen bei Bombenanschlägen ums Leben kommen.

„Ich habe überlegt, ob ich in der Eröffnungsmoderation etwas dazu sage“, sagt Dominique Petre, die die Veranstaltung als Kulturbeauftragte beim Institut Franco-Allemand jährlich mit einer deutsch-französischen Lesung für Kinder organisiert. Die gebürtige Brüsselerin findet jedoch keine Worte, die auch den Kindern in der Bücherei gerecht werden und entscheidet sich daher dagegen.

Dafür präsentierten die beiden Vorleser, der zwölfjährige Janik und der 13-jährige Emile Kernstellen aus dem Buch auf Deutsch und Französisch, in denen es um Freundschaft geht, um die Liebe zur Natur und darum, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Die beiden Jungen kennen die Geschichte selbst seit ihrer Kindheit, Emile hat bei einer Theatervorführung in der Europäischen Schule schon selbst den kleinen Prinzen verkörpert, Janik an der Liebigschule einen Vorlesewettbewerb gewonnen. Das Flugzeug aus Emiles Theateraufführung dient in der Bücherei als Kulisse.

„Wir haben uns bewusst für die neueste Übersetzung von Peter Sloterdijk entschieden“, sagt Dominique Petre, „weil sie in meinen Augen kindergerechter ist als die erste Übersetzung aus den 1950er-Jahren und weil der kleine Prinz dabei mehr im Vordergrund steht.“ Auf einer Leinwand werden die Originalzeichnungen aus den jeweiligen Kapiteln gezeigt: bei Emiles französischer Version die von Saint-Exupéry, bei Janik die aus der 2015 erschienenen Sloterdijk-Übersetzung des österreichischen Zeichners Nicolas Mahler.

Als Höhepunkt für viele der Kinder kommt am Ende der Lesung auch noch ein Überraschungsgast: Maximilian Eiselt ist Pilot bei Air France und erzählt den Kindern aus seinem Berufsalltag mit mehr als 20 innereuropäischen Flügen pro Woche. Auf die Fragen, wann Piloten in Rente gehen dürften und ob er beim Fliegen keine Angst habe, steht er Rede und Antwort. Eine Notlandung, wie sie im „Kleinen Prinzen“ passiert, ist ihm bislang zwar glücklicherweise erspart geblieben, über Abenteuer, wie sie auch Saint-Exupéry erlebt hat, kann er dennoch eine ganze Menge berichten.

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